Buch «Zeitbewusstheit»

Buch «Zeitbewusstheit»

Geologisches Denken und wie es helfen könnte, die Welt zu retten

Die Geologie denkt in längeren Rhythmen als wir mit unserem alltäglichen Zeitgefühl. Marcia Bjornerud macht uns in ihrem Buch eindrücklich klar: Wollen wir unser fortwährendes Dasein auf unserem Planeten sichern, so sollten wir uns darin gleichfalls üben.

 Autor Marcia Bjornerud
 Verlag Matthes & Seitz
 Umfang 245 Seiten
 ISBN 978-3-95757-923-2
 Preis Fr. 38.60 (UVP)

 

Die Feststellung, dass die menschliche Lebensspanne in geologischer Zeitrechnung ja nur ein Lidschlag sei, ist längst ein geflügeltes Wort. Der leise Hohn über die Bedeutungslosigkeit menschlichen Tuns, der darin mitschwingt, ist nun aber nicht Marcia Bjorneruds Sache, während sie uns die gewaltigen Zeitspannen der Erdgeschichte fassbar macht. Im Gegenteil geht es der amerikanischen Geologin und Umweltwissenschaftlerin darum, uns mit der äonenalten Geschichte unseres Planeten in fruchtbare Beziehung zu setzen und uns unsere Bedeutung – und Verantwortung – darin anschaulich zu machen.

Zu diesem Zweck muss Marcia Bjornerud erst einmal unser Zeitbewusstsein gebührend weiten. Überwiegende Teile ihres Buches sind deshalb dem Unternehmen gewidmet, uns den Sprung von kurzfristiger Terminplanung zu millionenjährigen Erdzeitaltern zu ermöglichen. Das meistert sie mit begeisternder Leichtigkeit, indem sie uns einen nie unterkomplexen, dabei aber durchwegs nachvollziehbaren Crashkurs in den Geowissenschaften serviert – gleich noch gewürzt mit der zugehörigen Wissenschaftsgeschichte. Anhand intuitiver Beispiele und vieler persönlicher und historischer Anekdoten verbildlicht sie die verwickelten Zusammenhänge zwischen Atmosphäre und Plattentektonik, Erosion und Vulkanismus, Landschaft und Geochemie und verbindet sie vor unserem inneren Auge zu einem dramatischen Gesamtgemälde.

Das alles tut sie – wie bereits angeklungen – nicht nur zum Selbstzweck einer populären Vermittlung ihrer Wissenschaft. Marcia Bjornerud schwört uns, fast unmerklich, auf die langsameren, mächtigen Rhythmen unseres Planeten ein. Dabei behält sie über die gesamte Erkundung der geologischen Erdgeschichte die wesentliche Rolle des Lebens dafür im Auge. Im Ergebnis gewinnen wir ein adäquates Bild unserer Position im grossen Lebensfluss und unserer keineswegs so geringen Einflussnahme auf Geologie und Ökologie unserer einzigen planetaren Heimat: Lidschlag hin oder her. Gestützt darauf macht sie uns anschliessend die Risiken fasslich, die direkt aus unserem verkürzten Zeitgefühl rühren: Etwa im Zusammenhang mit den hochfliegenden Plänen eines umfassenden Geo-Engineering zur Stabilisierung des Klimas.

Die Erde, auf der uns Marcia Bjornerud neu verankert, ist eine staunenswerte, wertvolle, unersetzliche. Akribisch belegt sie uns, wie unser kurzes Dasein mit ihrer langen und andauernden Evolution fest und unentrinnbar verzahnt ist – und wie unsere Zukunft davon abhängt, aus dieser Einsicht die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Dafür, was diesbezüglich zu beachten ist, versieht sie uns mit geballtem Fachwissen und einem weiten Blick für auch die ferneren Zusammenhänge. Die Erdplattenschwere der Thematik wird derweil vollends aufgehoben von ihrer unbeschwerten Leidenschaft. Diese ist uns nur noch der letzte Ansporn, hinsichtlich ihres Buches zu einem selten verwendeten Prädikat zu greifen: Ein Meisterstück!

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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