Buch «Anthropozän»

Buch «Anthropozän»

Das Zeitalter der Menschen – eine Einführung

Dass der Mensch immensen Einfluss auf die Erde nimmt, ist ohne Frage. Doch sollten wir deshalb gleich ein Erdzeitalter nach ihm benennen? Was es mit der Debatte ums Anthropozän genauer auf sich hat, wie die Faktenlage dahinter aussieht und was seine Ausrufung bewirken könnte, erläutert Erle C. Ellis nüchtern und kritisch in seinem Buch.

 Autor Erle C. Ellis
 Verlag oekom
 Umfang 250 Seiten
 ISBN 978-3-96238-177-6
 Preis Fr. 24.80 (UVP)

 

Den einen scheint es als die neueste anthropozentrische Hybris, den anderen als notwendiger Weckruf zur Verantwortungsübernahme: Die Ausrufung eines geologischen Zeitalters des Menschen, des Anthropozän. Um uns in diese Fachdiskussion, die längst kräftig in Politik und Umweltschutz ausstrahlt, sachkundig einzuführen, vermacht uns der involvierte amerikanische Professor für Geografie und Umweltsysteme Erle C. Ellis dieses Buch.

Er beginnt die Verhandlung der Argumente in der Fachdisziplin der Geologie, der die Entscheidung über die Etablierung eines Anthropozän in der erdgeschichtlichen Zeitskala letztlich obliegt. Er gibt uns hier profunden Überblick darüber, wie die Geologie die Erdzeitalter überhaupt in den Gesteinsschichten verortet und auseinanderhält. Da es bei dieser Verortung aber um spezifisch menschheitsgeschichtliche Einflussnahmen auf die irdische Ökosphäre geht, führt uns die Reise daraufhin in die Archäologie und die Fragen, wo denn ein Beginn des Anthropozän anzusetzen wäre: Bei der neolithischen Revolution etwa? Oder sollte radioaktiver Fallout der wesentliche Indikator sein? Oder doch vielleicht – wie damals vom Initiator der Diskussion Paul Crutzen angedacht – der sprunghafte Anstieg des CO2-Eintrags in die Atmosphäre?

Mit noch einigen mehr diesbezüglichen Möglichkeiten im Gepäck brechen wir auf in die Ressorts der Ökologie und der Klimawissenschaften. Nach der kurzen Auseinandersetzung mit der Grundsatzfrage, inwiefern sich die Menschheit (als evolutionär eingebetteter Teil der irdischen Ökosysteme) von der „Natur“ überhaupt sinnvoll abgrenzen lässt, fahndet Erle C. Ellis nach den denkbaren Folgen der Ausrufung eines Anthropozäns für die ökologischen Wissenschaften. Wird es die Anstrengungen um den Erhalt einer möglichst „ursprünglichen“ Natur unterminieren? Bedenkenloses Geoengineering rechtfertigen? Oder wird es die Erkenntnis unserer Einhegung in planetare Grenzen wirksam befördern und uns unserer unentrinnbaren Verantwortung einsichtiger machen? Solche Ungewissheiten und kritischen Hinterfragungen prägen auch die aktuelle politische Diskussion, in deren Positionen und Akteure er im letzten Abschnitt seines Buches noch qualifiziert einführt. Uns nun nicht alle diese Fragen leichtfertig im Vornherein zu beantworten, bestärkt nur die Absicht seines Buches, eine interessierte Öffentlichkeit für ihre sachverständige Erörterung zu wappnen. Diesem Gedanken entsprechend endet er es mit jeweils einem faktenbasierten Ausblick auf ein Schlechtes wie auch auf ein Gutes Anthropozän.

Erle C. Ellis erschliesst uns dieses gewaltige Bündel transdisziplinärer Kenntnisse nüchtern, gradlinig und leichtverständlich. Er darf sich deshalb rühmen, uns mit seinem Buch sowohl in den grossen Erzählsträngen wie auch in den jeweiligen Details auf die Höhe der Debatte zu heben. Er hat damit jene Einführung in die Thematik geschaffen, die wir fürderhin erstrangig empfehlen werden.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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