Auch Waldbrände überwintern — und sie tun es immer häufiger

Auch Waldbrände überwintern — und sie tun es immer häufiger

Bestimmte Waldfeuer können selbst dem Schnee und Regen des Winters trotzen. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Art von „Zombie-Bränden“ in den nördlichen Breitengraden immer häufiger auftreten.

In den borealen Wäldern in den nördlichsten Gegenden der Erde, wo sich die Temperaturen zurzeit schneller erwärmen als überall sonst auf der Welt, überleben einige Waldbrände den Winterschnee und flammen im Frühjahr wieder auf. Diese „Zombie-Feuer“ oder „überwinternde Waldbrände“ — die den Schnee und Regen des Winters überleben können — werden aufgrund des Klimawandels immer häufiger auftreten. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus den Niederlanden und Alaska, die ihre Befunde im Mai im Wissenschaftsjournal Nature veröffentlichten.


Unsterbliche „Zombie-Feuer“

Bei diesen „Zombie-Feuern“ handelt es sich um sogenannte Schwelbrände, die trotz geringer Sauerstoffzufuhr bei niedriger Verbrennungstemperatur weiterbrennen. Man spricht dabei von schwelen, glimmen oder kokeln. Das Feuer, welches zunächst oberirdisch beginnt, schwelt im Energiesparmodus im Boden oder unter Baumwurzeln den Winter hindurch weiter. Sobald die Bedingungen günstiger sind, gehen sie wieder in flammende Brände über.

Laut der Studie sind die borealen Wälder in Alaska und den kanadischen Nordwest-Territorien besonders anfällig für überwinternde Brände, da sich die Feuer dort tief in die organische Bodenschicht einbrennen können. Die Forscher entwickelten nun einen Algorithmus, der die überwinternden Brände anhand ihrer einzigartigen Merkmale identifizieren kann. Sie entstehen in der Regel in der Nähe des ursprünglichen Feuers und flammen im Vergleich zu anderen Waldbränden, die bspw. durch Blitzeinschlag oder Menschen verursacht werden, schon früher im Jahr auf. Begünstigt werden die überwinternden Schwelbrände durch besonders heisse und tief brennende Waldfeuer. Die Menge an Regen oder Schnee scheint laut der Studie hingegen unbedeutend zu sein.


Borealer Wald
Der Boreale Wald — auch Borealer Nadelwald oder Taiga genannt — ist die nördlichste Waldform der Erde und erstreckt sich von Alaska über Kanada und Skandinavien bis nach Sibirien. Der Begriff „boreal“ leitet sich vom Griechischen Gott des Nordwindes Boreas ab. Die Bezeichnung Taiga, was in russisch so viel wie „dichter, undurchdringlicher Wald“ bedeutet, macht dem Borealen Wald alle Ehre, denn grosse Teile sind schwer erreichbar und noch unerschlossen. Die borealen Wälder Russlands und Kanadas sind die grössten noch verbliebenen Urwälder der Erde. Boreale Wälder machen mehr als ein Drittel der weltweiten Waldfläche aus. Im nördlichen Teil der Borealen Wälder ist der Boden das ganze Jahr über gefroren — sogenannter Permafrostboden — und taut im Sommer nur oberflächlich auf. Schwer zersetzbare Nadeln von Lärchen bilden eine beständige Streuschicht auf dem Waldgrund und auch der Mineralboden der immergrünen Taigawälder ist durch eine dicke Humusschicht bedeckt, deren Zersetzungsprozesse durch die klimatischen Bedingungen nur langsam ablaufen. Erst regelmässige Feuer setzen Nährstoffe wieder frei und lassen Pflanzensamen bis zur Erde durchdringen. Erst die durch Blitzeinschläge periodisch auftretenden Feuer legen die Mineralböden frei, sodass die Samen der Bäume Kontakt zum Boden finden. Gleichzeitig werden die von der organischen Masse gespeicherten Nährstoffe durch die Verbrennung freigesetzt. Waldbrände sind deshalb ein natürlicher und wichtiger Bestandteil der borealen Ökosysteme. In jüngster Zeit mehren sich aber die Feuer in ungesundem Ausmass, ausgelöst durch aussergewöhnliche Trockenperioden wegen des Klimawandels. 


Invasion der „Zombie-Feuer“ wird immer wahrscheinlicher

Zwischen 2002 und 2018 waren im Schnitt rund 1 Prozent der Brände in Alaska und Kanada’s Nordwest-Territorien durch überwinternde Feuer verursacht worden — ein relativ kleiner Anteil. In einzelnen Jahren jedoch, die auf besonders schwere Feuersaisons folgten,  eskalierte diese Zahl. Im Jahr 2008 beispielsweise machten überwinternde Brände in Alaska rund 38 Prozent aller verbrannten Flächen aus.

Da der Klimawandel die Wälder austrocknet und immer heftigere Sommerbrände hervorruft, werden diese Zombie-Brände wahrscheinlich immer häufiger werden, so die Wissenschaftler.


Der Permafrost ist gefährdet

Die Ergebnisse unterstreichen die Verwundbarkeit des borealen Torfs, der den darunter liegenden Permafrost schützt und grosse Mengen an gebundenem Kohlenstoff enthält.
Vermehrte Waldbrände in der Region drohen, eine grosse Menge an Treibhausgasen in die Atmosphäre zu entlassen. Dies wiederum kurbelt den Klimawandel an — ein unaufhaltsamer Teufelskreis.


Quellen und weitere Informationen: 
Scholten et al. (2021): Overwintering fires in boreal forests
NASA: Overwintering fires on the rise

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