Das passt! Tiere nutzen Siedlungen als attraktiven Lebensraum

10 Jul 2015
Auch in Siedlungsgebieten hat die Natur Platz. Auch in Siedlungsgebieten hat die Natur Platz.

Die natürliche Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere ist im Siedlungsraum erstaunlich hoch. Gerade in urbanen Gebieten können durch kleine Massnahmen die Lebensräume aufgewertet und Arten gezielt gefördert werden.

Grünparzellen in Städten sind Oasen für den Menschen und Lebensraum für eine überraschend grosse, oft unscheinbare Flora und Fauna. Die Biodiversität in urbanen Gebieten ist meist höher als in intensiv genutzter Agrarlandschaft (umweltnetz-schweiz berichtete). Im Vergleich zum natürlichen Ökosystem ist der Lebensraum im Siedlungsgebiet dennoch eingeschränkt und mosaikartig zerstückelt. Diese Teillebensräume bieten aber auf kleinem Raum verschiedenartige Nischen für die speziellen Ansprüche von zahlreichen Tierarten.

Turmfalken waren ursprünglich Felsenbewohner, die sich dann an den städtischen Lebensraum angepasst haben.
Wildtiere, Buch von M. Stocker & S. Meyer

In alten Dachstöcken nisten sich nicht selten Siebenschläfer, Steinmarder, Schleiereule, Turmfalke oder Fledermäuse ein. Dachvorsprünge bilden Unterstände und Nistplätze für Spatzen, Mehlschwalben, Mauer- oder Alpensegler. Leider fehlen bei modernen Neubauten oftmals solche Unterschlupfmöglichkeiten. Aber auch verwilderte Gärten, Stadtpärke, Hecken, Einzelbäume, Industriebrachen und Flachdachbegrünungen schaffen wertvolle Lebensräume.

Kleine Aufwertungsmassnahmen bewirken viel

Trotz zunehmender Verdichtung kann man eine reiche Artenvielfalt in Städten unterstützen. Auf fachmännisch begrünten Flachdächern, an Kletterpflanzen von Hausfassaden und an begrünten Wegrändern tummeln sich Spinnen und viele Insektenarten wie Schmetterlinge, Ameisen und Wildbienen. Diese bilden wiederum eine Nahrungsgrundlage für Vögel. Vögel profitieren von geeigneten Nisthilfen, die an Häusern installiert werden.
Reptilien wie die Mauereidechse oder die Blindschleiche bevorzugen trockene, sonnige Standorte, kiesige Böschungen und spärlich bewachsene Wiesen. Errichtete Steinhaufen oder –mauern bieten für sie ideale Voraussetzungen und viele Versteckmöglichkeiten.

Wird im eigenen Garten ein kleiner Gartenteich angelegt, profitieren davon Amphibien wie der Bergmolch oder der Grasfrosch. Unter Gebüschen, Totholz- oder Laubhaufen versteckt sich gerne die Erdkröte. Asthaufen sind nicht zuletzt wichtige Überwinterungsplätze für zahlreiche Tierarten. Leider sind Licht- oder Wasserschächte oftmals Fallen für Amphibien. Ein Ausstiegsbrett im Schacht stellt sicher, dass hineingefallene Tiere wieder herauskriechen können. Es versteht sich von selbst, dass in Stadtgärten auf Pestizide und Herbizide verzichtet werden sollte. Ausserdem ist nicht alles unerwünschte Unkraut im Garten unnütz. Die Brennnessel beispielsweise ist eine wichtige Futterpflanze für Schmetterlingsraupen und sollte nicht ausgerissen werden.

Isolierte Grünräume sollten besser miteinander vernetzt werden, zum Beispiel durch Hecken. Hecken aus einheimischen Gewächsen bilden ideale Lebendzäune, die von verschiedenen Vogelarten als Nist- und Nahrungsplatz gemocht werden. Ist auf einen Zaun nicht zu verzichten, sollte er einen minimalen Abstand von zehn Zentimetern zum Boden haben, damit Kleintiere wie der Igel hindurchschlüpfen können.

Ökologisch wertvolle Wildbienen

Wildbienen sind in der Schweiz mit über 600 Arten vertreten und als Bestäuber von essentieller Bedeutung. Zum einen lassen sie sich gut fördern mit blumenreichen Wiesen, die ihr Nahrungsangebot erhöhen. Zum anderen benötigen sie Kleinstrukturen für die Anlage ihrer Nester. Mittels Begrünung von Flachdächern oder Nisthilfen (Wildbienenhotels) aus Totholz, hohlen und markhaltigen Stängeln und Lehm kann man Wildbienen unterstützen. Allerdings sollte die Distanz zwischen den Nistplätzen und den Blüten maximal 200–300 Meter betragen. Werden arten- und blütenreiche Blumenwiesen nicht gemäht, bieten sie von Frühling bis Herbst ein Nahrungsspektrum.

Weitere Informationen:
Kampagne Biodiversität im Siedlungsraum (birdlife.ch)
Buch: Wildtiere – Hausfreunde und Störenfriede (M. Stocker/ S. Meyer/Hauptverlag)

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