Clean-Up-Day 9./10. September 2016 – Interview mit Nora Steimer

18 Aug 2016
Am letzten Clean-Up-Day fanden über 400 Aufräumaktionen in der ganzen Schweiz statt. Am letzten Clean-Up-Day fanden über 400 Aufräumaktionen in der ganzen Schweiz statt.

Die Interessengemeinschaft für saubere Umwelt (kurz IGSU) setzt sich für die Aufklärung im Umgang mit Abfall und recycelbaren Stoffen ein. Der Clean-Up-Day, welcher am 9./10. September stattfindet, soll die Bevölkerung auf das Litteringproblem aufmerksam machen und Aufräumaktionen in der ganzen Schweiz fördern. Ein Gespräch mit der Geschäftsleiterin von IGSU: Nora Steimer.

un-s: Was bezweckt der Clean-Up-Day?

ns: Das Ziel des nationalen Clean-Up-Days ist, die Bevölkerung für das Thema Littering zu sensibilisieren und zum korrekten Entsorgen von Abfällen zu motivieren. Gemeinsam wird am schweizweiten Aufräum-Tag ein starkes Zeichen für eine saubere Umwelt und gegen Littering gesetzt.

un-s: 2016 findet der Clean-Up-Day zum vierten Mal in der Schweiz statt. Wie hat er sich weiterentwickelt?

ns: Für die Aktion, die seit 2013 von der IGSU organisiert wird, konnten jedes Jahr noch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer mobilisiert werden, was die Wirkung weiter verstärkt. Am Clean-Up-Day 2015 hat sich die Schweizer Bevölkerung an über 400 Aufräum-Aktionen beteiligt.

un-s: Wer wird durch den Clean-Up-Day hauptsächlich angesprochen? Wer engagiert sich am meisten?

ns: Es engagieren sich von Genf über Locarno bis nach Steckborn viele Gemeinden, Schulen, Vereine wie die Pfadi oder Sportvereine sowie Unternehmen, die gemeinsam mit der Bevölkerung den öffentlichen Raum von herumliegenden Abfällen befreien.

un-s: Wie gross ist die Littering-Problematik in der Schweiz? Wo ist sie besonders gross?

ns: Umfragen der IGSU von 2015 zeigen: Die Littering-Situation ist trotz Bevölkerungswachstum und grösserem Nutzungsdruck auf den öffentlichen Raum in der Schweiz stabil. Gründe dafür sind in den Strategien der Städte gegen Littering zu sehen, die auf das veränderte Freizeitverhalten reagieren und die offensichtlich ihre Wirkung entfalten. Fakt ist aber auch, dass sich die Bevölkerung durch Littering stark gestört fühlt und dass die Anti-Littering-Massnahmen weitergeführt werden müssen (Link zur Studie, siehe unten).

un-s: Welches veränderte Freizeitverhalten sprechen Sie hier an?

ns: Das veränderte Freizeitverhalten zeigt sich beispielsweise daran, dass heute ca. 3 Mal mehr Veranstaltungen im öffentlichen Raum stattfinden als vor 20 Jahren und sich die Bevölkerung dadurch häufiger draussen aufhält. Zudem ist der öffentliche Raum zu einem zweiten Wohnzimmer geworden: Während beispielsweise in Basel das Rheinufer zu Beginn der 1990er-Jahre auch an warmen Sommerabenden kaum bevölkert war, sind dort heute teilweise mehrere tausend Personen anzutreffen.

un-s: Was macht IGSU nebst dem Clean-Up-Day noch gegen die Abfall-Problematik?

ns: Als eine unserer Hauptaktivitäten führen junge, motivierte Umwelt-Botschafter-Teams persönliche Sensibilisierungsgespräche. Die IGSU-Botschafter-Teams sind im Laufe des Sommers in allen Landesteilen anzutreffen. Auf offene, witzige Art informieren sie über Littering und Recycling und sprechen Spaziergänger und Parkbesucher direkt an. Die IGSU-Botschafter sind auch an Schulen aktiv und erklären Schülerinnen und Schülern den korrekten Umgang mit Abfällen und Wertstoffen. Dabei kommen altersgerechte Unterlagen zum Einsatz, die bei der IGSU kostenlos angefordert werden können. Auch bieten wir Interessierten Plakate und Tafeln an, die auf humorvolle Weise auf das Littering-Problem aufmerksam machen.

un-s: IGSU ist Mitglied des Clean Europe Network. Wie sieht hier die Zusammenarbeit aus?

ns: Seit Mitte 2014 ist die IGSU Mitglied im Clean Europe Network – einem europäi­schen Netzwerk von Non-Profit-Organisationen im Littering-Bereich. Das Netzwerk dient dem internatio­nalen Austausch von Hintergrundwissen, Erfahrungen, Know-How und praxiserprobten Kampagnen. Zudem werden verschiedene europaweite Anti-Littering-Projekte gemeinsam umgesetzt. Diese Kooperation ist für uns sehr wertvoll.

un-s: Sie werden Zeuge von Littering: Weisen Sie den Abfallsünder zurecht?

ns: Ich versuche es, wenn immer möglich. Wichtig beim Zurechtweisen von Abfallsündern ist aber, vorgängig die Situation einzuschätzen. Gewisse Situationen sind heikel, meist kann man aber Abfallsünder mit einer Prise Humor überzeugen, dass es nicht viel Aufwand ist, den eigenen Abfall korrekt zu entsorgen, und dass davon schliesslich alle profitieren.

un-s: Haben Sie ein Beispiel für eine “humorvolle Zurechtweisung“?

ns: Viele Leute reagieren überrascht, wenn man Abfall, den sie fallen gelassen haben, aufnimmt und ihnen zurückgibt mit dem Kommentar: “Ich glaube, Sie haben hier etwas verloren“. Das kann das Bewusstsein fördern und schliesslich zu Verhaltensänderungen führen.

un-s: Und zum Schluss: Wie stehen Sie zur Littering-Busse?

ns: Grundsätzlich unterstützen wir Littering-Bussen als ein sinnvolles Mittel in einem Set bzw. Mix von verschiedenen Massnahmen der Prävention, Repression und Intervention. Bussen können eine präventive Wirkung entfalten – bereits die Ankündigung kann einen präventiven Charakter haben. Zudem ist es eine repressive Massnahme, die direkt den Verursacher trifft und zeigt, dass Littering gesellschaftlich nicht akzeptiert ist. In der Realität ist die Umsetzbarkeit von Bussen allerdings beschränkt. Die kontinuierliche Sensibilisierung der Bevölkerung ist deshalb von zentraler Bedeutung, um das Bewusstsein für die Littering-Problematik zu fördern und positive Verhaltensänderungen zu bewirken.

un-s: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.

Wer sich am Clean-Up-Day 2016 engagieren möchte, findet die weiteren Informationen mittels untenstehendem Link.

Weiterführende Informationen/Quellen:
Clean-Up-Day 2016
IGSU, Studie Littering
IGSU, Voller Einsatz gegen Littering

 

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