Buch «Hilal Sezgins Tierleben»

Buch «Hilal Sezgins Tierleben»

Von Schweinen und anderen Zeitgenossen

Seit Hilal Sezgin ihr Buch 'Artgerecht ist nur die Freiheit' veröffentlichte, stolpern wir alle naslang über ihren Namen... zumindest in der Richtung all jener Nasenlängen, die zu tierethischen Diskussionen und/oder Veganismus führen. Dieses Gestolper stört uns aber absolut rein gar nicht, denn von unserer damaligen, lobenden Besprechung des Buches sind wir derweil keine Nasenbreite abgewichen. In ihrem neuen Buch geht es ihr nun nicht mehr vordringlich um die philosophischen Implikationen ihrer Tierethik. Nicht vordringlich, sagen wir, denn Hilal Sezgin kann natürlich nicht aus ihrer Haut und will dies, verständlicherweise, auch ebenso wenig wie das nächstbeste Rind.

Autor  Hilal Sezgin / Rotraut Susanne Berner (Ill.)
Verlag  C.H. Beck
Umfang  175 Seiten
ISBN  978-3-406-66658-2
Preis  Fr. 21.90 (UVP)

 

Hilal Sezgin führt neben ihrer kolumnistischen, journalistischen und schriftstellerischen Tätigkeit einen Gnadenhof für Schafe und Hühner in der Lüneburger Heide. Dass sie den Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten wohl in genau umgekehrter Reihenfolge gewichten würde, als wir es gerade taten, das beweist uns dieses Buch. Sie versammelt darin dreiundfünfzig kleine Geschichten aus dem Umfeld ihres Gnadenhofs und, in der Erweiterung, aus dem Leben all jener Nutz- und Wildtiere, auf die ihr aufmerksames Auge fällt. Da geht es naturgemäss oft um Schafe und Hühner, aber ebenso um Rehe, Wildschweine, Kühe, Kängurus, Frösche und Affen, und auch die Schweine des Untertitels müssen keineswegs als ehrenrührige Anspielung interpretiert sein. Ihre einfühlsamen und liebevollen Beobachtungen im Jahreslauf geben dann Anlass zu Gedanken und Betrachtungen zu unserem alltäglichen Umgang mit Tieren - oder auch zu schlichtem Staunen.

Nun ist, nach all unserer Einschätzung und Nachforschung, die Reflexion alltäglich einherrollender Gedanken und Betrachtungen noch keine schlagende Rechtfertigung für ein Buch. Dass sie es in diesem Fall dennoch ist, liegt daran, dass es erkenntnisreiche Betrachtungen sind, die die Autorin da in ihrem freundlichen Plauderton anstellt. Denn mit der Abkehr von einem allgemein als normal hingenommenen Verhalten, wie dem Verzehr von Tierprodukten, kommen zwangsläufig neue Sensibilitäten. Die werden dann, in Worte gefasst, von der 'normalen' Bevölkerung schnell als Verbohrtheiten wahrgenommen, während sie, im besten Fall, eigentlich eine Öffnung des Horizonts bedeuten. Dieser beste Fall tritt hier fast durchgehend ein, wenn Hilal Sezgin uns auf all die kleinen blinden Flecken und kulturellen Eigenarten aufmerksam macht, die unser Verhältnis zu den Tieren bestimmen: Flecken und Eigenarten, die, wie sie nachweist, namhaften Anteil daran haben, dass es zu den Missbräuchen und Quälereien von Tieren kommt, die dann auch die breitere Bevölkerung aufrütteln. Das Bewusstsein dieser üblicherweise unhinterfragten Gewohnheiten, Weltanschauungen, Selbsteinschätzungen und Sprachmuster ist unerlässlich, wenn wir diese Missstände tatsächlich wirksam berichtigen wollen. Die Autorin versteht es vorzüglich, sie uns deutlich zu machen, ohne sich hierüber zeigefingernd oder missionierend zu gebärden.

Diese unsere Schwerpunktlegung auf den kulturkritischen Aspekts des Buches ist aber nur Folge einer momentanen Neigung, keine Inhaltsangabe. Neben solcherlei Überlegungen bietet das Buch mit ebensolchem Anteil noch berührende Naturbeobachtungen, humorvolle Erlebnisberichte, veranschaulichende Einblicke in Nutztierhaltung und Jagdwesen und konsumentenschützerische Hintergründe, die es bislang kaum einmal in die Tagesmedien schaffen. Das ist eine ganze Menge Material für ein so kleines Büchlein, jedoch so unbeschwert dargebracht, dass es sich nirgends zur Last entfaltet. Es hat uns bereichert, bewegt, bestärkt und schliesslich, trotz gelegentlich angestossener kathartischer Schmerzen, erstaunlich wohlgemut zurückgelassen. Einmal mehr: Respekt, Frau Sezgin!

Rezension: Sacha Rufer

 

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