Buch «Saukopf Natur»

Buch «Saukopf Natur»

Soll man die Natur kritisieren? Wir tun es ja sowieso ständig. Darf man sich gar über die Natur lustig machen? Klar. Aber macht das irgendeinen Sinn? Na ja, eher weniger… ausser eben im speziellen Fall dieses Gedichtbands von Thomas Gsella.

 

Autor Thomas Gsella
Verlag Verlag Antje Kunstmann
Umfang 158 Seiten
ISBN 978-3-95614-125-6
Preis Fr. 21.50 (UVP)

 

 

Da wir uns weder berufen noch qualifiziert fühlen, hier über Wesen und Verdienst von Lyrik zu referieren, legen wir diese Woche erst mal die Füsse hoch und lassen den Dichter selbst zu Wort kommen. Der hat uns wesentliches zum tückischen Trachten der Natur mitzuteilen. Vom Löwen, etwa:

"Der Löwe ist ein grosses Tier
Mit einer grossen Schnute.
Wenn er dir nachrennt, wünschst du dir
Viel Glück und alles Gute."

Evident! werden Sie nun sagen: Aber zur Gefährlichkeit des Löwen muss ich nicht eigens aufgeklärt werden. Wahr. Deshalb hat sich Thomas Gsella noch detaillierter kundig gemacht und ist der Arglist der Natur auch dort auf die Spur gekommen, wo sie uns ganz unschuldig begegnet:

"Den Regenbogen gibt es nicht,
Egal wie Menschen stieren.
Um sie zu täuschen, lässt er Licht
Und Wasser reagieren"

So harmlos dieser kleine Schwindel auch scheinen mag, so ist er doch Teil eines perfiden Plans, den uns der Dichter unter anderem am Beispiel des Herbstlaubs einsichtig macht:

"Denk dir das tödlichste Getier -
Viel tödlicher sind Blätter.
Erst fallen sie, dann fallen wir.
Der Tatort: Schmuddelwetter."

Und er schliesst:

"So rächt sich totes Laub an uns:
Auch wir soll'n alle sterben."

Das will erst mal verdaut sein. Um uns dies zu erleichtern, giesst er seine Erkenntnisse in süffige Gedichte von selten mehr als drei Strophen, die dann das tun, was Dichtung halt so tut: Ihre Lektionen in knapper, ergötzlicher, verdichteter Form vermitteln. Wir könnten nun beteuern, dass ihn dieses Vorgehen stracks in die Fussstapfen grosser Geister wie Busch oder Gernhardt schleudert. Aber das lassen wir mal lieber, da uns - bei aller Angemessenheit dieser Gegenüberstellung - nicht im geringsten klar ist, wohin solcherlei namedropping uns weiter führen wollte.

Nein, wir wollen auf etwas anderes hinaus. Man darf uns gerne fragen, weshalb wir, die wir doch üblicherweise zur Ruhmesrede auf all das Zeug mit Natur drin - Naturgärten, Naturschutz, Naturhaar - neigen, jetzt hier plötzlich ihrer bissigen Schmähung zujubeln. Und wir antworten: Eben! Weil mit dem einhelligen Lobpreis noch nichts gewonnen ist. Wir würden dann - den profunden Zusammenhang zwischen unserem Verständnis von "Natur" und der Erfolgsträchtigkeit der Bemühungen um ihren Schutz erläuternd - auf den höheren Wert eines ausgewogenen Naturbilds abheben. Um schliesslich zu betonen, welch vortreffliches Gegenmittel zur mechanischen Naturverherrlichung uns Meister Gsella hier mit seiner Gedichtsammlung an die Hand gibt. Doch das wäre dann wohl konträr zur Intention des Autors, der mit seinem Verzicht auf "komplizierte Angeberlyrik" genau solchen protzigen Analysen den Kampf ansagt...

Bleibt uns also nur, das Offensichtliche zu konstatieren? Dies ist ein herzerfrischend lustiges, lustiges Buch! Was haben wir gelacht! Vielleicht sollte ein Warnhinweis drauf: Zum Genuss in öffentlichen Verkehrsmitteln ungeeignet. Dort führt es unausweichlich zur pikierten Frage: "Isch's luschtig?" Wer also den Wunsch hegt, seinem Unmut nach dem nächsten Stich der Mücke statt mit Fluchen lieber mit der Rezitation eines flotten Zwölfzeilers Laut zu geben: Dieses Buch! Ebenso darf es all jenen als Geschenkidee angetragen sein, die solche wie uns in der weiteren Bekanntschaft haben: Wandervögel, Baumumarmer. Oder auch andere. Ach, was soll's. Falls Sie irgendwelche Bekannte haben oder gar selbst jemandes Bekannte(r) sind: Sie wissen schon. Das da.


Rezension: Sacha Rufer


 

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.