Buch «Was ist Leben?»

Buch «Was ist Leben?»

Die fünf Antworten der Biologie

Ja, was ist es denn? Verschiedenenorts immer noch ein Rätsel, gewiss, doch andernorts ein staunenswertes Kunstwerk in allem, was wir darüber bereits gelernt haben. Mit begeistertem Blick auf beides präsentiert es uns Paul Nurse in seiner kundigen Einführung in die Biologie.

 Autor Paul Nurse
 Verlag Aufbau
 Umfang 184 Seiten
 ISBN 978-3-351-03888-5
 Preis Fr. 29.-- (UVP)

 

Die Frage, was Leben eigentlich genau ist, was es präzise ausmacht und vom Unbelebten abgrenzt, beschäftigt Philosophie und Naturwissenschaft seit Anbeginn und gleichermassen. So simpel die Identifikation des Lebendigen uns im Alltag auch erscheinen mag, so knifflig wird sie sofort, versuchen wir sie mit Definitionen zu umzäunen – und dabei tragen diese Definitionen dann durchaus ethische und gesellschaftliche Konsequenzen. Wer sich nun aber von Paul Nurse eine universelle Antwort auf diese akademische Diskussion erwartet, wird von seinem Buch vielleicht enttäuscht sein: Das schicken wir voraus, um solcherlei Erwartungen gleich aus dem Weg zu räumen. Sein Buch gibt uns stattdessen eine Einführung in die grundlegenden Erkenntnisse, die die Biologie zum Phänomen Leben gewonnen hat. Dann aber eine solche, die in ihrer Klugheit, bündigen Kürze und Verständlichkeit ihresgleichen sucht.

Der Biologe und Nobelpreisträger der Medizin Paul Nurse rahmt seine Erkundung der Fundamente der Wissenschaft des Lebendigen in fünf revolutionäre Entdeckungen und Ideen, die uns dessen Eigenschaften und Funktionsweisen erschliessen: Die Zelle, das Gen, die Evolution natürlich, das Verständnis des Lebens als Chemie und als Information. „Rahmen“, sagen wir, denn selbstverständlich bestehen zwischen diesen Bausteinen mannigfaltig Querverbindungen und Wechselbeziehungen. Gleichwohl gelingt es ihm, uns in stringentem Aufbau einen schlüssigen Einblick in die Geheimnisse und Muster des Lebens zu verschaffen, der sich dann, wo immer nötig, auch noch kundig ins entscheidende Detail vertieft. Ganz mag er dann auch nicht darauf verzichten, nebenbei noch seine eigene, durchdachte Definition des Lebens in die Debatte zu werfen: Wie beständig sie sich da der Zerpflückung erwehren mag, wird sich erst weisen. Er tut das alles jedenfalls mit täuschender Leichtigkeit und reflektierter Sorgfalt; nicht zuletzt mittels intuitiver Beispiele und Vergleiche, die überzustrapazieren er sich wachsam hütet. Und all jenen, die darüber hinaus vielleicht noch etwas aus seiner persönlichen Forschung oder seinem Leben, aus Wissenschaftsbetrieb und –geschichte erfahren möchten, präsentiert er sich auch hierbei als nahbarer und freundlicher Erzähler.

Während uns diese bemerkenswerte Leistung bereits Grund genug wäre, sein kleines Buch allen neugierigen Laien und auch allen Forschenden zu empfehlen, die den Blick von der Petrischale oder dem Monitor gern mal wieder aufs grössere Ganze heben möchten, will er damit noch etwas mehr. So eindrucksvoll Paul Nurse uns von der kreativen Anpassungsfähigkeit des Lebens berichtet, so besorgt zeigt er sich um die Rolle der Menschheit darin. Klimawandel und die Verluste der Biodiversität sind ihm deutliche Alarmzeichen, unsere Position darin neu zu verorten. Da mag dann zwar die Lanze, die er gleichzeitig für GVOs und Biotechnologie (insbesondere in der medizinischen Forschung) bricht, einigen quer zu stecken kommen: Im Sinne der verantwortungsvollen und informierten Aussprache, die er damit anzielt, müssen wir sie allerdings entgegennehmen. Ungebrochen überzeugt daneben die Perspektive, die er uns zur betörenden Vielfalt des Lebens schafft: Als einem vielmillionenstimmigen Gesang, über dessen grosse Harmonien hinweg sich ein einzelner, menschlicher Monolog nicht sinnvoll führen lässt. Welche Instrumente uns die Biologie geschaffen hat, im Konzert des Lebens stützend und nicht störend mitzuspielen, und welche Bereicherungen für unser Dasein hierin zu finden sind: Davon schafft uns sein Buch ein klares, inspirierendes Bild.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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