Immer mehr, mehr, mehr – dieser Lebensstil wird uns nun zum Verhängnis Immer mehr, mehr, mehr – dieser Lebensstil wird uns nun zum Verhängnis

Die menschlichen Einflüsse auf die Erde sind enorm. Die Reaktion von Klima und Umwelt zeigen sich in jüngsten Ereignissen. Die stetige Zunahme der Weltbevölkerung schafft dem Problem keine Abhilfe. Das Bevölkerungswachstum ist allerdings ein heikles Thema, das uns vor Dilemmas stellt.

Im Zusammenhang mit dem anthropogenen Klimawandel - und Umweltproblemen überhaupt - fällt früher oder später der Begriff der „Überbevölkerung“. Mehr Menschen bedeuten auch mehr Treibhausgase, mehr Konsum und wiederum mehr Einflussnahme auf den Planeten. Das Bevölkerungswachstum in den Griff zu kriegen, wäre eine sehr effiziente Klimaschutzmassnahme und würde eine zentrale Problematik an der Wurzel packen. Leider ist das leicht Dahergesagte nur sehr schwer umsetzbar.

Schweizer Wachstum

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Schweizer Bevölkerung verdoppelt! Waren wir 1900 noch 3.3 Millionen, so sind es 2017 bereits 8.5 Millionen in der Schweiz Lebende. Bis Ende der 70er Jahre liess sich das Wachstum auf den Geburtenüberschuss (Geburten - Todesfälle) zurückführen. Dann sank die Geburtenrate aber und der Wanderungssaldo (Einwanderung - Auswanderung) wurde zum bedeutendsten Faktor der Bevölkerungszunahme in der Schweiz. Im internationalen Vergleich können wir in unserem Fall dennoch nicht unbedingt von einer Bevölkerungsexplosion sprechen. In anderen Ländern - vor allem in ärmeren Regionen - nahm die Wachstumsrate noch grössere Ausmasse an.

Internationale Überbevölkerung

Laut Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) leben in genau diesem Moment (03.02.2020 um 09:28) 7.762.415.201 Menschen auf der Erde. 1950 waren wir erst 2.5 Milliarden Menschen, in dreissig Jahren werden wir nach UN-Prognosen 9.7 Milliarden sein. Diese Zahlen sind absurd hoch und somit schwer nachvollziehbar. Auf der Webseite overpopulation.world werden unser Bevölkerungswachstum und die damit verbundenen Entwicklungen mit Animationen sehr eindrücklich veranschaulicht.

Unheimlicher Ansatz

Mit der Bedrohung der Überbevölkerung im Hinterkopf sind unterschiedliche Ansätze als potentielle Lösungen entstanden. Ein Beispiel hierfür ist die umstrittene Ein-Kind-Politik, die in China während sechsunddreissig Jahren Umsetzung fand. Mittels verschiedener staatlicher Massnahmen wurde dabei die Familie mit nur einem Kind gefördert. Damit verbunden war auch die Geburtenkontrolle, die in heikle Bereiche einschnitt. Die Geburt von „illegalen Kindern“ wurde mit Sanktionen bestraft. Diese reichten vom Arbeitsplatzverlust über Benachteiligungen in der Gesundheitsversorgung bis zu Zwangsabtreibungen oder Zwangssterilisationen. Diese Politik hatte massive Auswirkungen auf den Alltag von Chinesinnen und Chinesen und wird noch lange nach ihrem Ende Folgen haben. Das Land hat nun beispielsweise mit einem Männerüberschuss und einer gealterten Gesellschaft ohne ausreichend junge Arbeitskräfte zu kämpfen. Die 2016 eingeführte Zwei-Kind-Politik hat diese Restriktionen zwar gelockert aber nicht beseitigt.

Anderer Ansatz

Mit der Anstrengung zur wirtschaftlichen Gerechtigkeit wird sich das Bevölkerungswachstum voraussichtlich auf natürliche Weise einpendeln. In der Geschichte der westlichen Länder haben sich vier aufeinanderfolgende Phasen einer demographischen Transition gezeigt:

1. Phase: Geburten- und Todesrate sind beide sehr hoch, weil viele Kinder geboren werden, aber nur wenige das Erwachsenenalter erreichen. Es gibt keine Bevölkerungszunahme.
2. Phase: Eine Verbesserung des Lebensstandards und der Gesundheit führt zu einer Abnahme der Todeszahlen. Die Bevölkerung nimmt auf natürliche Weise zu.
3. Phase: Die Familien gewöhnen sich an die neuen Verhältnisse und gebären weniger Kinder. Jetzt sinkt auch die Geburtenrate und die Bevölkerungszunahme verlangsamt sich.
4. Phase: Die demographische Veränderung pendelt sich ein und stabilisiert sich. Geburts- und Todesrate sind nun beide relativ tief. Im Zusammenhang mit dieser Phase stehen eine florierende Wirtschaft, ein vertrauenswürdiges Gesundheitssystem, die Emanzipation der Frau und ein vielversprechender Arbeitsmarkt.

Die vier Phasen der demographischen Transition zeigen, dass Entwicklung – und hier insbesondere die Gleichstellung der Frauen – die Überbevölkerung stoppen kann. Der Fokus liegt dabei auf drei konkreten Massnahmen:

  •          Das Gesundheitssystem verbessern und damit die Kindersterblichkeit senken
  •          Bildung als wirksamstes Verhütungsmittel einsetzen
  •          Sichere Arbeitsplätze schaffen, damit Kinder nicht mehr als Altersvorsorge eingeplant werden müssen

Stopp

Abschliessend können wir festhalten, dass sich in der Thematik der Überbevölkerung einmal mehr zeigt, wie eng die ökologischen Problemlagen mit jenen der Verteilungsgerechtigkeit verquickt sind. Für einen einzigen Planeten sind wir sehr viele Menschen, insbesondere wenn alle nach dem schweizerischen Lebensstil leben würden. Diese Herausforderung muss mit dem richtigen Ansatz angegangen werden, denn das Problem wird sich nicht von selbst in Luft auflösen. Auch wenn ein Stopp des rasanten Bevölkerungswachstums eine wirkungsvolle Umweltschutzmassnahme wäre, können andere Lösungsvorschläge - dank der besseren Umsetzbarkeit - ergiebiger sein.

Quellen und weitere Informationen:
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung DSW
Quarks: Wie die Überbevölkerung gebremst werden könnte
Bundesamt für Statistik: Bevölkerung Panorama 2019
SRF: Chinas Einkindpolitik
Birthstrikeforfuture: Webseite

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