Buch «Mehr Platz für den Spatz!»

Buch «Mehr Platz für den Spatz!»

Spatzen erleben, verstehen, schützen

Der Spatz ist ein klassischer Kulturfolger des Menschen. Infolgedessen - da wir ihn verhältnismässig oft sehen - glauben wir, ihn recht gut zu kennen. Aber wie ist das so oft mit dem "glauben"...?

Autor Uwe Westphal / Christopher Schmidt (Ill.)
Verlag pala-verlag
Umfang 189 Seiten
ISBN 978-3-89566-353-6
Preis Fr. 26.90 (UVP)

 

Das ornithologische Dreamteam des pala-verlags, der bekannte Vogelstimmen-Imitator und Vogelkundler Uwe Westphal und der Illustrator Christopher Schmidt, legen uns hier ein Buch speziell zum Spatzen vor. Das Publikum, nach dem sie sich damit strecken, besteht dann aber nicht vornehmlich aus Ornithologen und birdwatchern - denen eine diesbezügliche Wissbegier von Haus aus zuzutrauen ist - sondern auch nur durchschnittlich vogelkundlich begeisterten Zeitgenossen und -innen. Das ist natürlich ein Wagnis. Immerhin gilt der Spatz als der so ziemlich gewöhnlichste aller Vögel - und fällt demnach, wie alles 'normale', schnell mal aus dem Wahrnehmungsraster.

Das Buch muss also erst einmal Interesse wecken. Das gelang ihm in unserem Fall tadellos durch die simple Taktik, uns eines Besseren zu belehren: Betreffend unserer vermeintlichen Wahrnehmung nämlich, dass sich der Spatz weitestgehend unbehelligt in unserer modernen menschlichen Welt zurechtfinde. Doch dazu kommen wir - genau wie das Buch - erst später. Erst einmal setzt dieses seine Mission der Schürung der Neugier erfolgreich fort, indem es uns den Spatz - hauptsächlich in Gestalt seiner hierzulande verbreitetsten Vorkommen Feld- und Haussperling, aber auch in seinen exotischeren Gattungen und Arten - als einen ganz erstaunlichen kleinen Vogel vorführt. Da erläutert es uns die evolutionäre Herkunft des tschilpenden Rackers, widerlegt die stehenden Begriffe des "Dreckspatzen" oder des "Spatzenhirns" und beweist an Hand seines Lebenswandels seine durchaus variantenreichen Fertigkeiten und Eigenarten. Beispielsweise jene, nach der Spatzen das Schicksal so mancher anderer Leute teilen und Fremdsprachen zwar verstehen, aber nicht sprechen. Diesbezüglich lässt es sich der Vogelstimmenvirtuose Uwe Westphal dann selbstverständlich auch nicht nehmen, uns gleich noch kurz in den jeweiligen Grundwortschatz des Feld- und Hausspätzischen einzuführen.

Absicht und Ziel des Buches gehen aber über diese Verblüffung über die Cleverness und den vielschichtigen Charakter des Spatzen hinaus. Denn auch wenn uns das nicht unmittelbar aufgefallen sein mag: Die Bestände der Feld- und Haussperlinge gingen in den letzten Jahrzehnten in bemerkenswertem Ausmass zurück. Zu den bedrohten Arten sind sie darüber noch nicht zu zählen. Aber dass ein Tier, das sich trotz Anfeindungen als Korndieb und allgemeine Landplage über Jahrtausende stabil in der näheren Umgebung des Menschen halten mochte, jetzt plötzlich ernste Probleme mit uns bekommt, darf uns schon einige Minuten Nachdenklichkeit wert sein. Oder gar ein wenig tätige Besorgnis. Letztere hat Uwe Westphal im Sinn, wenn er uns im zweiten Teil seines Buches mit beflissener Sachkenntnis dazu anleitet, dem Spatzen - und mit ihm gleich noch ein paar anderen Vögelchen - wieder mehr Platz zu verschaffen. Über Nistplätze und geeignete Nahrungspflanzen in unseren Gärten und Hinterhöfen, etwa. Oder durch ganz allgemein sinnvolle Vogelschutzmassnahmen wie die richtige Verglasung von Fensterfronten. Im Bezug darauf - auf den ausgeknockten Spatz vor dem Stubenfenster - berät uns sein unbedingter Wille zum Detail dann weiterhin, wie dieser wieder sorglich aufzumuntern ist.

Es ist eine ambivalente Geschichte vom Menschen und vom Spatz, die uns das Buch erzählt: In scheinbar müheloser Gleichzeitigkeit schwankt die Menschheit zwischen Feindschaft, Diffamierung, Ignoranz und Zärtlichkeit dem kleinen, kühnen, verwundbaren Vogel gegenüber. Aus diesem Wust von Gefühlen hat sich Christopher Schmidt vornehmlich die Zärtlichkeit herausgegriffen, um ihn uns im Bild vorzustellen - und wieder hat ihn sein Vorsatz, den Vogel nicht nur so zu zeichnen, wie er ihn gesehen, sondern wie er ihn erlebt hat, zu einer lebendigen, anschaulichen und berührenden Darstellung inspiriert. Diese rundet den kleinen Band dann endgültig zu einem Leckerbissen ab – gestaltet mit viel Zuneigung nicht nur zu seinem Gegenstand, sondern auch zu seiner Leserinnenschaft.

  Rezension: Sacha Rufer

 

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