An den Grenzen der Meere

Küsten sind Lebensraum unzähliger Lebewesen. Sogar Felslandschaften sind bewohnt; u.a. von Algen, Schnecken und Muscheln. Küsten sind Lebensraum unzähliger Lebewesen. Sogar Felslandschaften sind bewohnt; u.a. von Algen, Schnecken und Muscheln.

An den Küsten treffen zwei Welten aufeinander: das Land und das Meer. An diesen Übergängen entstehen vielfältige und bedeutende Ökosysteme.

 

Zusammengezählt sind alle Küstenlinien der Welt ungefähr eine Million Kilometer lang. Der Küstensaum ist ein riesiger Wirtschaftsraum für den Menschen: Die Mehrheit der Fische werden in Küstennähe gefangen, Öl wird gefördert, Abwasser hineingeleitet. Ebenso sind Küsten für den Schiffsverkehr und den Tourismus von Bedeutung.

Doch Küsten sind mehr als das. Sie sind Lebensräume für tausende von Tier- und Pflanzenarten – die beträchtlich leiden unter den menschlichen Einflüssen.

Die Geologie der Küsten

 

Gretarsson, Transect passive margin, CC BY-SA 3.0

Die meisten Kontinente sind von sogenannten Schelfmeeren umgeben. Diese können bis zu 200 Meter tief und 1500 Kilometer breit sein. Letzteres ist zum Beispiel in Sibirien der Fall. Schelfmeere sind die unter dem Meeresspiegel liegenden Ränder der Kontinentalplatten. Nach der Schelfkante wird das Gefälle grösser. Dieser Bereich wird Kontinentalhang genannt. Er ist zwischen 20 und 100 Kilometer breit und geht in den schwächer geneigten Kontinentalfuss und schliesslich in die Tiefsee über.

Die Form der Küsten verändert sich ständig: Durch Erosion wird Sedimentgestein in den Ozean hinausbefördert. Mithilfe von Wind, Gezeiten, Wellen und Meeresströmungen wird dieses teilweise wieder an die Küste gespült. Eine bedeutende Rolle spielen auch Flüsse, die Geröll und Sedimente an den Mündungen ablagern.

Ökologische Vielfalt

In den Schelfmeeren findet sich ein besonderer Artenreichtum. Ein Grund dafür ist das besondere Nahrungsangebot: Sowohl Flüsse als auch Meeresströmungen von der Tiefsee bringen nährstoffreiches Wasser an die Küsten. Das schafft die Möglichkeit für vielfältige Nahrungsnetze. Algen - die in lichtdurchfluteten Bereichen der Ozeane leben, da sie Fotosynthese betreiben – profitieren deshalb besonders vom Nahrungsangebot in den Küstengewässern. Von den Algen ernährt sich das Zooplankton und von diesem wiederum zahlreiche Fischarten. Es sind sowohl kleinere Fische, zum Beispiel Heringe und Makrelen, als auch grössere Raubfische wie Thunfische und Haie vertreten. Das grosse Fischangebot schätzen auch Seevögel und Säuger an den Küsten. Dazu zählen Seehunde und Robben.

Auch der geringe Abstand zwischen Meeresgrund und Oberfläche ermöglicht Nahrungskreisläufe: Von abgesunkenem toten Plankton ernähren sich Schwämme, Bakterien, Muscheln und Seescheiden, die u.a. den Boden bevölkern. Umgewandelte Nährstoffe gelangen durch Meeresströmungen wieder an die Oberfläche.

Wattenmeere

Als Wattenmeer wird eine besondere Küstenform bezeichnet. Die Küste ist sehr flach und stark den Gezeiten unterworfen: Zweimal täglich wird das grossflächige Areal überflutet, zweimal zieht sich das Wasser mit der Ebbe wieder zurück.

Wattenmeere kommen in der gemässigten Klimazone vor, das heisst zwischen rund 23 und 66 Grad nördlicher bzw. südlicher Breite. Das grösste Wattenmeer der Erde ist jenes in der Nordsee – das Meer reicht von der Küste der Niederlande über Deutschland bis nach Dänemark und misst ca. 9000 Quadratkilometer.

Charakteristisch für Wattenmeere ist ihr lockerer Boden aus Sand und Schlick. Von diesen Bedingungen profitieren zahlreiche Organismen. Verschiedene Algenarten leben im Watt, von welchen sich tierisches Plankton und wirbellose Tiere ernähren. Diese sind Nahrungsgrundlage für Würmer, Muscheln, Krebse, Garnelen und Fische. Sie wiederum werden von Vögeln und Seehunden verspeist. Als Lebensraum dient es zudem Wattvögeln, Enten und Gänsen. Eine wichtige Rolle nimmt das Watt auch als Raststätte für Zugvögel ein.

Mangrovenwälder

In den Tropen finden sich an Flachküsten keine Wattenmeere, sondern Mangrovenwälder. An über 60 Prozent der Tropenküsten wachsen die Bäume. Unter den Begriff Mangrove fallen über 50 verschiedene Baumarten, die sich an die Gezeitenzone und das Salzwasser angepasst haben. Das Sediment der Mangrovenwälder ist aufgrund des Geflechts aus Baumwurzeln standhafter als jenes der Wattenmeere. Das schützt vor Erosion, besonders bei tropischen Stürmen.

Um ihre Fortpflanzung zu sichern, entwickelten Mangroven schwimmfähige Jungpflanzen. Diese beginnen bereits am Baum aus den Früchten zu wachsen und entwickeln erste Wurzeln, bis sie ins Wasser fallen und sich danach am Boden festsetzen.

In den Wäldern sammeln sich viele Nährstoffe an, was Fische, Garnelen und Krebse anzieht. Die Tiere finden zudem Unterschlupf im Wurzelgeflecht, Wasservögel brüten auf den Bäumen, Affen erfreuen sich an den vielen Krabben. Mangrovenwälder sind wichtige Ökosysteme, die aber durch grossangelegte Garnelenzucht-Farmen, Reis- und Kokosnussplantagen oder Abholzung gefährdet sind.

Felsküsten

Nicht nur in flachen Küstenarealen leben viele Tiere, sondern auch an felsigen Standorten. Die Organismen müssen für schwierige Bedingungen gewappnet sein: Die Gezeiten setzen den Lebewesen auch hier zu; bei Ebbe besteht die Gefahr der Austrocknung. Ebenfalls müssen sie sich an die stürmischen Wellen anpassen. Einigen Muscheln, Schnecken, Seepocken und Krebsen ist das dennoch gelungen. Im unteren Bereich der Felsküsten finden sich artenreiche Algenwälder. Wie andere sessile (d.h. am gleichen Standort bleibende) Arten profitieren sie von den Strömungen, die ihnen Nährstoffe liefern.

 

 

Quellen und weitere Informationen:
Die vielen Gesichter der Küsten
Küstenformen

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