Buch «Nano»

Buch «Nano»

Wie winzige Technik unser Leben verändert

Anders als bezüglich der Gentechnologien regt sich bezüglich der Nanotechnologien nur ein schwacher öffentlicher Diskurs. Forschung und Industrie haben aus der Gentechnologiedebatte gelernt und hüten sich, Nanotechnologie als vordringliches Werbeargument herauszustellen. Doch die Nanotechnologien bedürften der öffentlichen Diskussion dringend, findet Christian J. Meier, und stattet uns in seinem Buch kompetent mit den dafür benötigten Kenntnissen aus.

Autor Christian J. Meier 
Verlag Primus Verlag, 
Umfang 223 Seiten 
ISBN 978-3-86312-036-8 
Preis Fr. 35.50 (UVP) 

 

Anders als bezüglich der Gentechnologien regt sich bezüglich der Nanotechnologien nur ein schwacher öffentlicher Diskurs. Forschung und Industrie haben aus der Gentechnologiedebatte gelernt und hüten sich, Nanotechnologie als vordringliches Werbeargument herauszustellen. Doch die Nanotechnologien bedürften der öffentlichen Diskussion dringend, findet Christian J. Meier, und stattet uns in seinem Buch kompetent mit den dafür benötigten Kenntnissen aus.

Es sind in den letzten Jahren einige Bücher zur Nanotechnologie erschienen, und die meisten davon waren bemüht, sich mit einem Ruch von Neutralität zu umgeben. Doch dieses Buch des Physikers und Wissenschaftsjournalisten Christian J. Meier ist das erste, dem wir diese Neutralität und Unvoreingenommenheit vorbehaltlos attestieren. Dem Autor gelingt es, sowohl Chancen wie Risiken der Nanotechnologien deutlich herauszuarbeiten, ohne sich in seinem Urteil zwischen technikgläubigem Enthusiasmus einerseits oder maschinenstürmenden Horrorvisionen andererseits entscheiden meinen zu müssen. Als erstes macht er uns klar, dass der Begriff ‚Nano' einen so breiten Querschnitt von Technologien und Werkstoffen umschreibt, dass er als alleiniges Definitionsmerkmal eigentlich untauglich ist. Nano ist nicht gleich Nano: Es bedeutet nur, dass die dabei verwandten Materialien sehr, sehr klein sind. Für eine Risikobewertung macht es einen wesentlichen Unterschied, ob damit Goldpartikel gemeint sind, die, eingebettet in Glas, dieses rot färben, oder Kohlenstoff-Nanoröhrchen, die ab einer gewissen Länge und Steifheit im menschlichen Körper wie Asbest wirken. Um uns diese Unterschiede und auch den möglichen Nutzen von Nanotechnologien zu erläutern, geht er den genannten Querschnitt von Technologien aus Umwelttechnik, Medizin, Kosmetik oder Energietechnik besonnen ab. Dabei versteht er es, auch komplexe chemische und physikalische Zusammenhänge eingängig darzustellen, und kommt zum kecken Schluss, dass das grosse Versprechen einer technologischen Revolution bislang eigentlich nur zu Nice-to-have-Innovationen geführt hat. Ebenso wird klar, dass dies nicht so bleiben muss, und dass es angesichts der sich uns aufdrängenden Umwelt- und Ressourcenprobleme nicht angebracht ist, Nanotechnologien in Sippenhaft zu nehmen. Gleichzeitig untersucht er die Innovationen auf ihre Risiken. Dabei mag er nicht in die mehrheitlichen Stimmmeldungen einer Unbedenklichkeit einstimmen. Er zeigt schlüssig auf, dass hierzu bislang weder die Untersuchungsmethoden noch die Zahl oder die Schwerpunkte der Untersuchungen ausreichen. Neben den üblicherweise genannten Gefahren für Umwelt und Gesundheit spürt er dabei auch noch einer weniger beachteten Risikoquelle nach: Jener für Gesellschaft, Freiheitsrechte und Friedenspolitik, wenn eine in die Nanoskala miniaturisierte Sensor- und Kommunikationstechnik umfassende Verbreitung findet.

Spätestens nach dem letztgenannten Abschnitt wundert man sich, weshalb die Risikodiskussion der Nanotechnologien bislang so kleinlaut abläuft. Deshalb zeichnet Christian J. Meier im zweiten Teil seines Buches den Marsch der Nanomaterialen durch Genehmigungsinstitutionen, Patentämter und Forschungsgeldvergabestellen nach. Er findet dabei klare Worte. Die diesbezügliche Kommunikation nennt er unseriös und vernebelt, uns Verbraucher als für dumm verkauft, die Politik ignorant. Er schätzt gleichzeitig die Potentiale der Nanotechnologien als zu hoch und aussichtsreich ein, als dass wir diese einzig zur Konstruktion eines neuen Feindbildes nutzen sollten. So appelliert er an Unternehmen, Politik und seine LeserInnen, hier eine ehrliche und offene Debatte anzustossen und die Abwägung ihrer Vor- und Nachteile aus den Labors, Chefetagen und Amtsstellen herauszutragen. Wir stimmen ihm zu und loben sein Buch ausserdem für seine hohe Laientauglichkeit, für Sachlichkeit und Ausgewogenheit und verantwortungsvolle Sorgfalt. Unter all den Büchern, die das Wörtchen ‚Nano' auf dem Einband tragen, empfehlen wir ausdrücklich dieses.

Rezension: Sacha Rufer

 

 

 

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