Digitalisierung im Verkehr: Wie verändert sie die Städte?

Digitalisierung mit Stadtlogistik kombinieren? Digitalisierung mit Stadtlogistik kombinieren?

Mobilität und Verkehr bestimmen unser Leben. Vielfältige Angebote ermöglichen zwar, den täglichen Anforderungen gerecht zu werden, wecken aber auch neue Bedürfnisse. Damit wachsen die Umweltbelastungen. Kann die Digitalisierung zu höherer Lebensqualität führen?

In der Digitalisierung sehen viele Zeitgenossen ein Allerweltsheilmittel zur Lösung (fast) aller aktuellen Probleme. Bestimmt erlaubt sie besonders in Verbindung mit der Robotik, viele Aufgaben und Produktionsprozesse effizienter und vielleicht sogar nachhaltiger zu gestalten. Sicher ermöglicht sie beispielsweise in der Kommunikation mit sehr hilfreichen und praktikablen Anwendungen, unsere Arbeit zu erleichtern, und ohne Zweifel wird ihre weitere Entwicklung für neue Herausforderungen Lösungen bieten können.
Trotzdem gilt es, sich ernsthaft mit bereits vorhandenen und möglichen künftigen Auswirkungen auseinanderzusetzen. Es wird sich erst zeigen, wie ein vernünftiger Einsatz in Kombination mit herkömmlichen Verfahren und Instrumenten zielführend sein wird und inwiefern sich die aktuelle Euphorie künftig einpendeln wird.

Diese Problematik nahm sich das 36. Zürcher Lifefair Forum vor, an dem Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Umweltorganisationen das Themenfeld aus ihrer Sicht beleuchteten.
Digitalisierung wird die Welt zweifellos verändern. Diese Eingriffe in die Abläufe des gesellschaftlichen Lebens gilt es aber proaktiv zu gestalten und sie nicht als gottgegeben und in ihren Folgen als unausweichlich zu verstehen.

Die Digitalisierung beeinflusst zwar die Abläufe, aber deren Durchführung kann nicht digitalisiert werden. So können beispielsweise über den Onlinehandel wahlweise Waren bestellt und ihre Auslieferung kurzfristig terminiert werden, zum Besteller transportiert werden müssen sie aber dennoch. Auch einfachste Pizzabestellungen über Hauslieferdienste führen zu Verkehrsbewegungen, die sich über negative Immissionen im Siedlungsraum auswirken. Damit beeinflusst der Onlinehandel den Verkehr und dessen Umweltbelastungen. Es darf die Frage gestellt werden, wohin diese Entwicklung noch führen wird oder ob es vielleicht angebracht wäre, diese bequeme Lebensart zu hinterfragen.
Ist es denn wirklich notwendig, dass wir alles und unmittelbar verfügbar haben müssen? Macht es Sinn, der durch diese Angebote geschaffenen Nachfrage zu entsprechen und die geweckten Bedürfnisse unmittelbar zu befriedigen? Als Folge davon steigen die Belastungen unseres Lebensraums unnötigerweise an.

Das Volumen der Paketpost hat denn auch in den letzten Jahren massiv zugenommen. Während beispielsweise 2015 aus Asien 6 Millionen Pakete in die Schweiz gelangten, waren es 2018 bereits über 23 Millionen.
Wo früher die Post einmal im Tag Pakete auslieferte, wird dies heute von mehreren Paketdiensten übernommen und führt damit naturgemäss zu einer  -an sich unnötigen- weiteren Umweltbelastung in den Siedlungen.

Damit erweist sich die als Folge neoliberaler Politik erzwungene Teilprivatisierung der Paketpost möglicherweise als wirtschaftlich wünschenswert, ökologisch ist sie es mit Sicherheit aber nicht.
Die mittlerweile erkennbaren Auswirkungen sind durchaus negativ und in keiner Weise nachhaltig. Einerseits verursachen die Paketzustellungen  -insbesondere wenn verschiedene Anbieter zum Einsatz kommen-  zahlreiche emissionsbelastete Transporte und andererseits ist auch in diesem Zusammenhang in den Innenstädten ein grassierendes Ladensterben von Detailhandelsbetrieben nachgewiesen.

Damit verändert sich die Struktur von Innenstädten. Zusammen mit den alltäglichen Verkehrsüberlastungen und zunehmenden Staustunden stellt sich die Frage, wie sich der Einsatz der Digitalisierung auf die städtische Infrastruktur und die Stadtentwicklung generell auszuwirken vermag. Kann der Verkehr mit seinen negativen Folgen (Energie, Lärm, Luft, Raumbedarf) durch Digitalisierung reduziert werden? Kann Digitalisierung verhindern, dass Läden leer stehen ?

Einigkeit besteht darin, dass  -auch im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung des motorisierten privaten Verkehrs-  die Zulieferdienste für den Detailhandel ebenfalls umweltgerecht zu erfolgen haben. Dazu könnten beispielsweise am Stadtrand gelegene Verteilzentren dienen, von denen aus mit umweltverträglichen Kleinfahrzeugen die Detailhandelsgeschäfte in der Innenstadt bedient würden.

Abgesehen von der Frage der praktischen Durchführbarkeit beispielsweise der Lieferung grosser Paletten von Grossverteilern in ihre Filialen wären wir damit aber auch wieder mit der Forderung konfrontiert, Postpakete in die Siedlungen gebündelt durch einen einzigen Lieferanten transportieren und verteilen zu lassen!

 

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Kommentare (1) anzeigenausblenden 

0 #Sebastian Jaquiéry2019-11-05 20:30
Interessante, durchaus plausible Thesen. Gibt es dazu Daten? Denn es gibt auch gegentrends: videostreaming oder 3D-Druck anstatt Versandhandel. Auslieferung per elektrischer Drohne anstatt per Diesellaster. Telearbeit vom Land anstatt Pendeln in die Stadt. Was überwiegt unter dem Strich?
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