Der Umweltsünder Bitcoin

Der Umweltsünder Bitcoin

Kryptowährungen boomen. Doch Studien zeigen: Die Digitalwährung Bitcoin verbraucht Unmengen an Strom.

Das Bitcoin-Netzwerk existiert seit zehn Jahren. Entwickelt wurde das Konzept von einem anonymen Autor mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Am 31. Oktober 2008 wurde es in Form eines White Papers im Internet veröffentlicht. Die Kryptowährung ist eine Alternative zu herkömmlichen Währungen: Sie ist dezentral, d.h. unabhängig von Staaten und Banken. Gehandelt wird direkt zwischen Nutzern statt mit der Hilfe von Drittanbietern. Das kann preisgünstiger sein, da keine Gebühren an diese abgegeben werden müssen. Ausserdem wird keine zentrale Vertrauensinstanz benötigt. Diese könnte von Hackern angegriffen werden oder persönliche Daten missbrauchen.

Enormer Energieverbrauch

Die Herstellung der Bitcoins (auch „Mining“ oder „Schürfen“ genannt) frisst jedoch sehr viel elektrischen Strom. Die Server der sogenannten „Miner“ laufen auf Hochtouren, um die virtuellen Münzen zu erzeugen und ständig zu authentifizieren. Dazu lösen die Rechenmaschinen komplexe kryptografische Aufgaben.

Gemäss dem Bitcoin Energy Consumption Index von Digiconomist.net beträgt der jährliche Energieverbrauch von Bitcoin derzeit geschätzt 49 Terrawattstunden. Damit könnten über 4,5 Millionen durchschnittliche U.S.-Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. Das sind 0,22 % des weltweiten Energieverbrauchs – oder ähnlich viel, wie die Staaten Singapur und Portugal benötigen.

Eine Studie im Wissenschaftsjournal Nature Sustainability zeigt weitere Zahlen: In 30 Monaten von Anfang 2016 bis Mitte 2018 wurden 17 Megajoule an elektrischer Energie benötigt, um Bitcoins im Wert von einem US-Dollar zu erzeugen. Das entspricht 4,7 Kilowattstunden Strom. Goldminenarbeiter hingegen müssen laut der Studie fünf MJ aufwenden, um einen US-Dollar zu generieren. Digitales Schürfen also benötigt weit mehr Energie, um einen vergleichbaren Marktwert zu erzeugen.

Computer benötigen zur Herstellung von Bitcoins eine hohe Rechenleistung. (Quelle: rebcenter-moscow, Pixabay)

Computer benötigen zur Herstellung von Bitcoins eine hohe Rechenleistung. (Quelle: rebcenter-moscow, Pixabay)

Bitcoin verschmutzt die Luft

In Europa ist Bitcoin-Mining aufgrund hoher Stromkosten oft nicht rentabel. In China jedoch gibt es viele Bitcoin-Hersteller – welche die Elektrizität aus Kohlekraftwerken beziehen. Digiconomist schätzt, dass sich der jährliche CO2-Fussabdruck auf 24 Millionen Tonnen beläuft. Das ist halb so viel, wie die Schweiz im Jahr 2016 gemäss dem Bundesamt für Umwelt verbrauchte.

Wie geht es weiter mit Bitcoin?

Für alltägliche Kaufabwicklungen wird Bitcoin heute kaum genutzt. Vielmehr dient die Digitalwährung für Finanzspekulationen – ein hochumstrittenes Unterfangen, denn die Blase könnte irgendwann platzen. In seinen Anfängen hatte der Bitcoin kaum einen Wert. 2017 stieg dieser auf über 19‘000 US-Dollar. Im November 2018 brach der Kurs rapide ein; der Bitcoin war zeitweise weniger als 3‘400 Dollar wert. Derzeit liegt der Kurs bei ca. 3‘600 Dollar. Grundsätzlich gilt: Je geringer die Nachfrage nach Bitcoin ist, desto weniger digitale Münzen werden geschürft. Das verbraucht weniger Energie – und ist letztendlich klimafreundlicher.

Quellen und weitere Informationen:
Bitcoin.org: Wie funktioniert Bitcoin?
coincierge.de: Stromverbrauch und CO2 Ausstoß des Bitcoin Netzwerks
NZZ: Der Bitcoin fällt und fällt – alles Wichtige zu Kryptowährungen auf einen Blick
Digiconomist.net: Mehr Informationen zur Umweltschädlichkeit von Bitcoin
Studie „Quantification of energy and carbon costs for mining cryptocurrencies” (In: Nature Sustainability)
Studie “Bitcoin emissions alone could push global warming above 2°C” (In: Nature Climate Change)

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