Ökotourismus – Ökologie vor Ökonomie!

Farbenfrohe Flora & Fauna lockt die Touris in Scharen an! Farbenfrohe Flora & Fauna lockt die Touris in Scharen an!

Ökotouristen in indigenen Gebieten: Das oberste Gebot muss die Wahrung der Menschenrechte bleiben.

Den meisten ist klar, dass mit der Abkürzung „Öko“ die Ökologie gemeint ist. Dabei wäre der Schluss zur Ökonomie genauso naheliegend. Die beiden Wörter stammen vom griechischen „oikos“ für Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft. Die zwei Begriffe haben zwar den gleichen Wortstamm, doch sie beschäftigen sich mit ganz unterschiedlichen Bereichen: Umwelt versus Profit. Diese zwei Fronten stehen sich auch im Ökotourismus gegenüber. Genau diese Reiseform ist diese Woche Thema unserer Artikelserie „Sanfter Tourismus“.

Ökotourismus

Die Eingrenzung des Wortes Ökotourismus erweist sich als keine einfache Aufgabe. Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff eine Reise in „naturnahe“ bzw. geschützte Regionen. Gleichzeitig steht Ökotourismus auch für umweltverträgliches Reisen, die Bezeichnung wird synonym zu sanftem Tourismus verwendet. Der undifferenzierte Sammelbegriff sorgt für Missverständnisse. Bewohnerinnen von touristisch attraktiven Gebieten haben Ökotourismus schon mit verstärkter ökonomischer Wertschätzung verwechselt.
Das Jahr 2002 wurde von der Welttourismusorganisation UNWTO als „Internationales Jahr des Ökotourismus“ begangen. In diesem Zusammenhang veröffentlichte die UNWTO eine Begriffsdefinition.  

UNWTO Definition Ökotourismus
- Naturnahe Tourismusformen, deren Hauptmotiv der Besuch von Naturgebieten und einhergehenden traditionellen Kulturen ist,
- enthält Bildungselemente,
- wird im Allgemeinen für kleine Gruppen organisiert, Partner sind in der Regel kleine, lokale Unternehmen,
- minimiert die negativen Auswirkungen auf sozialer Ebene und die Umwelt,
- unterstützt die Erhaltung von Naturräumen (Wirtschaftliche Vorteile, Arbeitsplätze, Sensibilisierung von Touristinnen und Einheimischen).

Diese Definition lässt noch immer viel Interpretationsspielraum. Am Sammelbegriff Ökotourismus kam bereits kurz nach der Jahrtausendwende Kritik auf. Einerseits weil die Definition schwer fassbar sei und dementsprechend zu Missbräuchen führen könne. Mehrere Hundert Ökotourismus-Zertifikate sind in Umlauf, doch nicht alle sind vertrauenswürdig. Die Anbieter von Ökotourismus sind an keine verbindlichen Richtlinien gebunden. Ein weiterer Kritikpunkt kristallisiert sich im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen. Ökotourismus findet oftmals in abgelegenen Gebieten statt. So entsteht eine Missverhältnis zwischen den Bedürfnissen der Tourismus-Stakeholder und der Bewohnerinnen dieser Gebiete.

EETLS
Der europäische Ökotourismus-Label-Standard EETLS ist ein wegweisendes Mittel zur Auszeichnung von umweltverträglichem Ökotourismus. Die aktuellste Version stammt aus dem Jahr 2012 und wurde vom Global Sustainable Tourism Council GSTC anerkannt. Der EETLS setzt sich aus 40 Kriterien in den folgenden Eckpfeilern zusammen:
A: Effektives Nachhaltigkeitsmanagement demonstrieren
B: Lokale Bevölkerung - Soziale und ökonomische Vorteile maximieren und negative Auswirkungen reduzieren
C: Kulturelles Erbe – Vorteile maximieren, negative Auswirkungen minimieren
D: Umwelt - Schutzbemühungen maximieren, Umweltschäden minimieren

Entwicklungspolitik

Unberührte Naturlandschaften werden als Reisedestination immer beliebter. Hierbei handelt es sich teilweise auch um Lebensräume indigener Bevölkerungsgruppen. Die exotischen Kulturen und Traditionen sind ein weiterer Attraktivitätsfaktor für die Reisenden. In der Entwicklungszusammenarbeit sieht man im Ökotourismus ein grosses Potenzial: Diese Reiseform ist ein Werkzeug zur Förderung der Regionalentwicklung und zum Schutz von Naturgebieten. Mit den Reisenden kommt auch Wertschöpfung in eine Region. Doch neben den Chancen eröffnen sich auch Gefahren. Den Stimmen der indigenen Bevölkerung wird oftmals nur wenig Gehör geschenkt. Umsiedlungen und Vertreibungen schneiden drastisch in das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner ein. Leider besitzen indigene Bevölkerungsgruppen nur selten Land- oder Nutzungsrechte, dementsprechend schwierig ist es, sich gegen die Vorhaben von Tourismusakteuren zu verteidigen. Die Entstehung eines Gebietes für Ökotourismus muss unbedingt in Einklang mit allen Parteien geschehen. Die Bevölkerung vor Ort hat ein Recht darauf, ihre Bedürfnisse zu verteidigen –  und das nicht nur in den Städten, sondern eben auch in abgelegenen Naturschutzgebieten.

Ökoideal

Das Ziel von Ökotourismus sollte darin bestehen, Naturreservate aufrechtzuerhalten. In seiner Idealform würden Ökoreiseveranstalter umweltverträglichen Tourismus anbieten. Gleichzeitig kann der Ökotourismus zu wirtschaftlichen Vorteilen für die lokale Bevölkerung führen. Hier gilt es als Touristin ein Auge darauf zu halten, ob das Motiv des Umweltschutzes zu Gunsten des ökonomischen Gewinnes in den Hintergrund rückt. Natur und Kultur: Diese Allgemeingüter bereiten die Tourismusakteure für die Reisenden auf, um Geld damit zu verdienen. Der Profit fliesst dann aber oft in ausländische Taschen, weil die Infrastruktur, das Know-How sowie die Investitionen zum grössten Teil von grösseren Firmen zur Verfügung gestellt werden. Ökotourismus ist also nur dann wünschenswert, wenn die Bevölkerung davon profitieren kann und damit einverstanden ist. Diese Grundsätze müssen unbedingt genauestens geregelt werden, um die Rechte von Minderheiten schützen zu können.

Quellen und weitere Informationen:
ecotourism-network.eu: Ecotourism Standard
Diplomarbeit Astrid Österreicher: Ökotourismus und Indigene Rechte am Beispiel des Nationalparks „Parc Amazonien de la Guyane“, Französisch-Guyana
Welttourismusorganisation UNWTO: Ecotourism and protected areas
Bundesamt für Naturschutz: Ökologischer Tourismus

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