Buch «Das Wagnis der Liebe»

Buch «Das Wagnis der Liebe»

Was wir von den Tieren lernen können

Heidi und der Geissenpeter waren ja fest davon überzeugt, dass die Geissen Schwänli und Bärli sie gern haben. Ungeachtet dieser zwingenden Zeugnisse galt die Liebe in der Philosophie lange als Alleinstellungsmerkmal des Menschen im Tierreich. Doch lässt sich diese Sichtweise auch im Licht der aktuellen Naturwissenschaften aufrecht halten? Claude Béata sucht und findet diesbezüglich differenzierte Antworten.

Autor  Claude Béata
Verlag  Riemann Verlag
Umfang  351 Seiten
ISBN  978-3-570-50172-6
Preis  Fr. 28.50 (UVP)

 

Sind Hunde eifersüchtig? Ja, sagt der französische Tierarzt und Psychologe Claude Béata: Wenn auch wohl nicht in demselben Umfang, in dem wir das Gefühl begreifen. Damit fügt sich sein Buch in den Reigen der aufregenden aktuellen Forschungen zu Kooperation und Empathie bei Tieren ein. Diesen lässt es, stimmig untermalt von Erlebnissen aus des Autors eigener Berufspraxis und vielen aussagekräftigen Beispielen aus der Feldforschung, vor uns Revue passieren. Claude Béata wagt sich dann sogar noch ein Stück darüber hinaus. Obgleich er meist den neutralen Begriff der Bindung statt jenem der Liebe wählt, um uns die diesbezüglichen emotionalen Leistungen der Tiere nachvollziehbar zu machen, ist es ihm ein Anliegen, auch diesen – üblicherweise als 'vermenschlichend' bzw. anthropozentrisch geschmähten – Begriff in die wissenschaftliche Diskussion einfliessen zu lassen. Er erforscht so, unter Zurücknahme von relativierend ideologischen Scheuklappen, eine wesentliche und treibende gemeinsame Wurzel der tierischen und menschlichen Evolution.

Trotz seinem klaren Fokus auf die nichtmenschliche Tierwelt kommt Claude Béata selbstredend nicht darum herum, auch nach den Ausdrucksformen und der grundsätzlichen Definition dieser Liebe bei uns selbst zu fragen. So gerät sein Buch zusätzlich zu einem anregenden Parcours durch die alten und neuen Erkenntnisse bzw. Einschätzungen aus Neurowissenschaften, Medizin, Psychologie, Philosophie oder Soziobiologie zu den Phänomenen von Solidarität, Empathie, Sexualität, Liebeskummer oder Treue. Dabei gelingt ihm das Kunststück, dies – so komplex und akademisch es hier in der Aufzählung auch wirken mag – ausserordentlich heiter, leicht und bekömmlich zu gestalten. Ohne darob aufdringlich zu wirken, spricht er seine Leserschaft direkt an und bindet sie so mit ihrer persönlichen Erfahrung und Anschauung in die kontroverse Argumentation ein. Damit ist sein Buch nicht nur als eine kluge Verteidigung seines Standpunkts und als ein gehaltvoller Diskurs zur Mensch-Tier-Beziehung, sondern auch als ein vorzügliches Beispiel gelingender Wissensvermittlung zu loben.

Unser biologistisches Auge konnte dann zwar manchmal den graduellen Unterschied zwischen den Worten Liebe, Zuneigung und Bindung nicht mit derselben Leichtigkeit überspringen wie der Autor. Unser anderes, tierethisches Auge sieht aber sehr wohl Berechtigung dafür, hier nicht weiterhin künstliche Abstände zu zementieren. Ebenfalls meinten wir, den Autor gelegentlich bei Schlussfolgerungen aus seiner eigenen Sozialisation als Europäer und Tierarzt heraus erwischt zu haben. Da er andererseits genau diese Fallstricke durchweg einleuchtend zu problematisieren und zu kennzeichnen versteht, führte dies zwar zu kurzem Schmunzeln, aber ebenfalls zu keinem grundlegenden Einwand. Claude Béata belegt mit seinem Buch auf anschauliche und unterhaltsame Weise seinen Verdacht, dass es sich bei den Fähigkeiten zu Empathie und Zuneigung nicht um rein menschliche, sondern vielmehr um universelle, biologische Konzepte handelt. Deren Ausprägungen, so überzeugt er uns, mögen sich graduell und qualitativ unterscheiden: Die Liebe bleibt, ob nun im langen Strom der Evolution oder im persönlichen Dasein, ein essentieller Gewinn für das Leben.

Rezension: Sacha Rufer

 

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