Buch «Stadtgrün statt grau»

Buch «Stadtgrün statt grau»

61 DIY-Projekte fürs Urban Gardening

Gärtnern in der Stadt; urban gardening. Zahlreich sind die Publikationen, die sich dieser Bewegung entgegenranken, und zahlreich sind darunter die erspriesslichen, gewissenhaften. Dennoch gelang es wenigen davon, sich ein Plätzchen unter unseren jährlich 52 Empfehlungen zu ergattern. Dass Wiebke Jüngers Do-it-yourself-Ratgeber also etwas Besonderes ist, darf schon daraus geschlossen werden, dass ihm das mühelos gelingt.

 

Autor Wiebke Jünger 
Verlag  Eugen Ulmer Verlag
Umfang  142 Seiten
ISBN  978-3-8001-3384-0
Preis  Fr. 34.90 (UVP)

 

Das erste, was uns auffiel, als wir dieses – von aussen – ungewöhnlich nüchtern gestaltete Buch irgendwo in der Mitte aufschlugen, war, dass es – drinnen – genauso zurückhaltend prosaisch daherkommt. Die Designerin Wiebke Jünger versucht also nicht, unser Interesse an ihrem Ratgeber über die gebräuchlichen Mittel der Bedarfslenkung zu Gartenbüchern - namentlich Fröhlichkeit, überquellende Vitalität und grossflächige Fotografien - zu wecken. Das Interesse setzt sie voraus. Vernünftig, dachten wir, aber allein die sympathisch unaufdringliche Sachlichkeit und Zielstrebigkeit der Autorin vermochte noch nicht, uns vom herausragenden Wert ihres Buches zu überzeugen. Das tat dann sein Gehalt.

Die/der landläufige, frohgemute und idealistische urban gardener wird irgendwann kurz nach dem Kaltstart in ihre/seine neue Karriere auf ein oder zwei Knacknüsse stossen: Wie, beispielsweise, gestalte ich meinen Drei-Quadratmeter-Balkon so, dass neben der Tomatenstaude und dem raumgreifenden Gemüsebeet auch noch die Kräutertöpfchen und die Obstplantage Platz finden? Oder, überhaupt; wie werde ich zum konkurrenzfähigen Stadtgärtner, so ganz ohne Balkon und Dachterrasse? Besteht vielleicht ein Zusammenhang zwischen der Wasserqualität aus meinem Wasserhahn und dem Serbeln des Gemüses? Dann die eigenständige Kompostierung: Pflicht! Aber wo? Und sowieso: Wem vertraue ich die Sorge um meine Pflänzchen an, während ich zur Elfenbeinküste radle? Entscheidungen, Entscheidungen... die mutmasslich schon so manche leidenschaftliche Erstregung abkühlten. Um sie zu retten, bedarf es etwas kühler, technischer Fachkenntnis, einer handwerklichen Wegleitung und agrarkreativer Inspiration. Lösungen also, wie sie uns Wiebke Jünger in ihrem Buch in einundsechzigfachem Einzelfall anbietet.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Ratgeber kredenzt seine sinnreichen Unterweisungen nicht nur akut raumknappen Gemüsezuchtnovizinnen. Auch siegesgewohnte, erfahrungssatte Allmenden-Platzrehe und Stadtgartenguerillas werden darin die eine oder andere Idee finden, die ihnen ein anerkennendes Grummeln abnötigt. Diese Ideen - zu unterschiedlichsten hängenden Pflanzgefässen, stabilen Regalen und Tischen, zu Kompostier- und Bewässerungsvorrichtungen und Giesswasserfiltern, ausgeklügelten Hydro- und Aquaponik-Systemen, simpelsten Gewächshäusern sowie Kombinationen von alledem - finden sich ergänzt durch eine gründliche, präzise Einführung in die Methoden, Materialien, den ideellen Hintergrund und die ökologischen Grundlagen der Urbanen Gartenkunst. All dies wird dann - und das ist der weitest springende Punkt - dargebracht in griffiger, umsetzungsfreundlicher Darstellung, mit klarer Kennzeichnung der geforderten handwerklichen Fertigkeiten und des benötigten Werkzeugs neben klaren Einzelschrittskizzen und Instruktionen.

Lassen wir uns also nicht verwirren von Wiebke Jüngers Darlegung der wissenschaftlichen Inspirationsquellen ihres Gartenhandbuchs, die da wären Technik, Mathematik und Physik. (Statt... sagen wir mal... Botanik, Pedologie und Agrarwissenschaften.) Was wir hier vor uns haben, ist die denkbar nützlichste Handreichung zu all den kleinen und grösseren formalen Problemstellungen im eigenen urban garden, die wir erst "Handgelenk mal pi" ", "pro forma" oder "eigentlich" gelöst haben.

Rezension: Sacha Rufer

 

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