Buch «Die Klimafalle»

Buch «Die Klimafalle»

Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung

In stärkerem Mass als andere grüne Anliegen hat die Klimadebatte sich mit zunehmender Dauer polarisiert. Während sie in Belangen der politischen Konsequenzen nur glimmt, flackert sie wild an anderen Fronten. Mahner und Skeptiker haben die wissenschaftliche Diskussion verlassen und sich in ideologischen Lagern verbarrikadiert. Die Schuld daran, so die Hypothese dieses Buches, haben zu wesentlichen Teilen die Klimawissenschaftler.

 

Autor  Hans von Storch / Werner Krauß
Verlag  Hanser Verlag
Umfang  248 Seiten
ISBN  978-3-446-43507-0
Preis  Fr. 27.90 (UVP)

 

Das Buch ist das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit des Ethnologen Werner Krauß, der eines Tages aufbrach, den "Stamm der Klimaforscher" zu erforschen, und eines namhaften Mitglieds dieses Stammes, Hans von Storch. Sie beide halten den oben beschriebenen Stellungskrieg für kontraproduktiv. Um ihre Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, müssten die Klimaforscher damit aufhören, den politischen Interessengruppen ihre Erkenntnisse als verkürzte Schlagworte zur Verfügung zu stellen, und wieder Wissen schaffen, anstatt voreilig „Wahrheiten" in medientauglich apokalyptische Form zu bringen. Auch die einseitige Bindung der Klima- an die Energiethematik erfasse das Problem nicht im zu wünschenden Umfang und sei zu überdenken. Sie stellen sich mit ihrem Buch demonstrativ zwischen die Fronten - und setzen sich damit natürlich der Gefahr aus, von jeder Seite im jeweils anderen Lager verortet zu werden. Zumindest wir hier auf dieser Website halten die Selbstpositionierung der Autoren als Vermittler für glaubhaft, auch wenn wir unzweifelhaft einem dieser postulierten Lager angehören und zudem der Tonfall des Buches nicht durchweg vermittelnd oder beschwichtigend ist. In ihre Forderung nach einem Stilwechsel, der sich im Übrigen ja nur der Gepflogenheiten naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinns entsinnen müsste, stimmen wir gerne ein. Ebenso lasen wir ihre Erläuterungen dazu, wie die Klimaforscher beider Seiten sich willentlich oder unwillentlich als Gesinnungskrieger jenseits der gewissenhaften Faktenprüfung (Climategate, Hockeyschlägerdebatte) instrumentalisieren liessen, mit Gewinn. Ganz überzeugt von der unbedingten Kontraproduktivität des Mahner/Leugner-Konflikts sind wir danach zwar nicht. Auch widerstrebt es uns, die Einmischung von Naturwissenschaftlern in die politische Meinungsbildung durchweg als Sündenfall zu lesen. Doch dass sich die Klimapolitik auf internationaler Ebene festgefahren hat, ist schwer von der Hand zu weisen. Ganz gleich, ob wir wie die Autoren die angestrebte Beschränkung auf zwei Grad Temperaturanstieg für die entscheidende, unüberwindbare Hürde halten, die Übereinkünfte verunmöglicht, oder ob uns diesbezüglich noch gewichtigere Hemmschuhe einfallen: Ihre Vorschläge und Beispiele für alternative, kleinteilige, die Bürgerbeteiligung anspornende klimaschützerische Aktivitäten sind wertvoll, und ihr pragmatischer Aufruf zu einer ergänzenden Integration von Anpassungsmassnahmen in die Klimaschutzbemühungen ist in jedem Fall zukunftsträchtiger als ein geduldiges Warten auf die globale klimapolitische Einigung.

Ein weiteres Anliegen des Buches ist die wechselseitige Ergänzung und Befruchtung von Gesellschafts- und Naturwissenschaften. Das hätten wir im Buch selbst gern deutlicher verwirklicht gesehen. Es verharrt grösstenteils bei der Schelte der Klimawissenschaften. Diese sollen sich ändern, sich ihrer Stärken besinnen und ihrer Schwächen bewusst werden, Skeptiker auch mal ausreden lassen. Da hätten wir uns einige Aufschlüsse zum Selbstverständnis der Gesellschaftswissenschaften bezüglich dieser Aufgabenstellungen erhofft, konnten aber nur schemenhafte Konturen erkennen. Der Ethnologe im Autorenduo wurde uns grösstenteils in Beobachterrolle sichtbar, und was der „kulturelle Rucksack", der die Forschungsschwerpunkte und Ergebnisse von Klimawissenschaftlern prägen soll, denn enthält, haben wir nicht so genau erfahren. Auf der anderen Seite des Teams ist der umstrittene Klimaforscher oftmals in der Rolle des Bedrängten auszumachen, der in die Auflistung von klimapolitischen Irrungen und Wirrungen Rechtfertigungen der eigenen Beweggründe einwebt... Viele Themen, viele Einwände. Und doch, in genau diesem Sinne, empfehlen wir das Buch fröhlichen Herzens. Es ist ein provokanter und anregender Anstoss zu einer die eigene Position reflektierenden, besonnenen Meinungsbildung. Seine klaren Töne sind wahrscheinlich sogar geeignet, den einen oder anderen Klimastreiter zu einem Schritt aus den Gräben zu ermutigen. Hierfür dürfte es indessen wirklich an der Zeit sein.

Rezension: Sacha Rufer

 

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