Schweiz: Biodiversität geht verloren

09 Dez 2013
Ein Schwärmer labt sich an Blüten. Ein Schwärmer labt sich an Blüten.

Die Biodiversität in der Schweiz ist rückläufig, der Zustand der unterschiedlichen Lebensräume verschlechtert sich zusehends. Ein Drittel der einheimischen Arten ist bereits bedroht. Dennoch beurteilen die meisten Schweizerinnen und Schweizer den Zustand der Biodiversität als gut bis sehr gut.

In der Zeit zwischen 1900 und 2010 sind 36 % der Auen, 82 % der Moore und 95 % der Trockenwiesen und -weiden verschwunden. Von den rund 40‘000 in der Schweiz bekannten Pflanzen-, Tier- und Pilzarten ist heute rund ein Drittel bedroht. Die Verlustrate konnte zwar verlangsamt werden, doch die Bestände zahlreicher seltener Arten sinken weiter. Trotzdem geht die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung davon aus, dass die Biodiversität in einem guten bis sehr guten Zustand ist, wie eine Studie der gfs.bern zeigt. Dabei ist der Verlust der Artenvielfalt in der Schweiz sogar noch höher als anderswo in Europa. Dies ist sowohl auf die anhaltend grosse Bautätigkeit und die Intensivierung der Landwirtschaft, als auch auf den Klimawandel zurückzuführen. Dieser fördert Arten, die bis jetzt keinen Lebensraum in der Schweiz fanden. Invasive Arten breiten sich vor allem in Siedlungsgebieten aus.

Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft gehen Lebensräume für viele Arten verloren. Pro Jahr werden aktuell rund 200 Millionen Franken zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität an die Landwirtschaft bezahlt. Im Mittelland liegt der Anteil an ökologischen Ausgleichsflächen mit 12 % sogar über dem angestrebten Minimum. Trotzdem reicht das nicht aus, um bedrohte Arten zu schützen, denn es mangelt an der Qualität der Ausgleichsflächen. Der Anteil an wertvollen Naturflächen im Kulturland beträgt nämlich nur 2 - 4 Prozent. Wichtig ist auch die Vernetzung: Die vorhandene Flächen sind meist zu klein, um lebensfähige Populationen zu beherbergen.

„Das Ziel, mit dem ökologischen Ausgleich den Rückgang der gefährdeten Arten zu stoppen und ihre Wiederausbreitung zu ermöglichen, wird nicht erreicht.“ Agroscope

Nicht nur in der Landwirtschaft gehen Lebensräume verloren, auch die Zersiedelung hat zugenommen. Seit 1970 hat sich die bebaute Fläche in der Schweiz fast verdoppelt. Die verbleibenden naturnahen Flächen im Siedlungsgebiet sind meist klein und schlecht vernetzt. In den letzten 12 Jahren wurde 90 Prozent reines Kulturland verbaut, vor allem Wiesen, Weiden und Ackerland.

In verschiedenen Kantonen und Gemeinden sind die Bauzonen zu gross. Damit wächst die Zersiedelung. Das revidierte Raumplanungsgesetz soll nun Abhilfe schaffen. Zu grosse Bauzonen müssen verkleinert, bestehende Baulandreserven besser genutzt werden. Der eben vorgelegte Entwurf zur Umsetzung des Gesetzes stösst jedoch auf breite Kritik. Kantone und Gemeinden fürchten um Ihre Autonomie, die Baulobby um ihre Pfründen. Die Zersiedelung kann laut Pro Natura so nicht gestoppt werden. Es wäre nämlich weiterhin möglich, dass neue Bauzonen zu schaffen, obwohl noch genügend ungenutzte Bauzonenflächen vorhanden sind. Die Naturschutzorganisation fordert, dass Kantone mit Wachstumsplänen zum Bodensparen verpflichtet werden. Das heisst: Je stärker ein Kanton an Einwohnern und Beschäftigten zulegen will, desto mehr muss er für Verdichtung sorgen.

Der Bundesrat hat 2012 die Strategie Biodiversität Schweiz verabschiedet. Diese sieht insbesondere die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und die Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum vor. Im Frühjahr 2014 wird der Aktionsplan in die Vernehmlassung geschickt.

Der globale ökonomische Wert der Biodiversitätsleistungen wird auf jährlich 16‘000 bis 54‘000 Milliarden Dollar geschätzt. Entsprechend bedeutungsvoll ist der Erhalt der Biodiversität auch für die Schweiz. Politisch sind diese Ansprüche nicht einfach durchzusetzen, da Wahrnehmung und Realität ziemlich weit auseinander liegen.

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