Buch «Die Schöpfungslüge»

Buch «Die Schöpfungslüge»

Warum Darwin recht hat

Richard Dawkins, der grosse Biologe und streitbare Wächter des Darwinismus, tritt mit diesem Buch an, uns Beweise für die Evolutionstheorie zu liefern. Warum muss er das tun? Weil das Wörtchen „Theorie“ eine Doppelbedeutung hat, die scheinbar von nennenswerten Anteilen der Erdbevölkerung nicht unterschieden werden kann. Da ist einmal die wissenschaftliche Theorie. Diese ist ein Adelstitel und bezeichnet die grösstmögliche Annäherung an eine allgemeingültige Wahrheit. Soweit uns unser Wahrnehmungsapparat ein endgültiges Urteil ermöglicht, beschreibt sie eine Tatsache. Und dann ist da die Theorie des Volksmunds. Das wäre dann eine blosse Vermutung.

 

Autor  Richard Dawkins
Verlag  Ullstein Verlag
Umfang  527 Seiten
ISBN  978-3-550-08765-3
Preis  Fr. 41.90 (UVP)

 

Die Evolutionslehre, so will uns Richard Dawkins glauben machen, ist eine Tatsache. Und da wir das sowieso schon vermutet haben, ist viel von der Energie, die er in diesem Buch zur Widerlegung der Schöpfungsgeschichte und ihrer Verfechter, der Kreationisten und Anhänger eines „intelligent design“, aufwendet, eigentlich verschwendet. Das ist, wie bei all seinen früheren Büchern, eine ganze Menge Energie. Man kann sich nun natürlich fragen, weshalb er nicht einsehen will, dass die hier so sorgfältig und klug dargelegten, gewichtigen Argumente wohl keinen einzigen Kreationisten von seinem Glauben abfallen lassen. Wahrscheinlich hat er noch Hoffnung. Für uns bereits überzeugte Leser ist das ein Glücksfall. Zwar seufzen wir zwischendurch mal auf, wenn er wieder das Visier senkt und eine weitere polemische Attacke gegen die religiösen Fundamentalisten jeglicher couleur reitet. Weniger aus Langeweile, als vielmehr aus Sorge. Doch wenn er von der Evolution berichtet, ändert sich sein Tonfall. Dann wird er fröhlich, fast beschwingt, sein Humor wird fein, und er kann in unnachahmlich eingängigem Stil seinen ganzen Scharfsinn ausspielen. Er versteht es, seinen Leser zu fordern, nicht zu überfordern, und verwickelte Zusammenhänge nicht einfach, aber verständlich darzulegen. Ob es um vergleichende Zoologie, Fossilien, Dendrochronologie, Bakterien oder um die etwas komplexeren Themen der Molekularbiologie und der Embryologie geht, man folgt ihm mühelos und freudig. Die hohe Kunst der Wissensvermittlung: Da kann es sein, dass ein Leser alles schon weiss, was der Autor da erzählt, und am Ende der Lektüre dennoch etwas gelernt hat.

Gut und schön, werden sie sich nun vielleicht sagen, aber was hat diese Buchbesprechung auf einer Umweltseite verloren? Dazu eine kleine Geschichte aus den Jugenderinnerungen des amerikanischen Autors Craig Thompson, erzählt in der Graphic Novel „Blankets“: Der verunsicherte Sohn will seinen fundamentalistischen Vater zum Recycling überreden. Dieser reagiert unwirsch. Während er weiter toxische Abfälle in den Mülleimer stopft, hält er seinen Sohn dazu an, sich doch lieber um seine Seele als um die Umwelt zu sorgen. Die Sorge um die Umwelt, so meint er, werde sich mit dem baldigen Armageddon sowieso erledigen.

Da sind wir froh und dankbar, hat Richard Dawkins die Hoffnung noch nicht verloren.

Sacha Rufer

 

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