Buch «Tatort Natur»

Buch «Tatort Natur»

Die Tierwelt ist ein wiederkehrendes Motiv von Kindersachbüchern, wobei sie sich jedoch selten so originell in Szene gesetzt sieht wie hier.

Tierfotograf Ingo Arndt und Autorin Bärbel Oftring sind uns beide von einer Vielzahl von Publikationen bestens bekannt, und ihr Wirken gab uns noch keinen Anlass zu Missbilligung. Dieses Buch verschiebt jetzt die Langzeitwertung von einem Mangel an Tadel zu einem Vorschuss an Lob.

Autor  Ingo Arndt / Bärbel Oftring
Verlag  Sauerländer Verlag
Umfang  29 Seiten
ISBN  978-3-7941-9174-1
Preis  Fr. 21.90

 

Weshalb Ingo Arndt für uns zu den zurzeit bemerkenswertesten Tierfotografen gehört, wird jedem sofort einleuchten, der dieses schmale Bilderbuch aufschlägt. Wie man eine unglückliche Heuschrecke in Nahaufnahme im offenen Maul eines Chamäleons fotografiert, ist uns nicht sofort einsichtig, und wir staunen darüber mindestens so sehr wie über das farbenprächtige Reptil. Die Beschreibung dieses Fotos gibt uns bereits einen Hinweis darauf, was dieses Bilderbuch aus der Masse heraushebt. Wo andere Kinderbücher die Natur gerne mal als Tummelplatz von grinsenden Kaninchen und vegetarischen Füchsen darstellen, setzt sich dieses mit ihrer Kehrseite auseinander. In Form von strafgesetzlichen Anklagen schildert es Kriminaltatbestände, derer sich die ungewöhnliche Menagerie schuldig gemacht hat. Da wird ein See-Elefant der schweren Körperverletzung bezichtigt, ein Totenkopfschwärmer des betrügerischen Einbruchs, oder ein Seeadler des bewaffneten Überfalls mit Todesfolge, wenn auch mit dem wahrscheinlich strafmildernden Motiv der Nahrungsbeschaffung für seine Nachkommen. Bärbel Oftring, die in ihrem schier unüberschaubaren Oeuvre von Naturbüchern schon immer Fachkenntnis und einen Hang zur sachlichen Korrektheit bewies, darf dabei zusätzlich ihr Gespür für Dramatik ausleben.

Das Ergebnis ist ein Kindersachbuch, das seinen schonungslosen Realismus zwar mit einem Augenzwinkern abmildert, die Tierwelt aber doch ungeschönt darstellt. Das kann, so sorgfältig und verantwortungsvoll ausgeführt wie hier, Spannung und Neugier erzeugen, zu weiteren Fragen und Nachforschungen anstiften. Man darf sich gern die grundsätzliche Frage stellen, ob es umweltpädagogisch sinnvoll ist, den Kindern die tröstliche Illusion einer kuschelweichen Natur, in der sie sich geborgen und behütet fühlen können, mit solcher Wirklichkeitsnähe zu vergällen. Oder ob es nicht doch sinnvoll ist, das Märchen von der Harmonie in der Natur zum Altpapier zu schmeissen, um den Respekt vor ihr nicht weiterhin an wankelmütige menschliche Moralvorstellungen zu binden. Wir neigen zu letzterem, wie unsere Begeisterung für dieses Buch vielleicht zeigt. Aber sicher sind wir uns nicht.

Rezension: Sacha Rufer

 

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