Endloser Kampf gegen Hunger und Armut

Die Kluft zwischen arm und reich vergrössert sich Die Kluft zwischen arm und reich vergrössert sich

Die Hoffnung der Menschen weltweit war gross, als sich die Vereinten Nationen zur Erreichung globaler Probleme zusammenschlossen. Doch heute sehen die Prognosen düster aus.

Im Jahr 2015 einigten sich die Vereinten Nationen auf einen konkreten Aktionsplan für Mensch und Umwelt: Bis 2030 sollen 17 Nachhaltige Entwicklungsziele (SDG) der UN erreicht sein. Im zweiten Beitrag der unserer Artikelserie werfen wir einen Blick auf die ersten drei Sustainable Development Goals.


SDG 1: Keine Armut

Die offizielle Zielsetzung des ersten Nachhaltigen Entwicklungsziels lautet: „Armut in all ihren Formen und überall beenden“. Es zielt darauf ab, jede Form von extremer Armut — d.h. „ein Zustand, der durch einen schwerwiegenden Mangel an menschlichen Grundbedürfnissen gekennzeichnet ist, einschliesslich Nahrung, sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen, Gesundheit, Unterkunft, Bildung und Information“ — bis 2030 zu eliminieren. Eng mit diesem Ziel verbunden sind deshalb weitere der Entwicklungsziele: Die Beseitigung von Nahrungsmangel (SDG 2), die Gewährleistung von sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen (SDG 6), sowie die Bildung für alle (SDG 4). Das SDG 1 teilt sich in fünf Unterziele. Darunter fallen die Beseitigung der extremen Armut, die Reduzierung der gesamten Armut um die Hälfte, die Umsetzung von Sozialschutzsystemen, die Sicherstellung gleicher Rechte auf Eigentum, Grundversorgung, Technologie und wirtschaftliche Ressourcen, sowie der Aufbau von Widerstandsfähigkeit gegenüber ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen.

Trotz der anhaltenden Bemühungen leben heute immer noch über 720 Millionen Menschen — das entspricht etwa 9% der Weltbevölkerung — in extremer Armut. Sie müssen mit einer Kaufkraft von weniger als 1,90 USD pro Tag auskommen. Die Armut ist das erste Mal seit 20 Jahren in einem Aufwärtstrend. Laut Schätzungen der Weltbank ist die Anzahl Menschen in extremer Armut allein im letzten Jahr um 88 bis 115 Millionen Menschen angestiegen — nicht zuletzt wegen der COVID-19-Pandemie, die weltweit einen wirtschaftliche Stagnation mit sich brachte. Extreme Armut ist nach wie vor in Ländern mit sehr niedrigem Einkommen weit verbreitet, insbesondere in Ländern, die von Konflikten und politischen Turbulenzen betroffen sind. So lebt mehr als die Hälfte (fast 68%) der Menschen in extremer Armut in Afrika südlich der Sahara. Am stärksten trifft es zudem Frauen und Kinder.

Dazu kommen die Folgen des Klimawandels: Neue Forschungsstudien schätzen, dass der Klimawandel bis ins Jahr 2030 zusätzlich rund 68 bis 132 Millionen Menschen in die Armut treiben wird. Er ist eine besonders akute Bedrohung für Länder in Afrika südlich der Sahara und in Südasien — beides Regionen, die extremen Wetterbedingungen ausgesetzt sind.
Während die Mehrheit verarmt, werden die Reichen indessen reicher: Dabei sinkt zwar die Ungleichheit des Einkommens zwischen den Ländern langsam, doch die Ungleichheit in den einzelnen Ländern steigt immer weiter an.


SDG 2: Den Hunger beenden

Das zweite Nachhaltige Entwicklungsziel sieht vor, „den Hunger zu beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung zu erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern“. SDG 2 nimmt sich den komplexen Zusammenhänge zwischen Armut, Ernährungssicherheit, ländlicher Transformation und nachhaltiger Landwirtschaft an.

