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Affengesellschaft

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affengesellschaftJulia Fischer
Suhrkamp Verlag, 281 Seiten
ISBN 978-3-518-42302-8
Fr. 36.90 (UVP)

 

Seit Darwin es sich einfallen liess, die Lehre von der selektiven Zuchtwahl in den wissenschaftlichen Kanon zu werfen, und dabei auch gleich noch die nahe Verwandtschaft von Menschen und Affen zu behaupten, erwarten wir uns von den Affen Antworten auf grosse Menschheitsfragen. Wie kam das mit dem Denken zustande? Weshalb können wir auch über Dinge reden, von denen wir keine Ahnung haben? Und wo gibt es die besten Bananen? Bis auf die letzte sind dies auch die Fragen, die sich die deutsche Biologin Julia Fischer stellt. In ihrem Buch berichtet sie uns davon, wo und auf welchem Weg sie zu schlüssigen Antworten zu kommen hofft. Sie erzählt dabei nicht nur spannend von Pavianen und Schimpansen, sondern auch von den Tücken der Feldforschung, und hebt uns dabei in ebenso unterhaltsamer wie informativer Weise auf die Höhe des Forschungsstandes.

Eigentlich müsste ihr Buch ja „Affensprache" heissen. Denn die Affengesellschaft, von deren Differenzierung und Diversifizierung sie uns im ersten Teil ihres Buches eine Ahnung verschafft, wird hauptsächlich dargelegt, insoweit die diesbezüglichen Kenntnisse zur Untersuchung ihres wichtigsten Forschungsgegenstands unerlässlich sind. Auch der zweite Teil von Julia Fischers Ausführungen nähert sich dieser Hauptfrage erst an. Hier geht es um die äffische Kognition, also grob gesagt um ihre Fähigkeiten der Wahrnehmung und deren Verarbeitung, und die notgedrungen trickreichen Methoden, mit der die Wissenschaft der tierischen Intelligenz auf die Spur zu kommen sucht. Die grosse Frage, an der sich all ihre Kenntnisse aus der Affenforschung hochranken, ist jene nach dem Ursprung der Sprache. Die Einsichten, die sie uns zur Kommunikation und der Eigen- und Fremdwahrnehmung im Affenverband vermittelt, sind genauso aufschlussreich, wie sie detailliert sind. Sie kann uns dabei zudem ein anschauliches Bild davon zeichnen, wo uns die Primaten in Fähigkeiten und Lebensweise ähnlich sind - und wo eben nicht. Man könnte nun befürchten, dass die Umwege und Gabelungen, über die Julia Fischer den Leser führt, in diesem Gefühle der Orientierungslosigkeit oder gar der Langeweile erzeugen. Glücklicherweise beherrscht die Autorin die erzählerischen Aspekte ihrer Wissenschaftsprosa so gekonnt – und sind die angesprochenen Themenbereiche auch in sich selbst so lohnend – dass dies kaum jemals geschieht. Einzig einige der eingeflochtenen persönlichen Anekdoten blieben uns in Sinn und Unterhaltungswert verschlossen. Diese bedeuten bezüglich des Leseflusses jedoch höchstens Stromschnellen, keine Staumauern.

Julia Fischer ist keine Frau der grossen Thesen, und wir vermögen das sehr zu schätzen. Oft schon heischten Bücher zur Affenforschung mit sensationellen Erkenntnissen um unsere Aufmerksamkeit, oder versuchten mittels gewagter Interpretationen Revolutionen unseres Selbst- und Naturverständnisses anzustossen. Diese erwiesen sich, nach der mühseligen Arbeit der Relativierung, meist als kurzlebig. Ihr Buch liefert uns zu den kurzweiligen Ausflügen in die Feldforschung und den erstaunlich spannenden Schilderungen von alten und neuen Verhaltens- und Wahrnehmungsexperimenten die wissenschaftliche Vorsicht gleich mit. Dass ihr auch dies gelingt, ohne das wissenschaftliche tägliche Brot in Zwieback zu verwandeln, ist ihr nochmals hoch anzurechnen.

Rezension: Sacha Rufer

 

 

 

 

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