Buch «Blütengeheimnisse»

Buch «Blütengeheimnisse»

Wie Blumen werben, locken und verführen

Die Dinosaurier begegneten ihnen kaum einmal, die meisten von ihnen sogar nie; den Blüten. Doch seither hat sich die Dekorationsabteilung der Natur einiges einfallen lassen, um unsere Wiesen, Fensterbänke, Tischgedecke und Friedhöfe farbenfroh zu verzieren. Immer zu nur einem Zweck: Blümchensex.

 

Autor  Bruno P. Kremer
Verlag  Haupt Verlag
Umfang  247 Seiten
ISBN  978-3-258-07782-6
Preis  Fr. 49.90

 

Man hört und liest ja sporadisch, die Naturwissenschaften hätten mit ihrem Hang zum Detail, zur Klassifikation und zur Reduktion die Natur entzaubert. Mit schöner Regelmässigkeit erscheinen dann aber auch Bücher, die diese Behauptung gekonnt und überzeugend widerlegen. So wie dieser Bildband des Biologen und Biochemikers Bruno P. Kremer, der den Zauber der Blüten nicht nur in den prächtigen Fotos, sondern auch in seinem stattlichen Informationsgehalt zu wahren und zu mehren weiss. Der Autor ist uns bisher hauptsächlich als Verfasser einer beträchtlichen Anzahl von kompetenten Natur- und Pflanzenführern bekannt. Dass er sich in diesem Band über die kurzgefasste Aufzählung hinausbegeben und als Erklärer und Erzähler austoben kann, macht ihm ganz offensichtlich Spass. Das wirkt direkt auf das Leseerlebnis zurück. Mit freudiger Leidenschaft und einigem Humor erläutert er uns Geschichte, Zweck, Aufbau und Vielfalt der Blumen und Blüten. Da es dabei naturgemäss fast durchweg um Fortpflanzung geht, ist sein Buch eine laientaugliche, aber dadurch nicht weniger ernsthafte und fundierte Einführung in das Sexualleben der Pflanzen. Er weitet diesen Themenkreis durch pflanzenphysiologische Einlassungen, unterstützt von zahlreichen hilfreichen schematischen Darstellungen. Dann bietet er uns spannende Einblicke in das Zusammenspiel von Blumen und Tieren und somit in die ausgeklügelten botanischen Werbungs- und Verführungstaktiken. Sogar an einer Erklärung unserer offenbar naturgegebenen Freude an der Blütenpracht versucht er sich. Zum Poeten wird er dadurch zwar noch nicht: Er nimmt für seinen Ausflug in die Ästhetik das klassische naturwissenschaftliche Instrumentarium der Mathematik zu Hilfe. Aber sein Buch atmet die Lust und Faszination an den Blumen mindestens ebenso offenkundig wie jedes begeisterungsschwangere Frühlingsgedicht.

Einen gewichtigen Anteil hierzu trägt die Bebilderung bei. Da wären einerseits all die reich eingestreuten, schönen und grossflächigen Fotos von farbenprächtigen Blüten, die sich einer hervorragenden Qualität brüsten dürfen. Diese heben das Buch indessen noch nicht aus der Masse von Blumenbildbänden heraus. Doch genauso wie der Autor im Detail noch zusätzliche Schönheit, Eleganz und Anmut entdeckt, tun dies auch die Fotos, wenn sie näher heranzoomen oder uns einen ungewohnten Einblick in einen Blütenquerschnitt gewähren. Dass gerade diese Fotos dann von Bruno P. Kremer selbst stammen, verwundert da nicht. Im Kleinen, so beweisen sie, vervielfacht sich der Zauber, und sie stellen uns damit vor die Entscheidung, ob wir zur nächsten Wanderung nicht auch noch eine Lupe einpacken sollen. Zwischen wissenschaftlichem Anspruch, Allgemeinverständlichkeit und einer ansteckenden Begeisterung die Kurve zu kriegen, ist eine achtenswerte Herausforderung. Vor allem, wenn – wie hier – der wissenschaftliche Anspruch sich nicht auf den simpelsten Nenner herunterbrechen will und sich um eine exakte Einführung des Laien in die Thematik bemüht. Bruno P. Kremer fährt diesbezüglich jenen selbstsicheren und leichtfüssigen Slalom, der von langjähriger Erfahrung zeugt.

Rezension: Sacha Rufer

 

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