Buch «Stoff-Wechsel»

Buch «Stoff-Wechsel»

Auf dem Weg zu einer solaren Chemie für das 21. Jahrhundert

„Die Chemie" und die chemische Industrie galten zur Zeit der grossen Chemieunfälle (Seveso, Schweizerhalle) geradezu als Antithese einer ökologisch verträglichen Lebensweise, und dieser Ruch ist ihnen dann auch erhalten geblieben. Dies zu meisten Teilen zu Recht. Doch diese „Chemie", die hauptsächlich auf dem Grundstoff Erdöl basiert, ist nicht die einzig denkbare. Hermann Fischer, seit mehr als dreissig Jahren ein Vorkämpfer der anderen, ökologischen Chemie, zeigt uns in seinem Buch auf, dass diese nicht nur nötig, sondern vor allem auch machbar ist.

 

Autor Hermann Fischer 
Verlag Verlag Antje Kunstmann
Umfang 300 Seiten
ISBN 978-3-88897-784-8
Preis Fr. 28.40 (UVP)

 

Gleich zu Beginn macht er uns klar, dass Chemie Leben und das Leben zu grössten Teilen Chemie ist. In einem kurzen Abriss der Geschichte der Chemie zeigt er uns zudem auf, wie die Wissenschaften der Chemie unser Leben verändert haben und wie allgegenwärtig sie in unseren Alltag hineinspielen. Das tut er nicht, um der herkömmlichen chemischen Industrie ein Kränzlein zu winden, sondern um uns die Relevanz der Thematik bewusst zu machen und vielleicht sogar jene Restchen Interesse und Begeisterung, die den schulischen Chemieunterricht in uns überlebt haben, zu stimulieren. Wobei ihm beides problemlos gelingt. Diese umfassende Einführung in den Themenkreis ist in ihrer Verbindung des umfassenden Fachwissens mit dem Erzähltalent und Engagement des Autors bereits eine besondere Belobigung wert. In jedem Fall bereitet sie uns bestens darauf vor, seinen weiteren Ausführungen flüssig und leicht folgen zu können.

Wenn Hermann Fischer von einer „solaren" Chemie spricht, so meint er damit eine Chemie, die ihre Leistungen anstatt auf fossilen Restreserven auf den erneuerbaren – eben von der Sonne bereitgestellten – Ressourcen aufbaut. Ausgehend von seiner grundsätzlichen Kritik an einer inspirationslosen und trotzigen Petrochemie zeigt er uns eindrücklich das reiche Potenzial dieser vielfältigen, hauptsächlich pflanzlichen Grundsubstanzen auf. Diese haben nicht nur den Vorteil, dass mit dem Ende der Erdölreserven kein Holzlack- und Shampoofreies Zeitalter eingeläutet würde, sondern hauptsächlich jenen, dass bei ihrer Veredelung kaum Abfälle entstehen und auch ein mühseliges Recycling entfällt. Bezüglich der Verwendungsmöglichkeiten kann er eine beeindruckende Produktvielfalt vorstellen, von Schmiermitteln über Pharmazeutika bis zu Biopolymeren und Dämmmaterialien. Das sind keine unerhörten Neuigkeiten, aber in dem umfassenden Überblick, den er uns gewährt, wurde uns die Leistungsfähigkeit dieser neuen, kreislauforientierten Chemie erst im vollen Umfang bewusst. Einzig bezüglich der zu befürchtenden Anbauflächenkonkurrenz mit Nahrungsmitteln wagen wir seinem Optimismus nicht leichtherzig zuzustimmen. Zwar vermögen wir vielen seiner Argumente zu folgen: Dass die hier geforderten Nutzpflanzen meist anspruchsloser sind als die Nahrungspflanzen und deshalb auch auf degradierten Flächen angebaut werden müssten, oder dass mit einer solaren Chemie auch Abfallstoffe dieser Nahrungspflanzen neu genutzt werden könnten, leuchtet uns ein. Doch ob dann die politische und wirtschaftliche Vernunft sich auch tatsächlich so vernünftig und flexibel zeigen wird, wie er uns das ans Herz legt? Gleichwie: Wir möchten, genauso wie der Autor, gerne an den Punkt gelangen, an dem unsere Zweifel geprüft werden. Hermann Fischers Buch ist ein wirkkräftiges und wichtiges Plädoyer wider die Abhängigkeit vom Erdöl und für eine zukunftsfähige Chemie.

Rezension: Sacha Rufer

 

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