Die Geburtsstunde des Jetsetters – Tourismusgeschichte der Schweiz

Das Ideal der Schweizer Landschaft: Gletscher, Berge, Ruhe. Nur der Sonnenaufgang fehlt. Das Ideal der Schweizer Landschaft: Gletscher, Berge, Ruhe. Nur der Sonnenaufgang fehlt.

Tourismus, dieses Wort ist heutzutage in aller Munde. Doch das Phänomen des Reisens ist noch gar nicht so alt.

Wird der Begriff weit gefasst, könnten schon die Entdeckungs- und Handelsreisen, Wallfahrten und Pilgerreisen als eine erste Form des Tourismus gelten. Der Begriff gründet aber erst auf der Grand Tour, einer Bildungsreise der Adligen während des 17. und 18. Jahrhunderts, die dann meist nach Italien führte. Die schönen Landschaften und die Alpen zogen schliesslich auch immer mehr Reisende in die Schweiz. Doch dieses Vergnügen sollte vorerst einer europäischen Elite vorbehalten bleiben. Vor allem die adligen Engländer gehörten zu den Eroberern der Alpen. Doch das Ideal der Schweizer Gebirgslandschaft verbreitete sich schnell mittels Reiseberichten, Bildern und Gedichten. Es stellte sich allerdings schon damals die Frage, wie lange die Natur noch so „ideal“ bleiben würde, bei all den neuen Gästen.

Demokratisierung

In den 1830er Jahren wurde das Reisen – dank der Industrialisierung – für eine breitere Bevölkerungsschicht möglich. Fremde besuchten die Schweiz gerne, um Kur- und Heilbad-Aufenthalte zu geniessen. Die Städte an den grossen Schweizer Seen und die Alpen waren schon um diese Zeit sehr beliebt. Die Eisenbahn war ein wichtiger Anstoss für den Tourismus, sie vereinfachte das Vorankommen und machte den Fremdenverkehr attraktiver. In den 1860er und 70er Jahren kam es schliesslich zu einer Hotelbau-Welle. Diese Entwicklungen hatten natürlich auch ihren Einfluss auf die Umwelt. Bisher unberührte Gebiete wurden plötzlich für den Fremdenverkehr attraktiv.

Pauschalreisen

1863 entschied ein Engländer, namens Thomas Cook, eine geführte Reise in die Schweiz zu organisieren. Diese Reise mischte die Tourismusentwicklung im Alpenland gewaltig auf.  Die Tour wurde als „first conducted Tour of Switzerland“ bekannt. Der Reiseleiter und sechs Mitglieder des „Junior United Alpine Club“ brachen am 26. Juni 1863 auf. Eine der Mitreisenden, Jemima Morrell, schrieb während der gesamten Reise ein Tagebuch, durch das sie berühmt wurde.

Hochblüte

Die Tourismusgeschichte der Schweiz war geprägt von einer Auf- und Ab-Bewegung. 1871 blieben die Besucher beispielsweise wegen dem deutsch-französischen Krieg abrupt aus. Darauf folgte die goldene Zeit des Tourismus, die „Belle Époque“. Berühmte Persönlichkeiten verbrachten ihre Ferien in der Schweiz, die Hotels wurden immer luxuriöser und das Fremdenverkehrsgeschäft boomte. Die Schattenseite dieser goldenen Zeit geht allerdings oft vergessen: Krankheiten und Seuchen machten die Runde. Die Angestellten arbeiteten zu miesen Arbeitsbedingungen. Die soziale Kluft zwischen Reisenden und Einheimischen war riesig.

Fortschritt

Die Reiseinfrastruktur wurde währenddessen immer stärker ausgebaut. Man bohrte Löcher in die Berge für die Eisenbahn, konstruierte Bergbahnen und eroberte die Alpen Stück für Stück. Den Besuchern wurden neue Aktivitäten, wie Wandern, Bergsteigen und auch Wintersport geboten. Die Natur konnte mit Hilfe von neuen Liften und Zahnradbahnen bequem erlebt werden. Eine neue Entwicklung im Reisegeschäft folgte der nächsten, es schien kein Ende in Sicht.

Stillstand

1914 brach der erste Weltkrieg aus. In den darauf folgenden Jahren dachte niemand mehr an Ferien und Erholung. Bis 1950 hemmten zahlreiche Faktoren den Fortschritt im Fremdenverkehr. Neu fand aber der Wintersport bei den Besuchern Anklang. Nach diesem Rückschlag folgte der nächste Aufschwung. Das Auto und natürlich der Flugverkehr stellten einen Wendepunkt für die Tourismusbranche dar. Der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Reisedestinationen wurde grösser. Besucherinnen kamen jetzt auch aus Amerika oder Asien, die Schweizer selbst begannen, ihre Ferien in der Ferne zu verbringen. Die Massen, die in die Ferien strömten, wurden immer grösser. In der Schweiz wurde es zur Normalität, weit zu verreisen. Doch das war erst der Anfang des Massentourismus, die Branche wächst bis heute stetig weiter. Der Tourismussektor ist riesig und hat einen enormen – und überwiegend negativen - Einfluss auf die Umwelt. Wenn uns die attraktiven Reisedestinationen erhalten bleiben sollen, muss ein Wandel zum nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen stattfinden.


Quellen und weitere Informationen
Historisches Lexikon der Schweiz HLS: Tourismus

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