Buch «Ursprünge»

Buch «Ursprünge»

Wie die Erde uns erschaffen hat

In seinem ambitionierten neuen Buch erklärt uns Lewis Dartnell die Menschheitsgeschichte aus den grossen Zusammenhängen der geologischen Erdgeschichte – und findet dabei belangreichen Bezug zu den aktuellen Herausforderungen.

 Autor Lewis Dartnell
 Verlag Hanser Berlin
 Umfang 379 Seiten
 ISBN 978-3-446-26204-1
 Preis Fr. 34.50 (UVP)

 

Wie alle Tiere verfügen wir Menschen über einen Wahrnehmungsapparat, der bevorzugt auf schnelle Veränderungen in der Umgebung reagiert. Die unerbittliche Zerkrümelung eines Berges durch Wasser und Wind oder die sehnsüchtige Annäherung zweier Kontinentalplatten entgehen üblicherweise unserer Aufmerksamkeit - nicht zuletzt natürlich auch auf Grund unserer vergleichsweise knapp bemessenen Lebensspanne. Uns von solchen geologischen Vorgängen - und ihrer nicht unbedingt intuitiv zu erfassenden Bedeutung für uns - einen anschaulichen Eindruck zu verschaffen, ist dementsprechend ein anspruchsvolles Unterfangen. Lewis Dartnell meistert diese Kunst in seinem neuen Buch ganz prächtig.

Der britische Astrobiologe und Wissenschaftskommunikator Lewis Dartnell legt uns in seinem Buch übersichtlich aus, wie die kosmologischen, geologischen und klimatischen Voraussetzungen unseres Planeten das irdische Leben, und dabei spezifisch den Werdegang der Spezies Mensch, bestimmt und geformt haben. Als Repräsentant des unverzichtbar transdisziplinären Fachbereichs der Astrobiologie beschäftigt ihn von Haus aus genau dies: In diesen planetarischen Voraussetzungen die erforderlichen Ingredienzien der Entwicklung des Lebens auszuspähen. Und als Wissenschaftskommunikator ist er geübt, die wissenschaftlichen Befunde einem breiten Publikum spannend und fasslich zu machen. In seinem Buch verschränken sich diese beiden Kompetenzen nun zu einem unwiderstehlich lehrreichen Lesevergnügen. Es geht ihm dabei weniger um die Ursprünge des Lebens im allgemeinen als um die Menschheitsgeschichte im grossen Überblick: Von unserer Genese in und unserem Exodus aus Afrika zu den Übergängen und Zwisten zwischen dem nomadischen und dem sesshaften Lebensstil bis zu den Einflüssen von Meeresströmungen und atmosphärischen Phänomenen auf die Seefahrten der Entdecker… All dies vor dem Hintergrund einer gewissenhaften Einführung in die Erdgeschichte und verziert mit so allerlei verblüffendem „Wussten-Sie-schon“: Weshalb etwa in New York viel mehr Wolkenkratzer stehen als in London? Woher die Muskatnuss ursprünglich stammt? Oder das Kamel?

Lewis Dartnell entwirft uns in seinem Buch also nicht weniger als die Welt, geschaut durchs Visier der Geowissenschaften. Das gerät ihm dann - im lesefreundlichen Rahmen von knapp dreihundertzwanzig Seiten – gelegentlich etwas spekulativ, im Gesamtbild aber stets schlüssig und faktenbasiert. Wobei man uns jetzt natürlich nicht zweimal fragen muss, ob wir denn etwas auszusetzen fanden. Da grummelten wir beispielsweise leise, als wir feststellten, dass auch Lewis Dartnell mit der gegenwärtigen Manie der historischen Wissenschaften liebäugelt, allen und jeden Umbruch in Erd- und Menschheitsgeschichte einer Klimaveränderung zuzuschreiben. Das, so meinen wir, ist indessen Alter Hut genug, dass es sich auch mal wieder ausrelativieren dürfte. Oder wir haben auch so unsere Zweifel, ob die sechzehnfache Entwaldung Zyperns zum Zwecke der Kupfergewinnung tatsächlich als eine Frühform nachhaltiger Forstwirtschaft gelten kann. Das sind dann aber allenfalls sporadische Details, die vor der beeindruckenden Gesamtleistung des Buches weitgehend verblassen.

„Wir sind Geschöpfe der Erde“, schreibt Lewis Dartnell im letzten Satz seines abenteuerlichen Streifzugs durch die Weltgeschichte. Und uns genau dies in fassbarer und bedeutsamer Konsequenz aufzuzeigen, ist ihm bis dahin vollendet gelungen. Er spannt einen unterhaltsamen Bogen von der Plattentektonik bis zum aktuellen politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Geschehen, ohne dabei zu straucheln, und beweist dabei klug und eindringlich, wie eng wir mit diesem, unserem einzigen Planeten verbandelt sind.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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