Buch «Es geht um die Wurst»

Buch «Es geht um die Wurst»

Was du wissen musst, wenn du gern Fleisch isst

„Nun sag, wie hast du’s mit dem Fleisch?“ – das wäre dann wohl die derzeitige Gretchenfrage. Christoph Drösser und Nora Coenenberg ermöglichen ihrem jungen Publikum mit diesem feinfühligen Kindersachbuch, darauf eine so kundige wie lebenstaugliche Antwort zu finden.

 Autor Christoph Drösser / Nora Coenenberg (Ill.)
 Verlag Gabriel (Thienemann-Esslinger)
 Umfang 108 Seiten
 ISBN 978-3-522-30581-5
 Preis Fr. 20.90 (UVP)

 

In jeder Kindheit reift einmal die bewegende Erkenntnis, dass es sich bei dem schönen Stück Fleisch auf dem Teller einst um ein lustiges Huhn, eine freundliche Kuh oder ein kuschliges Kaninchen handelte. Wie sensibel oder auch faktentreu auf die folgenden Nachfragen reagiert wird, hängt dann unabdingbar an der Einstellung der Eltern oder Erziehungsberechtigten zum Fleischverzehr. Wer sich nicht nur darauf verlassen möchte und an Faktentreue vor Gesinnung interessiert ist, kann nun auf dieses wertig aufgemachte Kindersachbuch zurückgreifen. Christoph Drösser und Nora Coenenberg bringen darin die kontrovers aufgeladene Diskussion um Tierwohl, Klimawandel und Fleischkonsum in eine nüchtern sachliche, gleichwohl ansprechende und kindgerechte Form.

Dafür, dass es dabei tatsächlich faktentreu zugeht, steht Christoph Drösser gerade. Der Autor prüft in seiner Kolumne in einer deutschen Wochenzeitschrift seit Jahren den Wahrheitsgehalt landläufiger Alltagsweisheiten und (vermeintlicher) Wissensinhalte. Dieselbe Sorgfalt lässt er nun diesem Kindersachbuch angedeihen, in dem er den vielen Wirkungen des Fleischkonsums auf Umwelt und Gesundheit nachspürt. Er startet mit ganz grundsätzlichen Fragen wie jener, wie „natürlich“ der Verzehr von Fleisch für uns Menschen überhaupt sei, um dann in klugem Aufbau all die Details und Zusammenhänge um Tierhaltung, -transport und –schlachtung, um Klimafolgen, Wasserverbrauch oder Welternährung säuberlich vor uns auszulegen. Nicht, dass seine ideologisch zurückhaltende Herangehensweise an der daraus zu gewinnenden Erkenntnis viel ändern würde: Dass Fleischverzehr und –produktion nach heutigem europäischem Vorbild mit einer nachhaltigen Entwicklung nicht kompatibel sind, wird auch in dieser wertfreien Darstellung deutlich. Und so fragt er dann auch noch kritisch nach Fleischalternativen, Biosiegeln und den persönlichen und politischen Konsequenzen, die aus den hier nun gewonnenen Einsichten zu ziehen wären.

Wir halten – wie wohl schon deutlich wurde – diese urteilsermächtigende Neutralität für das vordringliche Verdienst des Kindersachbuches. (Mal ganz abgesehen davon, dass Kinderbücher zum Thema ohnehin recht dünn gesät sind.) Ungeschönt, aber dann auch nirgends dramatisierend nimmt es sein Publikum für voll und möchte ihm kein vorbestimmtes Werturteil einreden. Auch an den Illustrationen der erfahrenen Infografikerin Nora Coenenberg fällt ins Auge, wie sie alle gängigen Stereotype der Emotionalisierung und Verniedlichung von Tieren vermeidet, während sie sie doch stets feinfühlig als empfindungsfähige Lebewesen kenntlich macht. Überhaupt wäre das Buch ohne ihre übersichtlichen Infografiken und Zeichnungen nicht denkbar: Sie machen zuverlässig das, was dem kindlichen Erfahrungshorizont aus dem Text allein vielleicht nicht kenntlich wäre, fassbar und anschaulich. Dank ihrer geht dann auch die Altersempfehlung ab 8 Jahren gerade noch okay – mit unbegrenztem Raum nach oben!

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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