Buch «Das ökohumanistische Manifest»

Buch «Das ökohumanistische Manifest»

Unsere Zukunft in der Natur

Der naturvergessene, egozentrisch bedürftige Mensch hat keine Zukunft. Das ahnen wir, so vage, alle. Mit ihrem Konzept des Ökohumanismus präzisieren uns Pierre L. Ibisch und Jörg Sommer einen überzeugenden und berückenden Gegenentwurf.

 Autor Pierre L. Ibisch / Jörg Sommer
 Verlag Hirzel
 Umfang 173 Seiten
 ISBN 978-3-7776-2865-3
 Preis Fr. 21.80 (UVP)

 

Ökohumanismus: Das ist die Versöhnung von Mensch und Natur. Es ist der Abschied vom wohligen Fokus des Menschen auf sich selbst; das Eingeständnis, dass wir von „der Natur“ untrennbar, ungetrennt sind. Und es ist die Einsicht, dass eine zukunftsfähige Zivilisation allein dadurch möglich wird, dass wir das menschlich Soziale mit dem ökologisch Sozialen zusammendenken: Dass zur Bewältigung der ökologischen Krisen jene der sozialen – und umgekehrt – unabdingbar ist. „Das ökohumanistische Manifest“ macht uns das provokativ klar. Es benennt Lösungsansätze. Und ganz allgemein verführt es uns zu der Aussage: Wenn Sie nur ein einziges Buch zu den anstehenden Herausforderungen lesen möchten, dann sollte es gerne dieses sein!

So. Und nachdem wir nun klar gemacht haben, was wir davon halten, sollten wir vielleicht noch erzählen, was uns die Autoren mit ihrem Buch genauer bieten… In dessen erstem Drittel tragen Pierre L. Ibisch, Biologe und Professor für Naturschutz, und der Politikwissenschaftler Jörg Sommer zusammen, was wir vom Menschen als Produkt des Ökosystems Erde belastbar wissen. Im Deutungshorizont des (natur-)wissenschaftlich geprägten Humanismus zeichnen sie uns als zur Kooperation evolvierte Tierart: Einzigartig in genau dem Masse, in dem jede Spezies einzigartig ist. Wie und weshalb wir, unsere Spielräume innerhalb der Grenzen des Ökosystems überschätzend, diese Grenzen nun zum eigenen Schaden überschreiten, verhandeln sie anschliessend am weiten wirtschaftlichen, psychologischen, gesellschaftlichen und technologischen Horizont. Darauf bauen sie im letzten Teil das Herzstück ihres Manifests: Zehn wohldurchdachte Thesen zur Grundlegung des Ökohumanismus als einer Geisteshaltung, die die Lösung der Probleme nicht mehr in der Fortsetzung der erwiesenermassen problembelasteten, überkommenen Lösungsstrategien sucht.

Pierre L. Ibisch und Jörg Sommer liefern uns mit ihrem Buch genau das, was sie uns im Titel versprechen: Ein Manifest. Das bedeutet nicht zuletzt, dass sie vor der Veränderung des Handelns auf jene des Denkens setzen – ein Ansatz, den wir üblicherweise kritisieren. Aus unserer persönlichen Erfahrung tendieren wir zum Befund, dass die vorgezogene Einforderung eines ideologischen Wandels allzu oft nur der Rechtfertigung der Untätigkeit dient. Das gilt es bei der Lektüre selbstreflektierend im Kopf zu behalten, doch es disqualifiziert das von ihnen so eingängig und bezugsreich argumentierte neue, Geerdete Denken natürlich nicht. Sie schärfen und konkretisieren dieses derweil - im Wortsinn - radikal: Von der Wurzel her. Dabei hüten sie sich wohlweislich, in jene Falle zu tappen, die so manches Manifest schon auslegte: Nämlich ein geschlossenes Weltbild zu bauen, aus dessen Dogmen dann auch angesichts von Fehlleistungen kein Entkommen mehr ist. Im Wesentlichen dekonstruieren sie ein solches. Das Fundament, das sie daneben auslegen, bleibt für die meisten Gestaltungen (abseits des naturvergessenen, egozentrisch bedürftigen Menschen) offen, ihr Entwurf des Ökohumanismus schafft dahin weisend einen wohlgesetzten, berückenden Orientierungspunkt.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.