Welttag gegen Kinderarbeit – Harmlose Arbeit im Haushalt?

12 Jun 2013

Der Welttag gegen Kinderarbeit wurde 2002 von der internationalen Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization) eingeführt und wird seither jeweils am 12. Juni begangen. Die Organisation schätzt die Zahl der teils unter gefährlichen, sklavenähnlichen Bedingungen arbeitenden Kinder derzeit auf über 200 Millionen weltweit.

Zwar ist hinreichend bekannt, dass in vielen Ländern Kinder zur Arbeit beispielsweise in Steinbrüchen, als Teppichknüpfer oder in der Landwirtschaft missbraucht werden, doch wer denkt auch an Arbeit in fremden Haushalten?

Am diesjährigen Tag gegen Kinderarbeit steht das Schicksal der Mädchen und Jungen im Vordergrund, die in fremden Haushalten angestellt sind. Gemäss einem aktuellen Bericht der ILO schuften mindestens zehn bis fünfzehn Millionen Kinder weltweit als Haushaltsangestellte – Tendenz steigend. Rund 50% der Haushaltshilfen sind weniger als 15 Jahre alt und fast drei Viertel davon sind Mädchen. Da die Kinder getrennt von ihren Familien leben, sind sie komplett vom Arbeitgeber abhängig. Viele arbeiten 12 bis 16 Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche, verdienen wenig oder nichts und erhalten keine Schulbildung. Ausserdem haben sie oft kaum Kontakt zur Aussenwelt und sind dem Risiko psychischer, physischer und sexueller Gewalt schutzlos ausgeliefert.

Das diesjährige Thema des Tages gegen Kinderarbeit wurde gewählt, um auf die missliche Situation dieser Kinder hinzuweisen und sie künftig stärker in die Bekämpfung der Kinderarbeit einzubeziehen. Bisher wurde in diesem Bereich wenig unternommen; unter anderem auch, weil viele der Kinder schwer auffindbar sind: sie leben versteckt und ohne Papiere am Rande der Gesellschaft. Mittellose Eltern in armen Ländern schicken ihre Kinder oft lieber in einen städtischen Haushalt als in den Strassenverkauf, die Landwirtschaft, Industrie oder ähnliche Arbeitsfelder. Die Haushaltshilfe wird weniger stark als „Kinderarbeit“ wahrgenommen. Zudem erhoffen sich die Eltern, dass die Kinder nur die einfachen Arbeiten erledigen müssen und in der Stadt bessere Chancen auf eine angemessene Schulbildung und Wohlstand haben. Die aktuellen Untersuchungen der ILO zeigen jedoch, dass diese Hoffnungen meist nicht eintreffen. Stattdessen ergeht es den Kindern im Haushalt oft sogar noch schlimmer als anderen..

Mindestens 10-15 Millionen Kinder weltweit schuften unter gefährlichen und teils sklavenähnlichen Bedingungen in fremden Haushalten.

Besonders dramatisch ist die Situation der Haushaltskinder beispielsweise in Haiti. Seit dem schweren Erdbeben vor drei Jahren leben dort noch immer Tausende Menschen in Flüchtlingslagern. Sehr viele Familien können nicht für ihre Kinder sorgen und schicken diese deshalb in die Stadt zu einer „Gastfamilie“. Dort werden sie missbraucht und ausgebeutet: Gemäss Experteneinschätzungen wird über die Hälfte dieser Kinder vergewaltigt, was auch die stark steigende HIV-Quote des Landes bestätigt. Die Kinder werden nicht selten auch Opfer von kriminellem Kinderhandel. Vor zwei Jahren wurde aufgedeckt, dass Mitglieder eines Menschenhändlerrings Kinder aus Haiti nach Deutschland brachten, um sie hier an Pädophile zu vermitteln. Auch in Indien und Pakistan sind die Zustände unannehmbar: körperliche Gewalt gegen minderjährige Haushaltshilfen ist dort offensichtlich in mehr als der Hälfte der Fälle an der Tagesordnung. Gemäss der Society for the Protection of Child Rights (SPARC) kommt es dabei sogar regelmässig zu Todesfällen: In der Gegend rund um Lahore (Pakistan) wurden in den letzten zwei Jahren mindestens 40 Kinder von ihren Haushältern nicht nur geschlagen, sondern schwer gefoltert und teilweise sogar getötet.

Da es in Pakistan – wie in vielen anderen Ländern – an Gesetzen mangelt, welche die Rechte der minderjährigen Haushalts-Sklaven schützt, wurde bisher wenig gegen die Missstände unternommen. Die existierenden Gesetze gegen Kinderarbeit gelten nicht für private Haushaltshilfen, da die Tätigkeit nicht offiziell registriert ist. Aufgrund dieser Rechtslücke wurde 2010 in Genf eine internationale Konvention für die Rechte von Haushaltsangestellten verfasst. Diese soll garantieren, dass für Haushaltshilfen dieselben Arbeiterrechte gelten, wie für alle anderen Arbeitnehmenden auch. Bisher haben sieben Länder in Asien, Afrika und Südamerika die Konvention unterzeichnet. Wenn auch andere Staaten das Abkommen verabschieden würden, wären viele Kinder – zumindest auf dem Papier – künftig besser vor Missbräuchen geschützt. Um erfolgreich gegen die Kinderarbeit vorzugehen, ist jedoch in erster Linie die Bekämpfung der grossen Armut in den betroffenen Regionen von Bedeutung. Zudem braucht es Aufklärungsarbeit und wirksame Alternativen für mittellose Familien, die ihre Kinder aus purer Not und aufgrund falscher Hoffnungen in einen fremden Haushalt schicken.

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