Die globale, intensive Fischerei hat zur Folge, dass 80% aller Fischbestände der Weltmeere übermässig ausgebeutet sind. Wird die erlaubte Fangquote nicht sofort gesenkt, droht ein völliges Aussterben vieler Fischarten. Das EU-Parlament hat deshalb Reformpläne vorgelegt.
Von 16'764 Fischarten werden mehrere Tausend als Speisefische von den Menschen verzehrt. Der jährliche, weltweite Fischkonsum liegt bei 150 Millionen Tonnen. Für eine Milliarde Menschen sind Fische die wichtigste Quelle für tierisches Eiweiss. Soll das so bleiben, muss dringend auf nachhaltige Fischerei umgestellt werden.
Die Fischerei, wie sie heute vielerorts betrieben wird, hat drastische Auswirkungen auf die Ökosysteme der Meere. Werden beliebte Raubfische wie Dorade, Kabeljau, Rotbarsch oder Lachs massenhaft gefischt, vergrössern sich die Bestände der Beutetiere explosionsartig. Dies geschah beispielsweise vor der Küste Kanadas nach der Überfischung des Kabeljaus. Der Bestand erholte sich nicht mehr, was zur Folge hatte, dass sich der Seeigel als bevorzugte Beute des Kabeljaus in kurzer Zeit extrem vermehrte. Die Küsten sind von hungrigen Seeigeln belagert, die sich an den Pflanzen zu schaffen machen. Dadurch bricht das Ökosystem völlig zusammen.
Ein besonders trauriges Beispiel intensivierter Fischerei ist die Schleppnetzfischerei. Dabei werden riesige Netze von einem oder mehreren Schiffen gezogen und die Meere wortwörtlich leer gefischt. In diesen Schleppnetzen verfangen sich verschiedenste Meeresbewohner und verenden elendiglich – von Walen, über Delfine bis hin zu Schildkröten. Diese brutale Fangmethode schädigt zudem den Meeresboden und zerstört die am Boden lebenden Organismen. Selbst ganze Ökosysteme, wie beispielsweise Korallenriffe, werden so ruiniert!
Auch die Fangquoten, welche in der EU von Fischereiministern festgelegt werden, ändern daran nichts, da sie nicht mit den Empfehlungen der Experten übereinstimmen. Eine grosse Rolle spielt dabei die Unmengen an Beifang (oft über 80%!), der auf offenem Meer aufgrund der nicht selektiven Fangweise mitgefischt wird. Die Fischereigesetze beschränken lediglich die Anzahl Fische und Arten, welche in den Hafen transportiert werden. Alles was mitgefischt wird, darf auf offenem Meer tot über Bord geworfen werden. Meistens sind darunter kleine, noch nicht geschlechtsreife Fische, die sich dann nicht weiter fortpflanzen können. Dadurch wird die Population verringert. Obwohl unter dem Beifang oft qualitativ hochwertige, essbare Fische sind, werden diese zurück ins Meer gekippt, da nur die grössten und wirtschaftlich lukrativsten zurückbehalten werden.
Die EU-Kommission bestätigt, dass mehr als drei Viertel der Bestände überfischt sind. Ulrike Rodust, eine deutsche Sozialdemokratin, möchte erreichen, dass neue Fanggeräte eingesetzt werden um den Beifang zu minimieren. Dazu müsste die EU anfallende Zuschüsse finanzieren. Ausserdem sollte beispielsweise in gewissen Gebieten des Mittelmeers über eine bestimmte Zeitspanne nicht gefischt werden, damit sich die Bestände, soweit möglich, erholen.
Danach ist es wichtig, die Fangquoten nicht parallel zur Population zu erhöhen, denn nur eine massvolle, nachhaltige Fischerei kann die Ausbeutung der Meere noch stoppen. Fischereilizenzen und Nachhaltigkeits-Siegel sollen im künftigen Fischereimanagement geregelt und eingebunden werden. Zu erwarten ist Widerstand auf Seiten der Länder mit grossen Fischfangflotten. Jedoch sollten gerade diese an einer nachhaltigen Fischerei interessiert sein, kann das Ökosystem Meer doch nur noch wenige Jahre einer derart verantwortungslosen Fischerei standhalten. Was nützen dann die Fangflotten, wenn keine Fische mehr zu fangen sind?! Die mangelnde Rücksichtnahme auf die Natur und deren Ökosysteme rächt sich hier im ökonomischen Bereich spürbar und wird bezifferbar – der ökologische Schaden hingegen ist nicht bezifferbar.
(Foto: Remo Hediger)