Die weisse Emissionsweste & die ausgelagerte graue Energie

03 Aug 2016
Graue Energie wird meist nicht ausgewiesen und erschwert dem Konsumenten einen energiefreundlichen Kaufentscheid. Graue Energie wird meist nicht ausgewiesen und erschwert dem Konsumenten einen energiefreundlichen Kaufentscheid.

Graue Energie steckt in allen Gütern. Was hat es mit diesem Begriff auf sich, wo fällt diese Energie an und was gedenkt die Schweiz zur Minimierung zu unternehmen?

Nebst der Energie, die für die Verwendung eines Produktes verbraucht wird (beispielsweise Strom für den Wasserkocher), wird auch für dessen Herstellung, Lagerung und Verarbeitung Energie verbraucht. Die graue Energie bezeichnet nun die Menge an Energie, welche für ein Produkt insgesamt aufgewendet werden muss; angefangen vom Rohstoffabbau bis hin zur Entsorgung (exkl. dem Verbrauch bei der Nutzung durch den Konsumenten). Sie wird nicht direkt durch den Verbraucher eingekauft und ist deshalb meist nicht ersichtlich.



Problematik

Aufgrund der Nicht-Einberechnung der grauen Energie in die Energiebilanz kann ein verzerrtes Bild entstehen. Die CO2-Emissionen, welche meist einhergehen mit dem Energieverbrauch, lagen gemäss dem BAFU in der Schweiz bei ca. 6.5 Tonnen pro Person (2013), während in Deutschland dieser Wert im selben Jahr bei 11.5 Tonnen lag. Werte, wie die Schweiz sie aufweist, sind aber nur dank der oftmals ausgelagerten Produktion der konsumierten Güter möglich. Die Tatsache, dass die Schweiz viele energieintensive Produkte importiert, verbessert die Energiebilanz zu Unrecht.

In einem Bericht des Bundesamtes für Umwelt wird ersichtlich, dass unter Einberechnung der grauen Energie im Jahr 2004 rund 12.5 Tonnen CO2 pro Kopf anfielen. Dies anstelle der normal ausgewiesenen 7.2 Tonnen. Eine weitere Studie des BAFU zeigt auf, dass 60 % der von der Schweiz verursachten Umweltbelastungen im Ausland anfallen.

In der Politik

Vor fünf Jahren wurde seitens der Grünen Partei eine Deklarationspflicht für graue Energie vom Bundesrat gefordert. Der Bundesrat sieht eine generelle Deklarationspflicht als nicht praktikabel an, unterstützt aber freiwillige Bemühungen verschiedener Branchen für mehr Transparenz (beispielsweise Ökobilanz von Bauteilen, Gebäudetechnik und Energiesystemen). Eine generelle Deklarationspflicht würde dem angestrebten Abbau von Handelshemmnissen entgegenwirken.

 

Eine Erhebung der grauen Energie gestaltet sich auch deshalb schwierig, da die Kennzahlen der Produktion und Verarbeitung im Ausland nicht zur Verfügung stehen.


Der Anteil der grauen Energie muss ausserdem immer in Relation zum Energieverbrauch des Produktes gesetzt werden.
Im Rahmen des 2013 verabschiedeten Aktionsplans “Grüne Wirtschaft“ will der Bundesrat mit seinem Engagement in der internationalen Klimapolitik und der Finanzierung von Projekten in Entwicklungsländern die Reduktion der grauen Energie erwirken.

Eine Deklarationspflicht für graue Energie ist somit nicht in Sicht. Gehofft werden kann auf die freiwillige Erstellung von Ökobilanzen, wie dies in der Baubranche geschehen ist, um Transparenz auf dem Markt zu schaffen.
Die graue Energie ist je nach verwendeter Energie unterschiedlich problematisch. Wurde das Produkt mit erneuerbarer Energie produziert, ist die graue Energieaufwendung weniger heikel als wenn durch die Energieerzeugung weitere Umweltschäden entstehen. Das Streben nach der Umstellung auf erneuerbare Energien wird die graue Energie nicht minimieren, aber zumindest die Auswirkungen eindämmen.

 

Weiterführende Informationen/Quellen:
Graue Treibhausgas-Emissionen der Schweiz 1990-2004
Europäischer Vergleich der Treibhausgas-Emissionen
Plattform Ökobilanzdaten im Baubereich
Energie-Lexikon

 

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