Buch «Rettet den Boden»

Buch «Rettet den Boden»

Warum wir um das Leben unter unseren Füssen kämpfen müssen

Bodenschutz ist Klimaschutz. Das zeigt uns Florian Schwinn in seinem neuen Buch ebenso kenntnisreich auf wie die innovativen Lösungsansätze für einen schonenderen Umgang mit der vernachlässigten Ressource Boden. In beiden Fällen ist seine Denkschrift eine längst überfällige!

 Autor Florian Schwinn
 Verlag Westend
 Umfang 270 Seiten
 ISBN 978-3-86489-242-4
 Preis Fr. 33.10 (UVP)

 

Unsere Böden wären lebendig. Wären. Nur pflegen wir einen im wahrsten Sinne des Wortes wenig fruchtbaren Umgang mit ihnen. Wir versiegeln sie, tragen sie ab, vergiften sie, schwemmen sie ins Meer, laugen sie aus. Dabei scheinen wir zu vergessen, dass sie nicht nur die Grundlage des auf ihnen herumstolzierenden Lebens, sondern auch in sich selbst höchst komplexe und verwundbare Lebensräume sind - zwei Tatsachen, die sich gegenseitig bedingen. Uns das bewusst zu machen und uns unsere Böden wieder als die unerlässliche Ressource in Erinnerung zu rufen, die sie sind, hat der Journalist Florian Schwinn sein neues Buch geschrieben.

Es geht ihm darin weniger darum, uns unsere Böden als Lebensräume vorzustellen. Florian Schwinn geht recht direkt zum Angriff über: Gegen eine Agrarwirtschaft und Politik, die sich der Böden hauptsächlich als einer Profitquelle bedient und sie ausbeutet, ohne ihre eigenen Bedürfnisse auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Und, umgekehrt, für eine verwandelte Landwirtschaft und eine Wissenschaft, die sich dieser Ansprüche des Bodenlebens wieder bewusst werden, ihre lebendigen Dynamiken erforschen und in einen pfleglichen Umgang mit der vernachlässigten Ressource übersetzen. Dennoch verlässt niemand das Buch, ohne auch von den bodenkundlichen und biologischen Aspekten der Thematik eine schöne Portion an Erkenntnissen mitbekommen zu haben. Die diesbezüglichen Informationen zur Bodenphysik, Bodenchemie und Bodenökologie finden sich lehrreich und zugänglich eingearbeitet, wiederkehrend angeordnet um den zentralen Gegenstand der Erörterungen: Humus. Dessen Neubildung und Schonung muss - so macht uns Florian Schwinn überzeugend deutlich - das grundlegende Anliegen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft sein.

Um einen Eindruck zu gewinnen, wie diese zukunftsfähige Landwirtschaft aussehen kann und welche Erfahrungen und Erkenntnisse sie bereits gesammelt hat, bringt uns der Autor vor Ort. An zahlreichen Schauplätzen einer innovativen Biolandwirtschaft, aber auch der Bergbauindustrie und der Forschung, verschafft er uns Einblick in die zu bewältigenden Herausforderungen und deren erprobte Lösungen. Pflugloser Ackerbau oder die Rückkehr der Hecken sind hier ebenso Teile des vorgestellten Massnahmenkatalogs wie eine gründlich umgekrempelte Nutztierwirtschaft oder die überfällige Annäherung von Naturschützerinnen und Bauernschaft. Daraus greift er hinaus in die kenntnisreiche Diskussion der politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge und Konstellationen, die die aktuelle, ausbeuterische Haltung stützen. Florian Schwinn ruft demgegenüber engagiert und plausibel zur Humuswende auf.

Florian Schwinns Denkschrift ist eine längst überfällige, relevante. Umso mehr, da es sich bei der Forderung nach einer Landwirtschaft, die sich um die Vermehrung und Pflege der irdischen Humusschicht bekümmert, nicht um eine agrarromantische Idee abseits der aktuellen Prioritäten handelt. Humus bindet Kohlendioxid: So viel davon gar, dass mit einem Zuwachs der Humussättigung der weltweiten Agrarfläche um 4 Promille jährlich der menschliche Ausstoss des Treibhausgases gebunden werden könnte. Dass in diesen breit zweckvollen Lösungsansatz endlich mehr Bewegung kommt, liefert uns Florian Schwinns Buch einen so zugänglichen wie lehrreichen Anstoss.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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