Buch «Die Eiche und der Federschopf»

Buch «Die Eiche und der Federschopf»

Von Wurzelwissen, Autobahnen und einem ziemlich frechen Eichelhäher

Im Mittelstreifen einer Autobahn steht eine Eiche. Im Zwiegespräch mit einem vorlauten Eichelhäher sinniert sie darüber nach, weshalb Eile und Geschäftigkeit so viel mehr gelten als Ruhe und Entschleunigung...

 

 Autor Bibi Dumon Tak
 Verlag Gerstenberg
 Umfang 124 Seiten
 ISBN 978-3-8369-6175-2
 Preis Fr. 21.50 (UVP)

 

Der Baum ist bedächtig, der Vogel ist Husch-husch. Dennoch verstehen sie sich recht gut, die Eiche und der Eichelhäher; oder lernen sich zumindest gut zu verstehen in den episodischen Gesprächen, die sie führen, wenn der „Federkopf“ mal wieder vorbeischaut, um sich im Blätterdach an den Eicheln, den Raupen und Käfern gütlich zu tun. Mit ihren zweihundert Lebensjahren hat sie ja allerhand zu erzählen, die „Eiche von Ulvenhout“, auch wenn sie die letzten Jahrzehnte ganz allein auf dem Mittelstreifen einer Autobahn verbrachte. Der Eichelhäher steuert dazu die polyglotte Perspektive bei sowie seine herausfordernde, rastlose Respektlosigkeit… und das Gerücht, dass es dem alten Eichelbaum bald an den Kragen gehen könnte. 

Bibi Dumon Tak ist uns schon begegnet. In ihrer „grossen Vogelschau“ brachte sie uns die Vogelwelt ihrer niederländischen Heimat nahe; ganz klassisch im reich bebilderten Sachbilderbuch. Dass ein Sachbuch für Kinder auch ganz anders funktionieren kann, beweist sie uns in diesem kleinen Band. Der besinnt sich ganz und gar auf die Kraft der Erzählung: Aus der Ich-Perspektive der Eiche zumeist, dann kurz einmal – während deren Winterruhe – auch aus jener des Eichelhähers. Dabei vermischen sich die historischen Erinnerungen des Baumes mit gehaltvollen botanischen und ökologischen Einblicken in sein lebendiges Dasein, mit Betrachtungen über das Leben und allerlei erheiterndem Unfug. Dass das so flüssig und schwerelos gelingt, liegt am Tonfall. Bibi Dumon Tak gibt ihren Protagonistinnen absolut glaubwürdige, regsame Stimmen: Gedankenvolle Unverdrossenheit der Eiche, jugendliche Unverblümtheit dem Häher, die sich beide in die altersgerechte Sprachgewohnheit ihres Publikums einfügen, ohne sich dieser je anzubiedern. Dafür ist wohl auch der Übersetzerin zu danken: Meike Blatnik beweist hier treffliches stilistisches Feingefühl. 

Das über die gesamte informative Erzählung ausgespannte Thema ist derweil ein anderes – wenn auch ein für unseren umweltbewegten Schwerpunkt nicht minder belangvolles. Es geht um Eile und Stillstand, Geschäftigkeit und Achtsamkeit. Am Kontrapunkt der vorüberrauschenden Blechlawine und der fest verwurzelten Eiche – die dort in den Niederlanden übrigens ein reales Vorbild hat – erkundet die Erzählung den Wert des Stehenbleibens. Weshalb, fragt sie, gelten Bewegung und Veränderung eigentlich mehr als ein ruhendes, anteilnehmendes Dasein? Damit, dass es in seiner Antwort darauf über die zu befürchtende Kalenderspruch-Rhetorik bedachtsam hinausgeht, nimmt es seine Leserschaft ernst – und kann diese dann problemlos auch auf ein erwachsenes Publikum erstrecken. 

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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