Buch «Das Lexikon der alten Gemüsesorten»

Buch «Das Lexikon der alten Gemüsesorten»

800 Sorten - Geschichte, Merkmale, Anbau und Verwendung in der Küche

Alte Gemüsesorten, das klingt ein wenig nach gestrig, rückständig. Wir wollen deshalb für eine andere Umschreibung plädieren. Traditionelle Gemüsesorten? Kreative Gemüsesorten? Individuelle Gemüsesorten? Alle drei Adjektive wären wohl im Sinne der Autoren dieses neuen Lexikons zum schützenswerten Kulturgut Gemüse.

Autor  Marianna Serena / Michael Suanjak
Verlag  AT Verlag
Umfang  671 Seiten
ISBN  978-3-03800-620-6
Preis  Fr. 78.— (UVP)

 

Es ist ein veritabler Wälzer, den uns Pro Specie Rara, Arche Noah und der AT Verlag hier zusammengestellt haben. Er bringt uns achthundert Gemüsesorten nahe, die aus dem schier unüberschaubaren Verlust von agrarischer Biodiversität während den letzten hundert Jahren gerettet werden konnten und nun vermehrt wieder von idealistischen, an Nachhaltigkeit orientierten Bauern, Gärtnern und Organisationen angebaut werden. Diese Bauern, Gärtner und Organisationen erhalten deshalb in dem Buch auch immer wieder ein paar Seiten eingeräumt, uns ihre Anbauphilosophie, ihre Motive, Anliegen und Erfolge nahe zu bringen. Doch hauptsächlich geht es um Kartoffeln, Knoblauch, Kürbisse; Erbsen, Endivien, Erdbeerspinat; Lauch und Linsen. Aufgeteilt nach solchen groben Nutzpflanzenarten, die allein schon einige Neu- und Wiederentdeckungen bereithalten, diversifiziert sich die Darbietung dann in die Einzelpräsentation der versprochenen Sortenvielfalt. Demselben Prinzip folgen die weiterführenden Informationen, die erst in einer Vorstellung der Art die geschichtlichen, botanischen und anbautechnischen Grundlagen darlegen sowie Inhaltsstoffe, Heilwirkung und kulinarische Verwendungsmöglichkeiten erörtern, um dann bei der Einzelsorte noch die spezifische Herkunft zurückzuverfolgen, individuelle Merkmale aufzulisten und, wo nötig, auf spezielle Anforderungen der Sorte im Anbau aufmerksam zu machen. Der rein lexikalische Inhalt wird damit von den AutorInnen Marianna Serena und Michael Suanjak um einige Qualitäten eines soliden Ratgebers erweitert. Dadurch, dass neben dem geschriebenen Wort auch den stimmungsvollen Fotografien von Franca Pedrazzetti und Beat Brechbühl grosszügig Raum zugestanden ist, strebt das Lexikon schliesslich sogar noch wacker einer Eignung als Bildband entgegen.

Beim Schutz und dem Erhalt von Nutzpflanzen geht es nicht in erster Linie um einen Biodiversitätsschutz, wie wir Ökos ihn im Herzen und auf der Zunge tragen. Während wir uns um die Aufrechterhaltung der Funktionalität von Ökosystemen sorgen, die durch das Aussterben ‚wilder' Pflanzen und Tiere gefährdet ist, argumentieren die Verfechter des agrarischen Biodiversitätsschutzes eher mit dem erstrebenswerten Erhalt eines regionalen und historischen Kulturguts, mit der Abnabelung von rein profitorientierten Saatgutkonzernen oder schlicht mit der Wiederentdeckung von Geschmacksvielfalt. Doch man muss sich nicht besonders ausgiebig in die ökologischen Problemstellungen unserer Welt einarbeiten, um zu entdecken, dass eine Abkehr von der industrialisierten Landwirtschaft in der heutigen Form unerlässlich sein wird, wenn wir dem Regenwald, der Gelbbauchunke oder dem Gorilla eine Fortexistenz ermöglichen wollen. Jede andere Landwirtschaft als die heutige, stickstoffbefeuerte und pestizidabhängige Anbauschlacht braucht indessen Variabilität. Saatgut. Möglichst verschiedenes. Der Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft, den uns die Züchter dieses Saatguts bewahren, ist ein gewichtiger. Während sich das Buch also als ein nützliches „Nachschlagewerk für Hobbygärtnerinnen und Gemüseköche" völlig zu Recht selbst anpreist, möchten wir noch hoffnungsvoll den Begriff ‚Vermächtnis' dazuschreiben. Das erste derart umfangreiche Lexikon traditioneller mitteleuropäischer Gemüsesorten ist damit nicht nur physisch ein Schwergewicht.

Rezension: Sacha Rufer

 

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