Buch «Unglaubliche Reisen»

Buch «Unglaubliche Reisen»

Vom inneren Kompass der Tiere

Sie rennen, klettern, fliegen und schwimmen ja unentwegt, die Tiere. Nur: Wissen sie eigentlich, wohin sie wollen? Und wie finden sie das dann? David Barrie fahndet quer durch die Tierwelt nach den spannenden Antworten auf solche Fragen.

 Autor David Barrie
 Verlag mare
 Umfang 366 Seiten
 ISBN 978-3-86648-282-1
 Preis Fr. 35.90 (UVP)

 

Mit Reisen war ja dieses Jahr nicht so viel: Weshalb also nicht mal mit den Tieren reisen? Wobei sich David Barrie in seinem Buch mit einzelnen Erlebnisberichten gar nicht so sehr aufhält. Ihn faszinieren die Fragen dahinter. Wie orientieren sich Tiere in, unter und über der Landschaft? Was wissen wir von den Sinnen und kognitiven Fertigkeiten, die es dem Mistkäfer ermöglichen, seine Kugel geradeaus zu rollen, oder der Meeresschildkröte, sich punktgenau an den Ort ihrer Geburt zu navigieren? Was helfen uns die Erkenntnisse, die wir aus der Entschlüsselung dieser Geheimnisse gewinnen? Die Antworten führen uns in einem wilden Ritt rund um die Welt und in die Tiefen der Verhaltensforschung.

Betrachtet man allein David Barries Lebenslauf als britischer Diplomat, so käme man wohl nicht dahin, ihm sein so fesselndes wie sachkundiges Nature Writing selbstverständlich zuzutrauen. Das heisst; das Schreiben vielleicht schon. Da könnte man - verwegen weit ausgreifend - auf seinen Urgrossonkel J.M. Barrie verweisen, Autor des weltbekannten Peter Pan. Doch früher noch als seine weit gestreuten Interessen an Kunst, Psychologie oder Politik erblühte halt seine Begeisterung für Falter, die ihn dann auch ein neugieriges Leben lang begleitete. In der Folge nehmen nun die Navigationsleistungen der Insekten einen etwas breiteren Raum in seinem Buch ein, als es in diesem zugvogelbeherrschten Thema gemeinhin üblich ist. Von uns erntet er deswegen gewiss keine Beschwerden, derweil er die Orientierungskünste dann ja doch quer durch die Tierwelt, vom Bakterium bis zum Buckelwal erkundet. Über dem ersten Teil seines Buches steht dabei die Frage, woran sich die verschiedenen Tiere orientieren: An Gerüchen? Landschaftsmerkmalen, Magnetfeldern, Sonnenstand, Druckverhältnissen? In Begleitung der massgeblichen Forscher und mit so manchem aufschlussreichen Schlenker in die Wissenschaftsgeschichte entschlüsselt er in prägnanten, kurzweiligen Texten ein fabelhaftes Potpourri faszinierender Erkenntnisse.

Der zweite Teil des Buches gehört danach der Frage, wie sich jetzt die Tiere genau zurechtfinden. David Barrie sucht nach den Karten, die all die gesammelten Sinneseindrücke zur zielsicheren Navigation zusammenführen: Keinen gegenständlichen natürlich, sondern den mentalen. Spätestens hier wird klar, wie wir – trotz der begeisternden Fülle der uns vom Autor vorgeführten Einsichten – erst an der Oberfläche dessen kratzen, was es dazu noch zu enträtseln gäbe. Den Nutzen solcher Forschung für Medizin, Artenschutz und Technik belegt er uns schlüssig – und verdichtet seine dieserart geschärften Einsichten in den Wert der Natur schliesslich zu einer dynamischen Attacke gegen den Anthropozentrismus, der uns vielfach die Wegfindung in eine nachhaltige Zukunft verstellt.

So vieles, was uns David Barrie an Sachkenntnissen aus Verhaltensforschung, Neurologie, Geophysik, Kartografie, Labor- und Feldforschung zusammenträgt und kunstvoll verbindet, wäre im Einzelnen nur mit gehörigem Vorwissen verständlich. Er reiht es so wohlabgestimmt aneinander, dass sich ein ganz zwangloser Lesefluss ergibt. Er übertrifft damit unsere gar nicht so geringen Erwartungen an sein Buch nicht nur im Gehalt, sondern ebenso in der Form, und lässt uns verblüfft und begeistert zurück.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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