Energieeffizienz in China: Wird der rote Riese grün?

29 Okt 2012

China ist mit aktuell 1,35 Milliarden Einwohnern nicht nur das bevölkerungsstärkste Land der Welt, sondern seit 2009 auch der grösste Primärenergie-Verbraucher und CO2-Emittent. Heute entspricht der Verbrauch, mit über 2600 Tonnen Öleinheiten pro Jahr, einem Fünftel des Energieverbrauchs weltweit.

Das rapide Wirtschaftswachstum der letzten Jahre hat China nach den USA zur weltweit zweitwichtigsten Wirtschaftsmacht werden lassen. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist Chinas Wirtschaft jährlich um etwa neun Prozent gewachsen, der Energieverbrauch hat sich infolge dessen verdoppelt. Das aufstrebende Schwellenland kann den steigenden Energiebedarf jedoch kaum abdecken. So kommt es in vielen grossen Wirtschaftsregionen immer wieder zu Stromausfällen und die ländlichen Gebiete sind teilweise gar nicht ans Stromnetz angeschlossen.

16 der 20 meist verschmutzten Städte der Welt befinden sich in China.

Die Energie wird immer noch zu 70% aus Kohlenkraftwerken gewonnen, die erheblich zur Luftverschmutzung in den Städten beitragen. 16 der 20 meist verschmutzten Städte der Welt befinden sich gemäss einer Studie der Weltbank in China. Die Politik sieht vor, dass alte Werke durch neue, umweltschonendere Kohlekraftwerke ersetzt werden. Aufgrund des hohen Konsums bleiben aber auch die veralteten Anlagen meist am Netz. Um den gesundheitsschädlichen Smog in den Städten zu veringern, gilt es, laut Zhang Guobao, Leiter des chinesischen Energieamtes, „als dringendste Aufgabe, den Anteil der Kohlekraftwerke zu reduzieren und tatkräftig Wasserkraft, Windkraft und andere erneuerbare Energien zu fördern."

Tatsächlich wurden im November 2011 ambitiöse Massnahmen für den Klimaschutz festgelegt. Die Regierung will unabhängig werden von Kohle und Erdöl und setzt vermehrt auf nachhaltige Energien wie Wind-, Wasser- und Sonnenkraft; aber auch Atom und Erdgas werden gefördert. Durch Grossprojekte wie z.B. den drei-Schluchten-Damm oder Windkraftanlagen in der Mongolei konnte der Anteil erneuerbarer Energien in der Tat vergrössert werden, jedoch relativieren sich die positiven Auswirkungen durch den nach wie vor stark steigenden Energiekonsum. Viele Staudammprojekte haben zudem zu schwerwiegenden Umweltfolgen geführt (Erdrutsche, ausgetrocknete Flüsse, etc.). Der effektive Nachhaltigkeitswert solcher Projekte muss deshalb in Frage gestellt werden.

Das Bewusstsein zur Energieeffizienz ist kaum verankert in der chinesischen Kultur; auch weil das Komfortbewusstsein nicht dasselbe ist wie in Europa.

Der Staat will aber nicht nur nachhaltigen Strom produzieren, sondern mithilfe von Informationskampagnen das Bewusstsein zum Stromsparen wecken und die Energieeffizienz von Gebäuden verbessern. China öffnet dafür auch zunehmend die Tore für ausländische Investoren, die beispielsweise nachhaltige Bauprojekte umsetzen wollen. Die Realisierung ist jedoch oft schwierig. Das Bewusstsein zur Energieeffizienz ist kaum verankert in der chinesischen Kultur; auch weil das Komfortbewusstsein nicht dasselbe ist wie in Europa. Beispielsweise gibt es vielerorts trotz tiefer Temperaturen noch immer keine Heizungen. So fehlt meist das Verständnis für dichte Fenster oder Isolierungen. Viele chinesische Bauunternehmen planen nach wie vor nach dem Prinzip „je günstiger und schneller, desto besser“. Die Überzeugung, dass durch Stromeffizienz eine langfristige Kostenreduktion möglich ist, ist nicht weit verbreitet. Auch die oft jungen Hauskäufer interessieren sich meist nicht für Energieeffizienz. Erste Präferenz ist in diesem Alter der Preis: ein Job und eine eigene Wohnung ist der erste Schritt zu gesellschaftlicher Akzeptanz und gilt nicht zuletzt bei der Partnersuche quasi als Voraussetzung.

Der Staat, anders als vor einigen Jahren, hat die Notwendigkeit der Nachhaltigkeit und Stromeffizienz offenbar erkannt; nicht zuletzt weil China selbst, nach eigenen Angaben, sehr anfällig ist auf die Folgen des Klimawandels: Naturkatastrophen wie extreme Dürreepisoden oder Erdrutsche haben dies gezeigt. Auch der internationale Druck, das Image und die eigenen Energiedefizite spielen sicherlich eine wichtige Rolle. Ambitiöse Projekte existieren – z.B. sollte auf einer Insel die erste komplette „Null-Emissions-Stadt“ der Welt gebaut werden – jedoch scheitern sie oft an der Umsetzung: die Baustellen dieser Stadt liegen seit acht Jahren brach und niemand möchte darüber sprechen.

Definition Primärenergieverbrauch

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