Buch «Farbstark mit sevengardens»

Buch «Farbstark mit sevengardens»

Das Färbergarten-Netzwerk für eine bessere Welt

Farbe ins Leben zu bringen gilt allgemein als erstrebenswert. Doch so manche dieser Farben - bzw. der Färbemittel - sind der Gesundheit eher abträglich. Nicht so jene, zu denen uns dieses Buch den Zugang eröffnet.

Autor Irmela Erckenbrecht / Peter Reichenbach
Verlag pala-verlag
Umfang 173 Seiten
ISBN 978-3-89566-370-3
Preis Fr. 32.90 (UVP)

 

Das von Peter Reichenbach gegründete Projekt sevengardens hat seine Ursprünge in einer Unverträglichkeit des Essener Künstlers gegenüber chemischen Farben und seiner dadurch angestossenen Suche nach gesünderen Alternativen. Fündig wurde er im Gemüse- und Kräutergarten und beim vorindustriellen Färberwissen. Dieses Wissen gab er dann in Workshops (angesiedelt irgendwo zwischen Kunstevent, Chemieunterricht und botanischer Führung) weiter. Sein Projekt ist inzwischen von der UNESCO im Rahmen ihres Bildungsziels der "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zertifiziert und in dem Netzwerk atavus e.V. weltweit aktiv. Um es zwischen zwei Buchdeckel zu fassen, tat er sich mit Irmela Erckenbrecht zusammen - vielleicht der routiniertesten Autorin aus dem Autorenstamm des unverwechselbaren pala-verlags. Zusammen spüren sie im ersten Teil des Buches den kulturhistorischen und botanischen Ursprüngen des traditionellen Färberwesens nach, ergänzt um die soeben berichteten Hintergründe sevengardens und um einen Augenschein seiner weltweiten Umtriebe.

Irmela Erckenbrecht ist uns neben all ihrer vielfach bewiesenen Sachkunde auch dadurch bekannt, dass sie es schafft, in jedem ihrer Bücher eine Anleitung zum Bau einer Kräuterspirale unterzubringen. Unsere erste Amtshandlung war demnach, das Buch gebannten Atems nach dieser zu durchsuchen und uns zu fragen: Hat sie? Ja, sie hat! Wobei wir, trotz dem dadurch geweckten Amüsement, zugeben müssen: Sie findet auch unfehlbar einen stimmigen Ort dafür. Denn natürlich gibt sich das Buch nicht mit historischer Spurensuche und theoretischer Erläuterung zufrieden, sondern will uns als ein Ratgeber anleiten, selbst pflanzliche Färbemittel heranzuziehen, herzustellen und zu nutzen. Darum geht es - in praktischer und von den Autorinnen mit reichlich Erfahrung aufgefüllter Manier - in seinem zweiten und dritten Teil. Da lernen wir nicht nur Beete mit Färberpflanzen anzulegen oder die richtigen Reagenzien mit den Pflanzensäften so zu vermischen, dass dadurch eine konkurrenzfähige Farbpalette entsteht. Wir lernen beispielsweise auch, diese Farben dann haltbar transportfähig zu machen oder sie der ganzen Vielfalt an möglichen Verwendungen - als Künstlerfarben, Kosmetik, Tinten, Textilfarben, Lebensmittelfarben, Haarfärbemittel... - anzupassen.

Nun wird zwar die Welt mit einer Umstellung unserer Färbemittelwahl allein nicht zu retten sein. Wir meinen sogar, dass eine umfassende solche, angesichts des globalen Bedarfs, wohl nur wieder in neuen Problemstellungen mündete. Ebenso ist längst nicht jede "traditionelle" Praxis auch eine nachhaltige - wenngleich sich die Autorinnen hier keinen Vorwurf gefallen lassen müssen. Sie verwenden viel Mühe darauf, ihre Anleitungen und Empfehlungen diesem Anspruch gerecht zu halten. Es hält sich dennoch ein leiser Zweifel an der unbedingten ökologischen Nachhaltigkeit der im Buch erläuterten Praktiken. Also was soll's? Dies: Das dem Buch entspringende Bewusstsein ist das einer Nachhaltigkeit im umfassenderen Sinn. Es ist der Geist eines informellen Lernens, der Neugier und der Experimentierfreudigkeit, des weitertragenden Umdenkens - bis hin zur sozialen und wirtschaftlichen Gerechtigkeit, wenn niederschwellige Initiativen im globalen Süden über einen Färbergarten zu einem selbstermächtigten Auskommen finden. Diesen Geist packt das sorgfältig erarbeitete Buch zu all seinem praktischen Rat ganz selbstverständlich hinzu und wird damit selbst zu einem Mittler dessen, wofür sich sevengardens loben lassen darf: Zum Bildungsträger für eine faire, zukunftsfähige Entwicklung.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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