Schützt Sonnencreme vor Krebs?
Zweifellos kann Sonnencreme einen Sonnenbrand verhindern. Das spüren wir besonders dann, wenn wir beim ausgiebigen Sonnenbaden bestimmte Hautstellen vergessen, einzucremen. Wenn es aber darum geht, ob Sonnencreme – wie in der Werbung vielgepriesen – Krebs vorbeugt, sind sich die Experten nicht ganz so einig. Bis heute fehlt ein klarer Beweis, dass Sonnenschutzmittel das Risiko für schwarzen Hautkrebs senken. An dieser bös¬artigsten Form, dem Melanom, erkranken in der Schweiz jedes Jahr rund 1‘900 Menschen, wovon durchschnittlich fast 300 sterben. Nachgewiesen ist bisher lediglich, dass Sonnencreme vor Sonnenbrand und hellem Hautkrebs schützt. Dieser ist allerdings weit weniger gefährlich als der schwarze Hautkrebs.
Herkömmliche Sonnencremes stehen sogar im Verdacht, selbst krebsfördernde Stoffe zu enthalten. Margret Schlumpf und ein Forscherteam vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich konnten in einer Studie zeigen, dass bestimmte Chemikalien in Sonnencremes Krebszellen schneller wachsen lassen. Dafür testeten die Forscher sechs Chemikalien an menschlichen Brustkrebszellen. Fünf Substanzen führten zu einem Wachstum der Krebszellen. Ob und in welcher Menge Sonnencreme beim Menschen tatsächlich krebserregend wirkt, ist jedoch nicht abschliessend geklärt.
Fest steht, dass Sonnencreme indirekt das Krebsrisiko steigern lässt: Die Menschen bleiben länger an der Sonne, weil sie nicht so schnell einen Sonnenbrand befürchten müssen. So bekomme der Körper noch mehr UV-Strahlen ab, warnen Hautspezialisten vom Berner Inselspital.
Hormonaktive Stoffe
Ein weiterer Nachteil konventioneller Sonnencremes ist, dass viele problematische UV-Filter enthalten, die im Körper wie Hormone wirken. Nachgewiesen wurden sie zum Beispiel in Muttermilch. Margret Schlumpf warnt, die hormonaktiven UV-Filter könnten Föten schädigen.
„Bei Cremes mit sehr hohen Schutzfaktoren verwenden Hersteller oft einen ganzen Cocktail an hormonaktiven UV-Filtern. Was dieses Gemisch im und auf dem Körper anrichtet, ist völlig unklar.“
Margret Schlumpf, Umwelttoxikologin der Universität Zürich
Eine dänische Forschungsgruppe hat in der Zeitschrift «Embo Reports» eine Studie veröffentlicht, wonach Chemikalien in Sonnencremes auch die Fruchtbarkeit von Männern beeinträchtigen können. Schädigende Wirkungen für Spermien zeigten unter anderen die Chemikalie 4-Methylbenzylidene Camphor (4-MBC), die als UV-Filter verwendet wird.
Chemische UV-Filter vs. Mineralische UV-Filter
Trotz gewisser Risiken von Sonnencremes ist klar, dass sie - um ein hohes Schutzniveau zu gewährleisten - einen ausreichenden Schutz gegen UV B und UV A Strahlung aufweisen müssen. Während in gewöhnlicher Sonnencreme meist ein Gemisch von chemischen und mineralischen UV-Filtern enthalten ist, werden zertifizierte Naturkosmetikcremes mit rein mineralischen UV-Filtern wie Titandioxid und Zinkoxid hergestellt. Letztere haben den Vorteil, dass sie nicht vom Körper aufgenommen werden, sondern ihre Wirkung lediglich auf der Hautoberfläche entfalten. Ein weiteres Argument, das gegen chemische UV-Filter spricht, ist der Verdacht, dass sie das Hormonsystem von Fischen durcheinander bringen und für die Korallenbleiche verantwortlich seien. Darum empfiehlt der WWF, in natürlichen Gewässern nur Sonnencremes mit mineralischen UV-Filtern anzuwenden.
Sonnen mit Mass
Trotz Strahlung muss die Sonne nicht verteufelt werden. Schliesslich aktiviert Sonnenlicht die Produktion des lebenswichtigen Vitamins D und des Glückshormons Serotonin. Dafür genügen allerdings schon 10 bis 15 Minuten Sonnenlicht auf der nackten Haut (ohne Sonnencreme). Fachleute sind sich einig: Zwischen 11 und 15 Uhr sollte man die Sonne ganz meiden. Ansonsten ist das beste Mittel gegen Sonnenbrand und schädliche UV-Strahlung Schatten und Kleider. Ein grosser Sonnenhut zum Beispiel schützt gleichzeitig Kopf, Gesicht und Schultern und hilft gleich auch noch einem Sonnenstich vorzubeugen.
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