Buch «Der grosse Bluff»

Buch «Der grosse Bluff»

Irrwege und Lügen der Alternativmedizin

Esoterik boomt. Im Fernsehen werden Karten gelegt, im Quartierverein gependelt, in den Verlagen Bücher darüber in Auftrag gegeben. Doch wohl nirgends ist die Esoterik so selbstverständlich in den Alltag integriert wie in der Medizin. Sie hat dort in Gestalt der - nicht immer grundlos - als profitgierig und „seelenlos" verschrienen sogenannten „Schulmedizin" einen willkommenen Buhmann.

 

Autor  Theodor Much
Verlag  Goldegg Verlag
Umfang  267 Seiten
ISBN  978-3-902903-10-5
Preis  Fr. 28.50

 

Doch wo diese noch recht junge evidenzbasierte Medizin sich wenigstens bemüht, für die Wirktüchtigkeit ihrer Methoden und Heilmittel einen Nachweis jenseits des Placeboeffekts zu führen, redet sich die Alternativ- bzw. Komplementärmedizin gewohnheitsmässig auf die wissenschaftliche Unüberprüfbarkeit ihrer spirituellen Wahrheiten hinaus. Diese Dogmatik, in gefällige Versprechen gekleidet, generiert indessen so viel Geld, dass sich kaum eine Apotheke ihr mehr widersetzen will oder kann. Wenn also Theodor Much, selbst von gelegentlichen Irrwegen geläuterter Dermatologe, sich in seinem Buch dieser Flut entgegenstemmt, dann hat er erstmal unsere Sympathie – und behält sie dann auch über weite Strecken. Er klärt uns darin über die historischen Hintergründe, die medizinischen Begründungen und esoterischen Weltbilder auf, die den Meridianen, Globuli und kinesiologischen Diagnosen zu Grunde liegen, und durchforstet für uns die Studien zu ihrer Wirksamkeit. Sein Themenfeld ist weit. Da sind zum einen die ganz offensichtlich esoterischen Ansätze wie Reiki, Edelsteintherapie und, mit der besonderen Aufmerksamkeit des Autors, die Homöopathie. Dann jene, die diese Vorstellungen mit Modernität verbrämen (Bioresonanz, Frischzellentherapie...) oder die, die sich auf Altes Wissen berufen (Ayurveda, Akupunktur...). Wir lernen während seiner Ausführungen auch einiges Wissenswerte und Aufhellende aus den nebligeren Gefilden der Medizingeschichte. Das Ergebnis der erwähnten Studien ist schliesslich ernüchternd. In diesem Sinne versteht Theodor Much sein Buch als Beitrag zum Patientenschutz. Er macht sich auch tatsächlich nicht - wie man ihm vielleicht vorhalten möchte - mit zynischer Arroganz über die Verzweiflung von Kranken her, und er macht keinen Hehl daraus, dass die evidenzbasierte Medizin nicht alle Antworten hat. Doch spätestens, wenn eine sachverständige Diagnose zu Gunsten einer uns vielleicht sanfter oder „ganzheitlicher" scheinenden Behandlung ausgelassen wird, kann unwiderruflicher Schaden entstehen – wobei auch diese sanften Heilverfahren sehr wohl nichts nützen und dennoch schaden können.

Er bricht dabei nicht alle alternativmedizinischen Ansätze über einem Knie, bleibt uns aber – mit Ausnahme der Phytotherapie, also der klassischen Heilpflanzenkunde – diejenigen schuldig, die eine Wirksamkeit nachweisen können. Das ist wohl seinem Schreibstil geschuldet. Theodor Much polemisiert. Er hält damit zwar den Leser, dem dies einiges an Vergnügen und emotionaler Beteiligung beschert, auch während trockener Erläuterungen bei der Stange, verliert darüber aber manchmal die logische Glaubwürdigkeit seiner Beweisführungen. Da darf man ihm dann gerne dasselbe kritische Stirnrunzeln, das er uns bezüglich der Alternativmedizin empfiehlt, zukommen lassen. Doch auch wenn wir uns das Buch ein wenig gleichmütiger gewünscht hätten: Es ist ein höchst willkommenes Buch, das sich im Interesse einer fundierten Aufklärung recht einsam zwischen die Barrikaden und Verkaufsstände der Naturheilpraktiker, Wunderheiler und ganzheitlichen Therapeuten stellt.

Rezension: Sacha Rufer

 

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