Buch «Persönlichkeitsrechte für Tiere»

Buch «Persönlichkeitsrechte für Tiere»

Die nächste Stufe der moralischen Evolution

Die Unterscheidung scheint klar. Ein Mensch ist ein Mensch, und ein Tier ist ein Tier. Ein Mensch ist eine Person, und ein Tier eben nicht. Wobei der Mensch natürlich auch ein Tier ist. Aber eines, das sich selbst erkennt, das über sich selbst nachdenken und über den Verlust von Angehörigen weinen kann. So wie beispielsweise der Delfin, der Schimpanse, der Elefant... äh, wie bitte?

 

Autor  Karsten Brensing
Verlag  Herder Verlag
Umfang  239 Seiten
ISBN  978-3-451-30513-9
Preis  Fr. 25.90 (UVP)

 

Wer nach tiefergehenden philosophischen oder biologischen Grenzlinien zwischen Mensch und Tier fahndet, streift schon bald durch zunehmend neblige Gefilde. Da sind auf der einen Seite die Entdeckungen bezüglich der kognitiven und emotionalen Leistungen von Tieren. Affen mit Kultur und Moral, lachende Ratten, Delfine mit Eigennamen oder Rabenvögel, die mit verblüffendem Einfallsreichtum komplexe Problemstellungen lösen... Auf der anderen Seite stehen die Neurowissenschaften, die mit ihren Erkenntnissen vehement an liebgewonnenen Konzepten wie unserem freien Willen rütteln. Hier hinein begibt sich der Meeresbiologe und Verhaltensforscher Karsten Brensing, während er uns die Idee von Tieren als Persönlichkeiten schmackhaft macht. Den erwähnten Nebel vertreibt er mittels eines gutgelaunten Tonfalls und einer Fülle von unterhaltsamen Anekdoten und Forschungserlebnissen, die seine Argumente mit Leben füllen. Er fordert nicht, jeder Ameise den Status eines Individuums zu geben oder jede an der Handfläche klebende Mücke als Mordopfer einzuklagen. Er hat stattdessen einiges an Argumenten und bedenkenswerten Einsichten zu bieten, ab wann die mentalen Leistungen, die Fähigkeiten zu Kooperation und Einfühlung eines Tiers diesem die Anerkennung als Persönlichkeit einbringen sollten - und damit auch grundlegende Rechte, die wir Menschen bisher so eifersüchtig für uns hüten, dass wir sie nach uns benannt haben. Da Karsten Brensing hauptsächlich an Delfinen forscht, nehmen diese einen gewichtigen Teil seiner Beweisführung in Anspruch – was wir, da uns in diesem Zusammenhang bislang hauptsächlich die Menschenaffen vorgeführt wurden, ausdrücklich begrüssen. Wir sind ihm auch überhaupt nicht böse, wenn er den Schwerpunkt auf die zoologische Verhaltensforschung und nicht auf die juristischen Aspekte seiner Forderung legt. Sein Buch ist mehr ein Gedankenöffner als eine Streitschrift. Wer angesichts des Titels leise bei sich denkt: „Da übertreiben sie nun aber wirklich, diese Tierschützer", der wird sich vom Autor freundschaftlich empfangen und sachkundig zur Diskussion angeregt finden. Wer stattdessen einfach nur Delfine mag, hat sowieso einige reizvolle und bereichernde Lesestunden vor sich.

Der einzige Kritikpunkt, der sich uns aufdrängt, hat dann auch nicht in erster Linie mit den im Buch vermittelten Inhalten zu tun. Karsten Brensing hat sein Buch mit Bonusinhalten versehen. Diese sind auf einer Website zu finden, die sich für die Rechte der Wale stark macht. Dagegen ist nichts einzuwenden. Zu diesen Bonusinhalten zählt aber auch ein Kapitel zur Kulturdefinition und –entwicklung bei Mensch und Tier, das nach unserer Meinung dringend in den Buchumfang gehört hätte. Nicht nur, dass es dieses mit weiteren wichtigen Argumenten auffüllt und überhaupt spannend zu lesen ist: Dem Käufer des Buches wird damit etwas Essentielles vorenthalten - ganz gleich, ob nun jeder potentielle Leser im deutschen Sprachraum Zugang zum Internet hat oder nicht. Auch wenn wir hier möglicherweise gegen eine Entwicklung anreden, die nicht mehr aufzuhalten ist: Gut finden war das nicht. Von unserem Urteil, es hier mit einem aussergewöhnlich unterhaltsamen Einstieg in ein kontroverses Thema und schlicht einer höchst lohnenswerten Lektüre zu tun zu haben, bringt uns das indessen nicht ab.

Rezension: Sacha Rufer

 

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