Wie auch schon beim ersten Ziel sehen die Prognosen düster aus: Weltweit hatten im Jahr 2019 schätzungsweise 688 Millionen Menschen — 8,9% der Weltbevölkerung — nicht genug zu essen. Neuere Forschungen schätzen, dass im letzten Jahr wegen der Corona-Pandemie weitere 83 bis 132 Millionen Menschen zusätzlich dem chronischen Hunger anheim fielen. Auch hier ist momentan eine Verschlimmerung zu beobachten: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass im Jahr 2030 über 840 Millionen Menschen an Hunger leiden werden, wobei diese Schätzung die längerfristigen Folgen der COVID-19-Pandemie noch nicht berücksichtigt. Am stärksten betroffen sind wieder Menschen in Afrika südlich der Sahara. Fast 20 Millionen Menschen in Südsudan, Somalia, Yemen und Nigeria, droht täglich der Hungertod.

Am anderen Ende des Spektrums steigt in Industrienationen das Problem der Überernährung. Laut der WHO sind Kinder wie Erwachsene gleichermassen davon betroffen — sie katapultieren sich wegen ungesunder Ernährung ins Übergewicht und gleichzeitig in die Mangelernährung.

Mit steigender Armut steigt auch der Hunger. Dazu erschwert der Klimawandel, der extreme Wetterbedingungen wie Überflutungen und Dürren verursacht und damit die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln beeinträchtigt, die zureichende Versorgung der weiterhin wachsenden Weltbevölkerung.


SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

Mit dem Anstieg der Armut und des Hungers droht auch die Umsetzung des dritten Entwicklungsziels zur Förderung eines „gesunden Lebens für alle Menschen jeden Alters“ zu scheitern. Das SDG 3 deckt unterschiedliche Aspekte eines gesunden Lebens ab. Die Reduktion der Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern und die Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten sind davon ebenso umfasst wie die Förderung der psychischen Gesundheit, Vorbeugung und Behandlung von Drogenmissbrauch, Familienplanung oder die Reduktion von Krankheiten und Todesfällen durch Umweltverschmutzung.
An all diesen Aspekten wird wieder die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich sichtbar: Rund 400 Millionen Menschen haben noch immer keinen Zugang zu einer grundlegenden Gesundheitsversorgung, davon sind auch hier wieder die Meisten in Afrika beheimatet.

Daneben übt auch die Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden einen wachsenden Druck auf die Gesundheit der Menschen aus. Unzureichende Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung führten im Jahr 2016 zu insgesamt 870’000 Todesfällen weltweit. Vorerst sind davon wieder hauptsächlich die ärmeren Länder betroffen; der übermässige Einsatz von Dünger und Pestiziden oder die Verschmutzung durch Industrie- und Plastikabfälle stellt aber eine Gefahr für Gewässer auf der ganzen Welt dar. Gleichermassen betroffen sind alle Menschen auch von der Luftverschmutzung, welche zu Erkrankungen der Atemwege und zu Herz-Kreislauf-Problemen führt. Die Abgase, die durch Verkehr, Industrie, Stromerzeugung und Abfallverbrennung entstehen, führten 2016 weltweit zu etwa 4,2 Millionen Todesfällen.


Trotz verstärkter Bemühungen wir uns vorerst von den Zielen der ersten drei SDGs noch immer weiter zu entfernen. Spiegelt sich darin die Tragödie der Allmende: Wenn alle dafür verantwortlich sind, ist keiner verantwortlich? Zumindest dagegen — so wissen wir seit Elinor Ostrom — liesse sich auf erfolgsversprechende Modelle zurückgreifen.

 

Quellen und weitere Informationen:
UN: SDG 1
Worldbank: Poverty
World Poverty
inequality.org: Income inequality
UN: SDG 2
WHO: World hunger is still not going down
FAO: Hunger
UN: SDG 3
WHO: Global Health Coverage
Elinor Ostrom

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