Buch «Gewässerperlen»

Buch «Gewässerperlen»

Die schönsten Flusslandschaften der Schweiz

Der neue Wander-Bildband von Martin Arnold und Urs Fitze ist… ein Wander-Bildband von Martin Arnold und Urs Fitze. Also reichhaltig, inspirierend, attraktiv und dabei angereichert mit einer relevanten Botschaft.

 Autor Martin Arnold / Urs Fitze
 Verlag AT Verlag
 Umfang 192 Seiten
 ISBN 978-3-03800-086-0
 Preis Fr. 49.90 (UVP)

 

"Man schützt nur, was man kennt" lautet ein alter Merkspruch der Umweltbildung. Was noch nicht bedeutet, dass man alles, was man kennt, auch schützt. Zwischen "Kenntnis" und "Schutz" steht also kein Gleichzeichen, und das sollte es wohl auch nicht. Wo dieses aber ruhig nochmals gestärkt werden darf, ist im Bezug auf unsere Schweizer Gewässerlandschaften. Als der WWF Schweiz in einer Studie im Jahr 2016 den Zustand unserer Gewässer untersuchte, kam er auf nur einen Anteil von 3,6% besonders wertvoller, also artenreicher, naturnaher oder unverbauter Gewässer mit intaktem Wasserhaushalt. Das geht geradeaus zusammen mit den Mahnungen internationaler Umweltorganisationen, denen zufolge die Schweiz - ganz entgegen der Selbsteinschätzung ihrer Bewohner - betreffs so einiger zentraler Schutzbemühungen deutlich zurückfällt. Dass im "Wasserschloss Europas" den Gewässern zur Verbesserung dieser Gesamtlage eine herausragende Bedeutung zukommt, dürfte logisch einsichtig sein. Dass es uns auch intuitiv und emotional einsichtiger wird, darum bemüht sich dieser neue Wander-Bildband.

23 der insgesamt 64 Flusslandschaften, die der WWF 2016 als besonders schützenswerte "Gewässerperlen" auswies und die sich einem sanften Tourismus öffnen, stellen uns Martin Arnold und Urs Fitze in ihrem neuen Wanderführer vor. Ihre Auswahl ist repräsentativ und umfasst die grossen Flüsse ebenso wie kleine, alpine Fliessgewässer, Wasserauen oder Moorlandschaften. Die Autoren sind uns dabei schon bestens bekannt: Aus ihrer Feder stammen zwei Wander-Bildbände, an denen wir das gesamte reiche Genre seit Jahren messen. Etwas Zeit müssen wir diesem neuen diesbezüglich jetzt zwar noch geben, aber es ist bestens möglich, dass er der dritte ist. Wieder bieten sie uns in ihren intimen Porträts der ausgewählten Landschaften viel mehr als nur Tourenorientierung und Lenkung zu den Sehenswürdigkeiten. Und wieder hinterlegen sie ihren Schilderungen mit eindrucksvollen, klug dem Gesamtzweck des Buches abgestimmten Bildern, denen eine grosszügige Gestaltung den zustehenden Raum zur Entfaltung gibt.

Das Mehr, das uns Arnold und Fitze in ihren Ausflugsempfehlungen bieten, sind Ortskenntnis und Sensibilität. Wovon die Ortskenntnis ja vorausgesetzt werden darf: Wir meinen damit deshalb auch eine erweiterte und spezifische Ortskenntnis, die geologisches, kulturelles, ökologisches und historisches Wissen mit atmosphärischen Eindrücken zu einem imponierend reichhaltigen Gobelin verwebt. Damit angesichts dieser tieferschürfenden Fülle die tourenplanerischen Bedürfnisse nicht zu kurz kommen, finden sich diese auf übersichtlichen Instruktionsseiten befriedigt. Die Sensibilität der Autoren beweist sich dann einerseits im stimmungsvollen Gesamtbild, das die so informationsintensiven Berichte nichtsdestotrotz hinterlassen. Sie zeichnet andererseits dafür verantwortlich, dass sich Anwohner in den Darstellungen ebenso heimisch und repräsentiert fühlen dürfen wie die wanderbeschuhten Besucher eingewiesen und angeleitet.

Diese Feinfühligkeit dürfte dann auch in der Auswahl der attraktiven Fotografien eine Leitschnur gewesen sein. Denen sollte man eine etwas längere Betrachtungsdauer einräumen, um sie ihre bezaubernde Wirkung entfalten zu lassen. Bedeutet: Es sind selten offensichtlich auf Bildgewalt ausgelegte Fotos. Also keine Sonnenuntergänge oder artistische Langzeitbelichtungen, dabei aber unbedingt reizvolle und stimmungsvolle Bilder aus aussergewöhnlicher, die Eigenerlebnisse der Wanderer ergänzender Perspektive. Das befördert dann punktgenau den Zweck des Buches, das ja weniger sättigen als locken soll.

In der bezüglich unserer Gewässer relevanten Auseinandersetzung Energiewende vs. Landschaftsschutz positionieren sich die Autoren recht deutlich auf der Seite des Landschaftsschutzes. Diesem versuchen sie dann manchmal mit einer Beschwörung nostalgischer Sehnsüchte unter die Arme zu greifen, die wir - wäre dies kein Wanderführer, sondern ein Polittalk - als tendenziös empfänden. Solche Empfindlichkeiten müssen wir in der Würdigung dieses rundum gelungenen Wander-Bildbands jetzt aber nicht bemühen; umso weniger, da wir dessen Zielsetzung einer pfleglichen Wertschätzung unserer Gewässer ja auch unbedingt beispringen. So bleibt uns nur ein einziger Grund zur Klage: Dass wir uns jetzt bis zum Erscheinen des nächsten Werkes von Arnold und Fitze wohl wieder eine Weile gedulden müssen.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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