Buch «Welt am Abgrund»

Buch «Welt am Abgrund»

Wie CO2 unser Leben verändert

Anhand eleganter Bilder und Beispiele referiert uns Ewald Weber in seinem neuen Buch die Eigenschaften und Wirkungen eines Gases, das weit öfter diskutiert als verstanden wird. Kohlendioxid.

 Autor Ewald Weber
 Verlag Theiss
 Umfang 207 Seiten
 ISBN 978-3-8062-3672-9
 Preis Fr. 34.40 (UVP)

 

Einatmen! Ausatmen! Sehr schön… Übrigens: 4 Prozent des gerade ausgeblasenen Lungeninhalts sind Kohlendioxid, CO2 – also jene verderbte Combo von einem Kohlen- und zwei Sauerstoffatomen, die an allem schuld ist. Das Trio ist weithin bekannt, über seine Missetaten wird eifrig diskutiert und gelesen. Die Erfahrung des Schweizer Ökologen Ewald Weber zeigt ihm dann jedoch, dass vielen gar nicht so ganz klar ist, worüber genau sie da lesen und diskutieren. Er startet sein Buch über das berüchtigte Klimagas also mit dessen breiter Vorstellung. Dabei wird schnell klar, dass das Kohlendioxid tatsächlich mithin an so einigem schuld ist. An den Wäldern etwa, den Blumenwiesen und Tropfsteinhöhlen und allem, was wir so essen.

Ein laientaugliches Buch über CO2 mit der Ermessung seiner Eigenschaften und seiner Bedeutung zu beginnen - und damit mit faktenorientierten Hintergründen aus Fachdisziplinen wie Chemie, Geologie und Biologie, die sich den meisten Schülern nicht als die knackigsten aufdrängen - ist riskant. Allein, es lässt sich kaum sinnvoll umgehen. Deshalb fährt der heute an der Universität Potsdam arbeitende und populäre Sachbücher schreibende Ewald Weber hier dann auch schon seine kennzeichnendste Fertigkeit hoch: Nämlich Bilder und Vergleiche zu finden, an denen sich Verständnis und Faszination ganz mühelos entzünden. Er legt es dabei nicht darauf an, besonders originell oder neckisch zu sein oder sich aktueller Trends anzudienen, sprich: Sich zu profilieren. Er legt es darauf an, verständlich zu sein und nüchtern, ohne es dafür an Kurzweil und Schwung gebrechen zu lassen. Das glückt ihm schon mal bestens.

Versteht sich von selbst: Ein Buch über die Verdienste und Umtriebe des CO2 wird, früher oder später, auf den Klimawandel zu sprechen kommen. In diesem Falle eher früher. Und da es an vorzüglichen Büchern zu diesem Thema nicht mangelt, müssen wir dieses Sachbuch auch daran messen, inwiefern es sich von der Konkurrenz abhebt. Auf Grund aktueller Faktenfülle gelingt ihm das erstmal nicht: Schellnhubers "Selbstverbrennung" bleibt da vorerst noch fest im Sattel. Gleichwohl müssen wir nicht lange suchen, um das Alleinstellungsmerkmal der Weberschen Bemühungen auszumachen. Wieder liegt es in seiner Art, uns die Sachbelange - das wären jetzt die sich bereits vergegenwärtigenden Auswirkungen des Klimawandels - anschaulich und fundiert auseinanderzusetzen. Versiert meistert er das Kunststück, das an komplexen und auch mal verwirrenden Tatbeständen reiche Forschungsfeld in aller angezeigten Differenzierung darzulegen, ohne es darüber in blinder Relativierung zur Meinungsfrage zu zerstückeln.

Dieselbe Umsicht lässt er zum Schluss der Suche nach möglichen Lösungen für die vielschichtige Problemstellung angedeihen. Einen kleinen Schwerpunkt legt er dabei auf die Darlegung von Techniken, die voraussagbar in näherer Zukunft breiter debattiert werden werden - dem CCS, also der Abscheidung und Speicherung des von uns freigesetzten Kohlendioxids. Nachdem er hier zum Schluss kommt, dass auch diese Technologien allenfalls ein Puzzlestück, aber kein Wundermittel im Kampf gegen die Anreicherung von klimawirksamen Gasen in der Atmosphäre sein können, erweitert er den Blick auf die Chancen, die sich diesbezüglich im pfleglichen Umgang mit den irdischen Ökosystemen auftun, und die weiterhin energisch zu befördernden Möglichkeiten der Verbannung der fossilen Energieträger aus Industrie und Gesellschaft. Zur schlechten Nachricht - der tatsächlichen, gewaltigen Wirkung unseres sorglosen Umgangs mit einem chemisch recht langweiligen Gas - gesellt sich dabei die gute: Dass wir als Einzelpersonen doch unseren kleinen, aber unerlässlichen Beitrag zum Klimamanagement leisten können.

Ewald Weber drängt all dies auf kaum zweihundert Seiten, ohne dass es je gedrängt oder auch nur besonders anspruchsvoll erschiene. Da sind wir doch ehrlich verblüfft. Wir fühlen uns deshalb bemüssigt, sein Buch innerhalb der Regalreihen vorzüglicher Literatur zum Klimawandel als eine vorzüglichere Wahl zu kennzeichnen. Es ist schlicht ein exzellentes Buch, ein leicht zugängliches, kompetentes, ausserordentlich gehaltvolles und - wir stimmen da mit Ewald Webers Einschätzung überein - ein nötiges.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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