Doppeltes Risiko: das AKW Beznau

Drei Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima haben rund 100 Greenpeace-Aktivisten das Gelände des Atomkraftwerks Beznau in Döttingen (AG) gestürmt und die sofortige Stilllegung gefordert. Grund: Laut einer neuen Studie von Greenpeace und der Schweizerischen Energiestiftung (SES) stellt der Alt-Reaktor ein relevantes Sicherheitsrisiko dar. Zusätzlich wirft die Aktion Fragen zur Sicherheit des AKWs gegenüber Terrorangriffen auf.

Das AKW Beznau ist nun seit 45 Jahren in Betrieb, obwohl Atomkraftwerke ursprünglich für eine Laufzeit von ca. 30 Jahren gebaut wurden. Um auf das  Gefahrenpotential des uralten Reaktors aufmerksam zu machen, brachen kürzlich rund 100 Greenpeace-Aktivisten mittels Leitern und der Durchschneidung von Stacheldrahtzäunen in das Gelände ein. Dort erkletterten sie den Turm und montierten Transparente mit dem Schriftzug „The End“ – ihr Ziel ist die sofortige Abschaltung des Atomreaktors. Die Aktivisten verharrten bis am Abend auf dem Areal.  

„Die Reaktordruckbehälterdeckel bestehen aus dem Stahl Alloy 600. Dieser Werkstoff hat,
wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hat, erhebliche Schwächen. Er ist insbesondere
anfällig für Spannungsrisskorrosion und neigt deshalb zu spontanen Lecks oder
Brüchen.“
Dipl. Ing  Dieter Majer

Wie eine im Namen der Schweizerischen Energiestiftung (SES) und Greenpeace publizierte Studie zeigt,  sind die Forderungen der Aktivisten keineswegs übertrieben. Das AKW Beznau ist weltweit das älteste, das sich noch in Betrieb befindet. Schweizer Atomkraftwerke haben eine unbefristete Betriebsbewilligung und laufen gemäss Gesetz «so lange sie sicher sind». Was genau «sicher» heisst, wird durch die Atomaufsichtsbehörde ENSI definiert. Wie der Studienautor Dieter Majer betont, weist das AKW Beznau nachweisliche Sicherheitsmängel auf und stellt ein ernstzunehmendes Risiko für die Bevölkerung und die Umwelt dar. Ähnliches gilt auch für das AKW Mühleberg.  

Für die Sicherheit sind tausende unterschiedliche Bauteile verantwortlich. Deren Altersschwächen immer genau abzuschätzen, sei nahezu unmöglich. Oft würden Fehler und Mängel erst nach einem Schadensereignis entdeckt. Die Robustheit bei einer Katastrophe wie einem Erdbeben könne zudem nicht getestet werden, sondern beruhe auf vager theoretischer Betrachtung. Gemäss Majer bestehen insbesondere Risiken durch Korrosion einzelner Bauelemente. Viele davon können gar nicht ersetzt werden, so zum Beispiel auch der Reaktordruckbehälter – das Herzstück des AKW.  

„Die Systeme zur Brennelementlagerbeckenkühlung sind gegen keinerlei Erdbeben- und Überflutungsgefahr geschützt. Bei Ausfall der betrieblichen Beckenkühlung stehen keine Sicher-heitssysteme zur Beckenkühlung zur Verfügung.“
Dipl. Ing. Dieter Majer

Wie die Greenpeace Aktion gezeigt hat, muss nebst der Sicherheit des alternden Reaktors auch der Schutz vor Terrorangriffen angezweifelt werden. Immerhin gelang es selbst „harmlosen“ Aktivisten problemlos auf das Areal vorzudringen. Die AKW-Betreiberin Axpo dementiert diesbezügliche Vorwürfe: Die Alarmanlage habe einwandfrei funktioniert und  wie geplant ein Aufgebot der Kantonspolizei ausgelöst. Zahlreiche Kritiker lassen sich mit dieser Erklärung nicht abspeisen. Die Gefahr eines Anschlages sei eine sehr reale Gefahr, denn AKWs gelten als beliebtes Angriffsziel. Dass 100 Aktivisten ohne grosse Mühe aufs Gelände gelangen konnten, beweise dass Beznau in verschiedenen sicherheitsrelevanten Bereichen Mängel aufweist. Entsprechendes wird auch für die anderen schweizerischen Atomkraftwerke befürchtet.

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