Buch «Veganismus»

Buch «Veganismus»

Grundlagen, Vorteile, Risiken

Das Buch des Ernährungswissenschaftlers Claus Leitzmann empfiehlt sich als ein glaubwürdiges und zuverlässiges Informationswerk zur veganen Ernährung und Motivation. Es berichtigt anhand aktuellen Forschungsstands viele diesbezügliche Vorurteile und Fehleinschätzungen.

 Autor Claus Leitzmann
 Verlag C.H. Beck
 Umfang 127 Seiten
 ISBN 978-3-406-72684-2
 Preis Fr. 13.70 (UVP)

 

Wir selbst argumentieren ja, betreffs Vegetarismus und Veganismus, bevorzugt mit ökologischen vor gesundheitlichen Vorteilen. Das darum, weil sich die einzelne ernährungswissenschaftliche Studie erfahrungsgemäss recht anfällig für Verzerrungen ideologischer, kultureller oder wirtschaftlicher Art zeigt. Speziell galt das auch für Studien zum Veganismus; schon einfach darum, weil sich lange Zeit kaum Veganerinnen fanden, die für repräsentative Studien zur Verfügung gestanden hätten. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Ebenfalls geändert hat sich im Zuge dessen die Einschätzung der Wissenschaftler, dass eine fleischlose Ernährung grundsätzlich eine Mangelernährung zu sein habe - oder, umgekehrt, der heilige Gral der gesunden Lebensführung. Wir verfügen also indessen über eine neutralere Datengrundlage, um die Vorteile und Risiken der veganen Ernährung abzuschätzen. Diese legt uns der Ernährungswissenschaftler und Biochemiker Claus Leitzmann nun in seinem informativen Überblick dar.

Ungewöhnlich für ein Buch der Reihe "C.H. Beck Wissen" ist, wie kämpferisch der Autor in sein Thema startet. Das kommt der Lebendigkeit seiner Ausführungen zugute, doch es gibt auch klaren Aufschluss über seine Parteinahme. Und so spürten wir dann, während er uns im Eingang seiner Erörterungen über die Geschichte, die Formen und die Motive des Veganismus aufklärt, vereinzelt den Wunsch, ihm zügelnd auf die Finger zu klopfen: Als er etwa die verringerte Lebenserwartung der hauptsächlich fleischverzehrenden Inuit mit jener der pflanzenessenden Tropenbewohner kurzschliesst. Auch vermissen wir in seiner historischen Aufarbeitung die relativierenden Hinweise darauf, wie Ernährungsphilosophien stets Gegenstand zeitweiliger politischer Weltanschauung waren. Zwar überzeugen uns bereits hier die Hauptlinien seiner Argumentation zum ökologischen und gesundheitlichen Vorteil des Veganismus als vertrauenswürdige und einsichtige. Doch zusammen mit seiner deutlich spürbaren ethischen Aburteilung des Fleischkonsums nährt die vorausgeschickte Streitbarkeit unsere Befürchtung, noch unentschlossene Mischköstler könnten sich von ihr mehr abgeschreckt als eingeladen fühlen.

All dies verliert sich indessen - und muss in der Eignung des Buches als Nachschlagewerk und punktuellem Ratgeber auch nicht so sehr ins Gewicht fallen. Wenn Claus Leitzmann in den hinteren zwei Dritteln seines Buches die ernährungsphysiologischen Grundlagen, die spezifischen Fragen der Nährstoffversorgung bei veganer Kost und deren praktische Umsetzung qualifiziert vertieft, geschieht dies ebenso faktenorientiert wie verantwortungsvoll. Besondere Aufmerksamkeit widmet er dabei der Aufschlüsselung der Eignung und Anpassung veganer Ernährung in den verschiedenen Lebensaltern. Er macht dabei insgesamt klar, dass sich Risiken hier mit genau denselben Mitteln minimieren lassen wie bezüglich jeder anderen Ernährung: Mit einem vielseitigen, vollwertigen Speiseplan. Und während er uns zu einem solchen die aktuellen Informationen breit bereitstellt, wird deutlich, wie das gesundheitliche Risiko einer rein pflanzlichen Ernährung sich schnell relativiert, wenn wir es ausnahmsweise mal mit den stattlichen Risiken des Fleischverzehrs gegenrechnen.

Als Ernährungswissenschaftler legt Claus Leitzmann den Schwerpunkt seines Buches - wohl durchaus im Einklang mit dem Informationswunsch seines Publikums - auf den ernährungstechnischen Aspekt des Veganismus. Wo und weshalb dessen Ansprüche an ein tierethisches Verhalten (bezüglich Kleidung, Lebensführung, politischem Engagement etc.) weiterreichen als jene des Vegetarismus, findet sich thematisiert, aber nicht wesentlich vertieft. Gleichwohl erschliesst er auch diesbezügliche Argumentationen, indem er den ökologischen Nutzen eines Verzichts auf Tierprodukte wiederholt anschaulich aufzeigt und herausstellt. Sein Buch überwindet dieserart die Hauptlast unserer einleitenden Bedenken problemlos und verdient sich eine herzliche Empfehlung als eine zuverlässige und übersichtliche Informationsquelle: Für bereits praktizierende Veganerinnen ebenso wie für all jene, die sich auf dem Weg dahin befinden.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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