Buch «Wir arbeiten und nicht das Geld»

Buch «Wir arbeiten und nicht das Geld»

Wie wir unsere Wirtschaft wieder lebenswert machen

Was, wenn nicht eine Reduktion existentieller Ängste, wollen wir mit der Ansammlung von Geld und Gütern eigentlich erreichen? Das war jetzt eine rhetorische Frage. Was aber, wenn die Ökonomie, die uns mit dem für diese Sicherheit und Zerstreuung notwendigen Geld versorgt, solche Zukunftsängste stattdessen schürt? Der kapitalismuskritische Wirtschaftsingenieur Arno Gahrmann hat Antworten.

 

Autor  Arno Gahrmann
Verlag  Westend Verlag
Umfang  210 Seiten
ISBN  978-3-86489-038-3
Preis  Fr. 25.90 (UVP)

 

Um uns diese Antworten – und seine darauf aufbauenden Empfehlungen – nachvollziehbar zu machen, grenzt er erst einmal den Begriff der Ökonomie deutlich von jenem einer menschengerechten Wirtschaft ab. Er stellt dabei die bedarfssichernde Arbeit und den gesellschaftlichen Gewinn des menschlichen Wirtschaftens jenem Monster eines renditehungrigen Kapitals entgegen, das als Ökonomie scheinbar unantastbar in der Welt herumfuhrwerkt und hierbei das Geld der Armen und "nur" Wohlhabenden zu den Reichen verschiebt. Er stellt klar: Die Ökonomie hat keinen Anspruch auf Naturgesetzlichkeit, und ihre Gesetze und Regeln - gern zitiert als Sachzwänge - entziehen sich keineswegs unserem Einfluss. Diese Unterscheidung und Richtigstellung macht seine Ausführungen zu den Mechanismen von Arbeit und Geld, Zins und Schuld, Rendite und Kapital, die er in den Hauptteil seines Buches stellt, ausserordentlich gewinnbringend. Er zeigt uns - um sich seines vielleicht eindrücklichsten Bildes zu bedienen - ab welchem Punkt das Herdfeuer, das wir angemacht haben, mit seinem Ressourcenhunger das Haus aufzuzehren beginnt, das es eigentlich nur wärmen sollte. Und er hat uns Vorschläge vorbereitet, wie wir es seinem Ursprungszweck gemäss bändigen können. Diese Lösungsansätze operieren weiterhin im Umfeld einer Marktwirtschaft, wie wir sie uns landläufig vorstellen. Das bedeutet aber nicht, dass es ihnen am Potential zur Veränderung gebräche, sondern nur, dass sie auch den Bezug zur momentanen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Machbarkeit behalten. Einer davon, nämlich jener einer Ausdehnung von Zertifikatsvergaben von den Klimazertifikaten auf weitere ökologische und soziale Baustellen, lässt uns zwar mit einigen Zweifeln zurück. Doch seine darunterliegende Vision einer regionalisierten und kooperativen Wirtschaftsweise, die er uns an konkreten Beispielen anschaulich macht, kann sich mit allen vergleichbaren Entwürfen ebenbürtig messen und sie in wichtigen Punkten ergänzen.

Sein Buch bewegt sich in seiner Darstellung der gegenwärtigen Fehlleistungen der Volkswirtschaften und der diversen Berichtigungsansätze hart an der Grenze der Laientauglichkeit. Es hat dafür aber eine fachliche Tiefe und Präzision zu bieten, die für eine erfolgversprechende Veränderung des Status Quo essentiell ist. In diesem Sinne lässt es dann auch Phrasen eines "qualitativen" oder "grünen" Wachstums nicht unwidersprochen stehen, wenn das dahinterstehende Konzept des Wachstums einer Revision bedürfte. Das Buch ist ein kompetenter und beachtenswerter Beitrag zur Diskussion darüber, wie wir in Zukunft arbeiten, handeln und umweltverträglich leben wollen. Es bietet sachkundige Unterweisung und Inspiration, wie wir politisch und persönlich eine solche Zukunft mitgestalten können, und eine abgeklärte und differenzierte Mahnung, welcher wirtschaftlichen Exzesse wir uns hierfür entledigen sollten.

Rezension: Sacha Rufer

 

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