Sonnen- und Windenergie – Die Schweiz bleibt Schlusslicht

15 Mai 2013

In der Schweiz soll in den nächsten Jahren rund die Atomenergie durch alternative Stromquellen ersetzt werden. Der Prozess geht jedoch schleppend voran: im europaweiten Vergleich der Stromproduktion aus Photovoltaik und Windkraft liegt die Schweiz – wie letztes Jahr – auf dem letzten Platz.

Lange galt die Schweiz in Umweltfragend als eine der führenden Nationen. Inzwischen wurde sie –zumindest im Bereich Energie – jedoch längst von anderen Ländern abgehängt: Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung der Schweizerischen Energie-Stiftung SES. Bereits zum zweiten Mal hat der Verband untersucht, wie die Schweiz bei der Produktion von Strom aus Windkraft und Photovoltaik im europaweiten Vergleich abschneidet. Die Ergebnisse sind ernüchternd: wie im Jahr 2011 lag die Schweiz auch 2012 weit hinter ihren Nachbarländern! Die Spitzenreiter in der Anzahl gewonnener Kilowattstunden aus Photovoltaik und Windkraft pro Einwohner sind Deutschland, Belgien und Italien. Deutschland produziert mittlerweile rund fünfzehn Mal mehr Energie aus diesen beiden erneuerbaren Stromquellen als die Schweiz, wobei der Vorsprung immer grösser wird. Neben Deutschland sind uns auch Länder mit sehr ähnlichen Umweltbedingungen weit voraus. Österreich oder Tschechien, die wie die Schweiz keinen Zugang zum Meer (und damit zu Küstenwinden haben), produzieren z.B. weit mehr Energie aus Wind- und Sonnenkraft als wir. Selbst das kleine Luxemburg ist uns trotz ähnlicher Bevölkerungsdichte überlegen (vgl. SES Infografik).

Rund 22‘000 Projekte sind heute auf der KEV-Warteliste blockiert. Ihr Produktionspotenzial beträgt 2,2 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr, was knapp der Jahresproduktion des AKW Mühleberg entspricht.

Der Grund für den Rückstand der Schweiz dürfte hauptsächlich in der Politik des Bundes liegen. Der Vollzug des Fördermittels KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung) begrenzt die Förderung von Strom aus Sonnen- und Windkraft in der Schweiz erheblich. Während die Zahl der Gesuche sehr hoch ist, gehen die Subventionen nur an einige wenige Projekte. In den letzten Jahren war das Kontingent an KEV-Geld, das für die Photovoltaik und für Windkraft zur Verfügung steht, sehr schnell ausgeschöpft. So warten heute unzählige Projekte auf ihre Umsetzung: Rund 21‘500 Solar- und 350 Windkraftprojekte sind auf der KEV-Warteliste blockiert. Ihr Produktionspotenzial beträgt 2,2 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr, was knapp der Jahresproduktion des AKW Mühleberg entspricht. Ausserdem werden  KEV-Gelder oft Projekten zugewiesen, die z.B. aus naturrechtlichen Gründen blockiert sind, anstatt problemlos realisierbare Photovoltaik- und Windprojekten zu unterstützen. Auf diese Weise wird das Subventions-Geld gar nicht erst ausgegeben. Würden die wartenden Projekte alle umgesetzt, könnte die Schweiz rund fünfmal mehr Energie aus Wind- und Sonnenkraft produzieren als aktuell. Damit läge sie auf dem Europa-Ranking statt auf dem letzten auf dem vierten Platz – gleichauf mit Österreich!

Um den blockierten Projekten den Weg frei zu räumen, will der Bund die KEV nun revidieren. Die parlamentarische Initiative Freigabe der Investitionen in erneuerbare Energien ohne Bestrafung der Grossverbraucher sieht vor, die KEV-Zuschläge für erneuerbare Energien ab 2014 zu erhöhen. Durch die dadurch entstehenden Subventionsgelder sollen die Wartelisten abgebaut werden. Nach dem Nationalrat hat im April auch die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) der Vorlage zugestimmt. In der Sommersession 2013 wird schliesslich im Ständerat darüber entschieden.

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