Anthropozän – Wie der Mensch Erdgeschichte schreibt

05 Feb 2018
Steinbruch, ein vom Menschen geprägtes Naturbild Steinbruch, ein vom Menschen geprägtes Naturbild

Bevölkerungswachstum, Atombombentests, die Abholzung der Wälder oder der Klimawandel. Die Spezies Mensch schafft und wandelt die Welt wie keine andere vor Ihr. Beginnt damit ein neuer Abschnitt der Erdgeschichte?

Die Erdgeschichte wird unterteilt in verschiedene Phasen, Geologen reden von einer Ära. Eine Ära wird unterteilt in verschiedene Perioden, und diese Perioden werden nochmals unterteilt in Epochen. Von der gegenwärtigen geochronologischen Epoche sprechen wir als dem Holozän, welches vor rund 12‘000 Jahren mit dem Ende der letzten Eiszeit begann. Eine neue Epoche wird eingeläutet, wenn gravierende Veränderungen in der Erdgeschichte stattfinden, die  in den Gesteinsschichten der Erde nachweisbar sind. Durch die Entstehung neuer Gesteinsschichten und Ablagerungen in den Sedimenten hinterlässt jeder Abschnitt einen sichtbaren „Fingerabdruck“.

Der Einfluss des Menschen

Wegen der akuten vom Menschen verursachten Umweltschädigung wird auch unser Fingerabdruck später erkennbar sein. Vergangene Atombombentests führten zu ersten Ablagerungen in den Sedimenten. Auch von der Menschheit verwendete Baustoffe wie Beton und Aluminium sowie das allgegenwärtige Plastik finden sich darin wieder. Zu den von Menschenhand herbeigeführten geologischen Veränderungen zählen weiterhin die Umleitung oder Eindämmung grosser Flüsse, die weltweite Umgestaltung der Landfläche, aber auch die enorme Veränderung unserer Atmosphäre. Diese veränderte Zusammensetzung der Atmosphäre resultiert aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Abholzung der Wälder. Langfristig führt dies zu einer signifikanten Veränderung des natürlichen Klimaverlaufs und somit zu weiteren Indizien in den Gesteinsschichten. Der Homo Sapiens hat, als erste Spezies überhaupt, die Natur als gestaltende Kraft der Erde abgelöst.

Beginn des Anthropozäns

Im Jahre 2000 nannte der niederländische Meteorologe Paul Crutzen diese vom Mensch geprägte Zeit Anthropozän. Schon bald hatte sich der Begriff bei Wissenschaftlern weltweit etabliert, ganz zur Freude Crutzens. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus 35 internationalen Forschern,  prüfte über Jahre, ob der Mensch als geologischer Faktor angesehen werden kann. Eine weitere wichtige Frage musste geklärt werden: Wann und wo der „Golden Spike“ - eine sichtbare Ablagerung in den Sedimenten an einem spezifischen Punkt - eintrat. Die Arbeitsgruppe stimmte am 29. August 2016, anlässlich des 35. Geologischen Kongress in Südafrika, dafür den Begriff Anthropozän und somit die neue Epoche offiziell in der Skala der Erdgeschichte aufzunehmen. Als Golden Spike schlugen 28 der Forscher die Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Nun muss der Vorschlag von der Internationalen Kommission für Stratigraphie (ICS) geprüft werden, bevor er im letzten Schritt vom Exekutivkomitee der International Union of Geological Sciences (IUGS) ratifiziert wird. Dieser Prozess kann noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Allerdings sollte uns schon jetzt bewusst sein, dass unser negativer Einfluss auf unsere Umwelt nicht nur für die nächsten hundert Jahre spürbar sein wird. Dieses Kapitel wird für immer Teil der Erdgeschichte bleiben

 

Die grossen Massenaussterben

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