Buch «Die verwundbare Welt»

Buch «Die verwundbare Welt»

Eine Hypothese

Die „Verwundbare-Welt-Hypothese“ von Nick Bostrom bietet einen zweckvollen Rahmen, die oftmals allzu vagen Ängste vor der erahnten Zerstörungskraft neuer Technologien zu versachlichen. Zugleich stösst es eine pointierte Diskussion dazu an, wie potentiell selbstzerstörerischen Entwicklungen begegnet werden könnte.

 Autor Nick Bostrom
 Verlag Suhrkamp
 Umfang 111 Seiten
 ISBN 978-3-518-58754-6
 Preis Fr. 17.90 (UVP)

 

Die Technologiekritik ist mit der Ökologiebewegung seit anhin eng verwoben. Mal zum Guten, aber auch mal zum Schlechten werden neue Technologien von ihr mit Argusaugen beäugt: Stets auf der Hut vor jenem zerstörerischen technischen Fortschritt, der auch den Dreh- und Angelpunkt der Überlegungen des angesehenen Philosophen und Zukunftsforschers Nick Bostrom darstellt. Trotzdem ist sein hier vorliegender Aufsatz nicht in erster Linie ökologisch motiviert. Es geht ihm in dem darin dargelegten Gedankenexperiment allgemeiner um Fragen der Risikoeinschätzung neuer Technologien bzw. wissenschaftlicher Entdeckungen und die Diskussion der Mittel und Wege, ihren möglichen zerstörerischen Folgen zuvorzukommen.

Man stelle sich eine riesige Urne vor, in deren Innerem sämtliche möglichen menschlichen Entdeckungen, Erfindungen und Technologien in Form von kleinen Kugeln ruhen. Ganz üblicherweise sind diese Kugeln weiss oder von hellerem bis dunklerem Grau: Sie sind den Menschen nützlich, verschiedentlich auch von Nutzen und Schaden zugleich. Doch die Drohung steht im Raum, dass unter ihnen eine schwarze Kugel lauert – eine Technologie (im weitesten Sinne), die mit ihrer Entdeckung unausweichlich das Ende der menschlichen Zivilisation einläutet… Die „Verwundbare-Welt-Hypothese“ von Nick Bostrom geht davon aus, dass diese schwarze Kugel existiert. Die Atombombe oder die fossilen Energieträger mit ihrer Folge des Klimawandels kommen da etwa in den Sinn. Sie zieht der Autor dann unter anderem auch als Beispiele heran, um die möglichen Gestaltwerdungen der schwarzen Kugel im ersten Teil seiner Denkschrift zu typologisieren - wobei er zugleich anschaulich macht, warum sich diese beiden zwar als dunkel graue, aber (noch) als keine schwarzen Kugeln manifestierten.

Im Wesentlichen dreht sich Nick Bostroms Aufsatz aber nicht um die Vorhersage einer solchen, bislang hypothetischen Technologie, sondern um die Einschätzung, mit welchen Mitteln ihrem Auftauchen vorzubeugen und zu begegnen sei. Wie also, um in seinem Bild zu bleiben, die durch die schwarze Kugel verwundbare Welt in einen Zustand der Stabilität überführt werden kann. Seine Vorschläge dazu sind, zumindest in ihrer konsequentesten Form, unweigerlich kontrovers. Die Ideen des Technologie-Verzichts oder einer effektiveren Global Governance mögen da schon weit gehen, doch spätestens die breitenwirksame Überwachung der Bevölkerung mittels präventiver Polizeiarbeit lässt die Alarmglocken schellen. Doch wie soll eine simpel anzuwendende Technologie mit dem Potenzial zur Massenvernichtung sonst eingedämmt werden? Nick Bostrom ist sich des provokativen Gehalts seiner Visionen natürlich vollauf bewusst. Er wirft sie derweil nicht in der Gebärde eines deterministischen Pessimisten in die Runde, sondern mit dem klaren Ansinnen, einen konkreteren Rahmen für die Diskussion potenzieller technologischer Schwachstellen zu schaffen.

In genau diesem Sinn ist das Buch auch wertvoll für die ökologische Debatte. Nick Bostrom verbildlicht mit seiner „Verwundbare-Welt-Hypothese“ das sonst eher vage Unbehagen gegenüber neuartigen Technologien, wie es die Umweltdiskussion oft prägt. Er schafft damit stabilere Grundlage zur Einschätzung des möglichen Schadens und Nutzens einer Technologie und steuert auch Ideen bei, wie seiner „Schwarzen Kugel“ mit gemässigteren Mitteln vorgebeugt werden kann. Seine pointierten Überlegungen trägt er angenehm konzentriert und sachlich vor, was uns zwar noch zu keiner übermässigen Kurzweil, aber doch einer flüssigen und angeregten Lektüre verhilft.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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