Buch «Habitat»

Buch «Habitat»

Der Zoo Zürich unter Alex Rübel

Das zum Abschied des früheren Direktors des Zoos Zürich Alex Rübel gestaltete Buch gefällt als attraktiver Bildband. Vor allem aber zeichnet es ein informatives und reflektiertes Gesamtbild des Selbstverständnisses eines innovativen, modernen Tiergartens.

 Autor Simone Bammatter
 Verlag Stämpfli
 Umfang 315 Seiten
 ISBN 978-3-7272-6055-1
 Preis Fr. 69.-- (UVP)

 

Das Selbstverständnis vieler Zoos weltweit, ganz bestimmt aber des Zoos Zürich unter Alex Rübel, hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt: Vom Tierpark, der zum Zwecke der Zerstreuung Tierleid billigend in Kauf nahm, zur bildenden Erlebniswelt und zum forschungsgeleiteten Naturschutzzentrum. Mit dem Bau von innovativen Immersionsgehegen wie dem Masoala Regenwald oder zuletzt der Lewa Savanne trat ein weiterer Umbruch hinzu. Während der Fokus die längste Zeit auf der einzelnen Tierart lag, erweiterte er sich fortschreitend auf deren Habitate und die ökosystemischen Beziehungen über die Tierwelt hinaus. Der grosszügig ausgestaltete Band, den der Zoo Zürich hier zum Abschied des beliebten Zoodirektors zusammengestellt hat, würdigt beides: Die aufwändige Erweiterung und Neuorientierung des Zoos Zürich sowie Alex Rübel selbst, der dazu Vision und Strategie lieferte.

Ein Stichwort ist damit bereits gefallen: Würdigung. Einem zu diesem Zweck gestalteten Buch ist naturgemäss daran gelegen, erworbene Verdienste gebührend zu zelebrieren. Doch derweil die Respektsbezeigungen gegenüber dem scheidenden Zoodirektor dann auch in keinem der in dem voluminösen Band versammelten Beiträge fehlen, bleibt das Buch doch vorrangig der Vermittlung von Sachinhalten verpflichtet. Es gibt dabei derart belangvolle Einblicke ins Tagesgeschäft, die Zielsetzungen und das erweiterte Engagement des modernen Zoos, dass es als ein ebenso attraktives wie aufschlussreiches Informationswerk bestehen kann.

In straffen und allgemeinverständlichen Texten führt uns Simone Bammatter jeweils in die verschiedenen Sachbereiche ein, zu denen die Spezialistinnen dann ihr Wissen und Erleben beisteuern. Mit den Augen von Kuratoren, Biologinnen, Stiftungsmitgliedern oder Veterinären vollziehen wir die Entwicklung des Zürcher Zoos zum Naturschutzzentrum aus den verschiedenen Blickwinkeln nach. Wir erhalten Einsicht etwa in die Logistik und die Bauplanung eines Immersionsgeheges, in die Vergesellschaftung der Tiere darin oder in die Praxis der arterhaltenden Zuchtprogramme. Dazu gesellen sich selbstverständlich immer wieder intime Einblicke in Leben und Alltag der eigentlichen Stars des Zoos; seiner Tiere. Deren grossflächige, eindrucksvolle Fotografien verdienen dem Band dann auch noch Lorbeeren als einem äusserst attraktiven Bildband.

Nun bleiben trotz alledem die Gefühle Ihres Rezensenten, Zoos betreffend, chronisch gespalten. Dass dieser Band das zur Eindeutigkeit in egal welcher Richtung verändern würde, wurde nicht erwartet. Ein zusätzliches Wort des Lobes ist es aber schon wert, wie zahlreiche Beiträge genau diese Gefühle ernstnehmen und auf die dazugehörigen Diskussionen eintreten. Da werden keine trotzigen Zäune zwischen den verschiedenen tierschützerischen Gesinnungen hochgezogen, sondern die gemeinsamen Interessen des Tierwohls und des Artenschutzes beschworen. Während es uns wichtig bleibt, festzustellen, dass noch längst nicht jeder Tiergarten in seinem Anspruch an sich selbst ein Zoo Zürich ist: Die Vorstellungen der Koexistenz von Tier und Mensch, die der Zürcher Zoo – und speziell auch dieses Buch – vor sich hertragen, sind so reflektiert und empathisch, wie wir sie uns in allgemeiner Anwendung wünschen. Wir haben unsere Freude daran!

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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